Mehrere Personen stehen vor einem sudanesischen Regierungsgebäude. | AP

Angriff abtrünniger Soldaten Putschversuch im Sudan vereitelt

Stand: 21.09.2021 14:29 Uhr

Die Übergangsregierung im Sudan hat offenbar einen Militärputsch vereitelt. Wer dahintersteckt, ist unklar. Vermutet werden Anhänger von Ex-Diktator al-Baschir, die die Demokratiebewegung stürzen wollen.

Von Thomas Bormann, ARD-Studio Istanbul, zur Zeit im ARD-Studio Kairo

"Der Putschversuch ist vereitelt, die Lage ist unter Kontrolle", meldete die staatliche Nachrichtenagentur Suna in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum. Zuvor hätten abtrünnige Militäreinheiten versucht, Regierungsbehörden und einen staatlichen Radiosender zu besetzen, um die Macht an sich zu reißen. Das sei aber gescheitert.

Thomas Bormann ARD-Studio Istanbul

Regierung: Die Lage ist ruhig

Es habe Kämpfe gegeben, hieß es. Dutzende Offiziere, die sich an dem Putschversuch beteiligt hätten, seien verhaftet worden. Die Lage im Sudan sei nun wieder ruhig.

Das 44-Millionen-Einwohner-Land ist seit zwei Jahren auf dem Weg in die Demokratie. Die Übergangsregierung aus Militärangehörigen und Mitgliedern der Demokratie-Bewegung bereitet für das kommende Jahr Wahlen vor.

Ex-Regierungsberater: Islamisten wollen zurück an die Macht

Wer hinter dem Putschversuch von heute früh steckt, ist unklar. Der frühere sudanesische Regierungsberater Feiz al-Schich al-Silik sagte im arabischen Sender al-Hadath: "Dieser Putschversuch zielt auf die Demokratie-Bewegung, gegen die Zivilgesellschaft und darauf, die Islamisten wieder an die Macht zu bringen." Es gebe im Militär noch viele Anhänger des früheren Diktators Omar al-Baschir. Diese würden gemeinsam mit Islamisten danach streben, die Macht wieder an sich zu reißen.

Al-Baschir hatte den Sudan 30 Jahre lang mit harter Hand regiert. Nach Massenprotesten vor gut zwei Jahren setzte das Militär ihn ab. Seitdem wird der Sudan von der Übergangsregierung geführt, die versucht, demokratische Strukturen aufzubauen.

Viele ungelöste Probleme

Der Putschversuch sei nur ein Symptom für die Schwierigkeiten im Sudan, neben der Wirtschaftskrise und vielen anderen ungelösten Problemen, sagt al-Schich al-Silik. "Diese Leute wollen die Uhr zurückdrehen, sie wollen zurück an die Macht und jegliche Transformation im Sudan abwehren."

Den Putschversuch konnte die Übergangsregierung offenbar zurückschlagen. Auf Fernsehbildern ist zu sehen, wie in der Hauptstadt Khartoum wieder normaler Alltagsbetrieb herrscht. Der Weg zur Demokratie bleibt aber schwierig für das Land.