Der sudanesische Premierminister Abdullah Hamdok. | AFP

Erneuter Putsch Sudanesischer Premier festgesetzt

Stand: 25.10.2021 12:04 Uhr

Im Sudan hat das Militär geputscht und offenbar Premierminister Hamdok verschleppt. Zuvor waren bereits mehrere Minister von Soldaten festgenommen worden. Aus der Hauptstadt werden Feuergefechte gemeldet.

Im Sudan ist es zu einem erneuten Putsch durch das Militär gekommen. Regierungschef Abdallah Hamdok sei von Angehörigen des Militärs an einen unbekannten Ort verschleppt worden, hieß es in einer Mitteilung auf der offiziellen Facebook-Seite des Informationsministeriums. Zuvor hatten der Sender Al-Hadath und das Nachrichtenportal Sudan Tribune darüber berichtet. Auch mindestens fünf weitere führende Regierungsvertreter seien festgenommen worden, wie lokale Medien berichten.

Wo die Regierungsvertreter festgehalten werden, ist laut Informationsministerium unklar. Offenbar habe sich Hamdok geweigert, den Putsch in einer Erklärung öffentlich zu unterstützen und die sudanesische Bevölkerung aufgerufen, "am Frieden festzuhalten und die Straßen zu besetzen". Die Armee habe Internetverbindungen abgeschaltet und Brücken gesperrt, teilte das Ministerium weiter mit.

Gefechte in Khartum

Aus der Hauptstadt Khartum werden Feuergefechte gemeldet. Dabei sollen nach Angaben von Oppositionellen zwölf Menschen verletzt worden sein. Der Gewerkschafts- und Berufsverbändebund Sudanese Professionals Association und die größte Partei des Landes riefen zum Widerstand gegen das Militär auf.

USA und UN zeigen sich besorgt

Der US-Sondergesandte für die Region, Jeffrey Feltman, zeigte sich "tief besorgt" über die jüngsten Entwicklungen. Eine gewaltsame Machtübernahme widerspreche der Verfassung des Landes und stelle die Ausgabe weiterer US-Hilfen infrage. Auch der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Sudan, Volker Perthes, zeigte sich in einer Mitteilung "zutiefst besorgt" und rief beide Seiten zum Dialog auf. Die Arabische Liga appellierte an alle Parteien, dem "Weg der demokratischen Transition" weiter zu folgen.

In den vergangenen Wochen hatten die Spannungen zwischen dem Militär und dem zivilen Teil der Regierung zugenommen. Bereits im September kam es zu einem Putschversuch von Militäroffizieren, der allerdings scheiterte.

"Militär sieht Pfründe in Gefahr"

Der freie Journalist und Sudan-Experte Tobias Simon sagte auf tagesschau24, das Militär habe nur wenig Rückhalt in der Bevölkerung, seit die Militärführung unter Ex-Machthaber Omar al-Baschir 2019 abgesetzt wurde. Dennoch ist Premier Hamdok bei der Bevölkerung in Ungnade gefallen, da er im Zuge von Verhandlungen mit dem IWF die Subventionen für Benzin abschaffte. Dies hatte schon seit Wochen zu Protesten in der Bevölkerung geführt.

Als Grund für den jetzigen Putsch sieht er die Angst des Militärs vor Machtverlusten durch eine Demokratisierung: "Die militärischen Eliten sehen ihre Pfründe und ihre Interessen in Gefahr. Dazu kommt, dass das Militär nie wirklich bereit war, seinen Herrschaftsanspruch vollständig abzugeben."

Rückschlag für das Land

Sollte das Militär nun die Macht in Khartum übernehmen, wäre das ein schwerer Rückschlag für den Sudan. Die bisher amtierende Übergangsregierung hat sich dem Westen angenähert und sich in den vergangenen Monaten mit dem Internationalen Währungsfond auf Wirtschaftsreformen geeinigt. Um einen Schuldenerlass gewährt zu bekommen, musste der Staat allerdings auch Subventionen unter anderem für Diesel und Benzin streichen. Das führt in dem verarmten Land zu ersten Protesten.

Außerdem hat die Übergangsregierung im August beschlossen, den langjährigen Machthaber Baschir an den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag auszuliefern. Die Bankkonten von Repräsentanten des alten korrupten Regimes wurden eingefroren, offenbar hatten diese Millionen Dollar ins Ausland geschafft.

Proteste halten seit Wochen an

Im Sudan hatte nach dem Sturz Baschirs ein sogenannter Souveräner Rat die Regierungsgeschäfte übernommen, in dem sich Militärs und Zivilisten die Macht teilen. Seitdem befindet sich das Land in einer fragilen Übergangsphase, die 2023 mit der Einsetzung einer zivilen Regierung enden soll. Eine hohe Inflation, wirtschaftliche Schwierigkeiten und tiefe politische Spaltungen verschärfen die Lage.

Mit Informationen von Martin Durm, ARD-Studio Beirut

Über dieses Thema berichtete am 25. Oktober 2021 Deutschlandfunk um 07:00 Uhr in den Nachrichten und die tagesschau um 09:00 Uhr.