Der sudanesische Premierminister Abdalla Hamdok. | AFP

Regierungsmitglieder festgenommen Offenbar erneuter Putsch im Sudan

Stand: 25.10.2021 07:24 Uhr

Im Sudan ist der Machtkampf zwischen Militär und der zivilen Regierung offenbar erneut eskaliert. Laut Berichten haben die Militärs mehrere Regierungsvertreter festgenommen. Es wäre der zweite Putschversuch binnen weniger Wochen.

Im Sudan ist offenbar zu einem erneuten Putschversuch aus den Reihen des Militärs gekommen. Mindestens fünf führende Regierungsvertreter seien festgenommen worden, wie lokale Medien und mehrere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf informierte Kreise übereinstimmend berichten. Eine Stellungnahme des Militärs gab es bislang noch nicht.

Festgenommen wurden den Angaben zufolge Industrieminister Ibrahim al-Sheikh, Informationsminister Hamza Baloul, Mohammed al-Fiky Suliman vom regierenden Souveränitätsrat und Faisal Mohammed Saleh, Medienberater von Ministerpräsident Abdalla Hamdok. Auch Ayman Khalid, der Gouverneur der Hauptstadtregion Khartum, sei verhaftet worden, hieß es auf seiner offiziellen Facebook-Seite.

Wo sich Regierungschef Hamdok aufhält, blieb zunächst unklar. Örtliche Medien berichteten, dass sein Haus von Sicherheitskräften umstellt worden sei.

Zudem soll der Flughafen der Hauptstadt Khartum geschlossen und internationale Flüge eingestellt worden sein, berichtete der in Dubai ansässige Fernsehsender al-Arabiya. Die Organisation NetBlocks meldete zudem großflächige Ausfälle des Internets im Land.

Putschversuch im September gescheitert

Der Gewerkschaftsverband SPA, der 2019 auch die Proteste gegen den daraufhin abgesetzten Langzeitmachthaber Omar al-Baschir angeführt hatte, rief die Menschen im Land auf, auf die Straße zu gehen, um eine Machtübernahme des Militärs zu verhindern. "Wir fordern die Massen auf, die Straße zu besetzen, sie mit Barrikaden zu sperren, in einen allgemeinen Arbeitsstreik zu treten und nicht mit den Putschisten zu kooperieren und zivilen Ungehorsam zu leisten", heißt es in einer Erklärung der SPA.

In den vergangenen Wochen hatten die Spannungen zwischen dem Militär und dem zivilen Teil der Regierung zugenommen. Bereits im September kam es zu einem Putschversuch von Militäroffizieren, der allerdings scheiterte.

Proteste halten seit Wochen an

Im Sudan hatte nach dem Sturz Baschirs ein sogenannter Souveräner Rat die Regierungsgeschäfte übernommen, in dem sich Militärs und Zivilisten die Macht teilen. Seitdem befindet sich das Land in einer fragilen Übergangsphase, die 2023 mit der Einsetzung einer zivilen Regierung enden soll. Eine hohe Inflation, wirtschaftliche Schwierigkeiten und tiefe politische Spaltungen verschärfen die Lage.

In den vergangenen Monaten hatte die amtierende Übergangsregierung eine Reihe von Wirtschaftsreformen auf den Weg gebracht, um sich für einen Schuldenerlass des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu qualifizieren. Im Zuge der Reformen wurden unter anderem die staatlichen Subventionen für Treibstoff gekürzt. Auch andere Maßnahmen führten zu massiven Vertrauensverlusten in die Übergangsregierung. Im Osten des Landes gibt es seit Wochen Proteste. Erst am vergangenen Donnerstag hatten in mehreren Städten Zehntausende für die Einsetzung einer zivilen Regierung demonstriert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Oktober 2021 um 08:00 Uhr.