Der sudanesische General al Burhan begrüßt 2019 weitere hochrangige Militärs | AFP

Umsturz im Sudan Putsch für Privilegien und Profite

Stand: 27.10.2021 06:55 Uhr

Die Putschisten im Sudan geben sich als Retter der Nation. Tatsächlich dürfte es ihnen vor allem um Macht, Privilegien und Profite gehen. Das Militär schützt seine Pfründe und handelt nach einem altbekannten Muster.

Von Martin Durm, ARD-Studio Beirut

Am Montagnachmittag, kurz nach dem Putsch, verhängte General Abdel Fatah al Burhan den Ausnahmezustand über den Sudan. Nur wenige Stunden später erklärte in Kairo Präsident Abdel Fatah al Sisi den Ausnahmezustand für Ägypten für beendet. Zufall oder nicht: Dass im Nachbarland Sudan die Übergangsregierung weggeputscht wurde - und mit ihr die Hoffnung auf freie Wahlen, eine zivile Regierung, eine demokratische Entwicklung des Landes -, ist zumindest für Sisi eine gute Nachricht. Denn nichts wäre für das Regime am unteren Nil so bedrohlich gewesen wie eine erfolgreiche Revolution am oberen Nil.

Martin Durm

Die Sudanesen hätten den Ägyptern vor Augen geführt, dass sich die Verhältnisse eben doch ändern lassen in der arabischen Welt. Das hat sich durch den Putsch im Sudan nun fürs Erste erledigt. Den Generälen im ägyptischen Militär wird es leicht fallen, sich mit den Kameraden in Khartum zu identifizieren. Ähnlich wie 2013 in Kairo präsentiert sich das sudanesische Militär jetzt als Retter der Nation. Ähnlich wie 2013 in Kairo geht es aber in Wahrheit darum, Macht und Privilegien zu sichern.

Die wirtschaftlichen Interessen des Militärs

Sudans marode Wirtschaft wird - auch das ist eine Parallele zu Ägypten - in weiten Teilen vom Militär kontrolliert. Ölförderung, Getreidemühlen, Bauunternehmen, Mobilfunk, der Import von Elektronik unterstehen der sogenannten "Military Industry Corporation", ihr Profit fließt in die Taschen der militärischen Elite. Mindestens 200 Unternehmen gehören dem Militär, geschätzte Einnahmen pro Jahr: zwei Milliarden Dollar.

Anfang des Jahres hatte Ministerpräsident Abdalla Hamdok dem Militär das Zugeständnis abgerungen, die zivilen Geschäftszweige an das Finanzministerium zu übergeben. Hätte es im kommenden Jahr - wie vereinbart - freie Wahlen und 2023 eine rein zivile Regierung gegeben, hätte das sudanesische Offizierscorps eine seiner wichtigsten Einnahmequellen verloren.

Eine berüchtigter Akteur im Hintergrund

Zu den zentralen Figuren im militärischen Apparat zählt ein Mann, der beim Putsch unsichtbar blieb: General Mohamed Dagalo, auch "Hemeti" genannt. Er kommandiert die paramilitärischen RSF, die Rapid Support Forces, die auch jetzt wieder auf den Straßen Khartums gegen Demonstranten im Einsatz sind. Hemeti hat die RSF während des Krieges in Darfur kommandiert, ihm werden schwerste Kriegsverbrechen wie Massaker und Vergewaltigungen vorgeworfen. Skrupellos und kampferfahren zugleich, führt er einen der einflussreichsten Stämme im Westen, die Rezeigat.

Obwohl er beim jetzigen Putsch im Hintergrund bleibt, gilt Hemiti als der eigentliche starke Mann im Sudan. Auch auf der arabischen Halbinsel ist Hemeti bestens vernetzt. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihn und seine paramilitärische Truppe für die Kriege im Jemen und Libyen angeworben, angeblich hat er Tausende seiner Männer zur Verfügung gestellt.

Mit Generälen wie ihm und Burhan droht dem Sudan nun der Sturz zurück in finstere Zeiten. Die zivilen Mitglieder der Übergangsregierung wurden an unbekannte Orte verschleppt. In Khartums Regierungspalast kehrt die alte Garde zurück, eine korrupte Clique von Uniformierten. Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien habe jetzt wieder Verbündete im Sudan.          

Der sudanesische General Burhan spricht nach dem Putsch im Land zu den Medien | AP

Das Gesicht des Putsches im Sudan, aber wohl nicht die treibende Kraft: General Burhan Bild: AP

Der sudanesische General Dagalo | AFP

Steht nicht in der ersten Linie, gilt aber als starker Mann der Junta: General Dagalo, genannt Hemeti Bild: AFP

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.