Der sudanesische Premierminister Abdullah Hamduk hält im Mai 2021 auf der Konferenz zur Unterstützung des Sudan in Paris eine Rede. | REUTERS

Militärputsch im Sudan Premier Hamdok ist wieder zu Hause

Stand: 27.10.2021 09:02 Uhr

Nach der Machtübernahme des Militärs im Sudan konnte der zunächst festgenommene Premier Hamdok nach Hause zurückkehren. Als Reaktion auf den erneuten Putsch droht Deutschland, finanzielle Hilfen vorerst zu kappen.

Der beim erneuten Militärputsch im Sudan entmachtete Premierminister Abdullah Hamdok durfte wieder in sein eigenes Zuhause zurückkehren. Das teilte das Büro Hamdoks mit. Auch seine Ehefrau wurde demnach am Dienstagabend in das gemeinsame Haus des Paares gebracht. Noch unklar ist, ob für Hamdok nun eine Art Hausarrest gilt. Sein Haus wird schwer bewacht.

Anfang der Woche hatte das Militär in dem afrikanischen Land durch einen Putsch die Macht übernommen. Dabei war Hamdok festgenommen und in das Haus des obersten Generals des Landes, Abdel-Fattah Burhan, gebracht worden. Kurz darauf erklärte das Militär den Ausnahmezustand und teilte mit, dass das Übergangskabinett und der regierende Souveränitätsrat aufgelöst worden seien.

USA begrüßen Freilassung Hamdoks

Bereits am Dienstag hatte Burhan angekündigt, den Premier wieder freilassen zu wollen. Die USA begrüßten die Entlassung Hamdoks in den Gewahrsam im eigenen Haus. US-Außenminister Antony Blinken telefonierte eigenen Angaben zufolge mit dem abgesetzten Premier und forderte das Militär im Sudan anschließend auf, alle "zivilen Anführer" freizulassen und "ihre Sicherheit zu garantieren".

Als Reaktion auf die Machtergreifung im Sudan hatten die USA ihre finanziellen Hilfen für das Land vorerst eingefroren. Umgerechnet sind das Gelder von rund 603 Millionen Euro. Die EU hat ebenfalls mit dem vorübergehenden Aus ihrer Unterstützung gedroht. Der Versuch, den Übergangsprozess im Sudan zu untergraben, sei "inakzeptabel", erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell im Namen der 27 Mitgliedstaaten. 

Auch Deutschland droht, Finanzhilfen einzufrieren

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas warnte, Deutschland werde seine Finanzhilfen unter den gegebenen Bedingungen ebenfalls auf Eis legen. Der Putsch entziehe diesem Engagement die Grundlage, hieß es in einer Mitteilung. Maas nannte den Putsch eine "katastrophale Entwicklung". Er bringe das Land "in eine bedrohliche Lage und stellt die demokratische und friedliche Zukunft des Sudan, für die sich die internationale Gemeinschaft engagiert hat, in Frage". Das Militär dürfe "sich nicht der Demokratie in den Weg stellen". Auch Maas drängte darauf, dass Gefangene freigelassen werden müssten und die abgesetzte zivil geführte Übergangsregierung wieder eingesetzt werden solle.

Auch der UN-Sicherheitsrat hatte sich in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage im Sudan befasst und sich anschließend besorgt über die Entwicklungen geäußert. Auf eine gemeinsame offizielle Erklärung konnten sich die 15 Mitglieder des Gremiums jedoch nicht einigen.

Landesweite Proteste

Im Sudan hatte nach dem Sturz Baschirs ein sogenannter Souveräner Rat die Regierungsgeschäfte übernommen, in dem sich Militärs und Zivilisten die Macht teilen. Seitdem befindet sich das Land in einer fragilen Übergangsphase, die 2023 mit der Einsetzung einer zivilen Regierung enden soll. Eine hohe Inflation, wirtschaftliche Schwierigkeiten und tiefe politische Spaltungen verschärfen die Lage.

Landesweit hatten Sudanesen gegen die Absetzung der Übergangsregierung protestiert. Auch am Dienstag gingen in der Hauptstadt Khartum und in anderen Städten des Landes Tausende Menschen auf die Straße. Sicherheits- und Militärkräfte gingen teils mit Tränengas gegen die Demonstrierenden vor. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, soll bei Protesten am Montag mit scharfer Munition auf Teilnehmer geschossen worden sein. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben, mehr als 80 Demonstrierende wurden verletzt.

Karte vom Sudan mit der Hauptstadt Khartum

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2021 um 09:00 Uhr in den Nachrichten.