Protestierende im Sudan | AFP

Nach Militärputsch Tote und landesweiter Protest im Sudan

Stand: 26.10.2021 07:59 Uhr

Tausende Sudanesen protestieren gegen den Putsch des Militärs. Bei Auseinandersetzungen gab es Tote und Verletzte. Auch wenn die Generäle Demokratie versprechen, droht dem Sudan eine lange Phase der Instabilität.

Björn Blaschke ARD-Studio Kairo

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Mindestens drei Menschen sollen umgekommen sein, weil Soldaten auf Protestierende geschossen hatten. Mehr als 80 seien darüberhinaus verletzt worden, berichten Medien aus Sudans Hauptstadt Khartum.

Bilder im Internet, die bisher nicht verifiziert wurden, zeigen offenbar rennende Demonstrierende in Khartum, während im Hintergrund Schüsse zu hören sind. Die sudanesische Ärztegewerkschaft schrieb auf Facebook, die tödlichen Schüsse seien außerhalb des Militärgeländes in Khartum gefallen. Mitarbeiter der Zentralbank seien in den Streik getreten. Im ganzen Land sollen sich Ärzte weigern, in Militärkrankenhäusern zu arbeiten, es sei denn in Notfällen. 

Streiks und Widerstand im ganzen Land

Fest steht, dass Menschen im Sudan gegen den Militärputsch protestieren. Und dass Angehörige der Streitkräfte gegen sie vorgehen. Gestern hatten sudanesische Militärs zivile politische Führer festgenommen. Seither werden Regierungschef Abdalla Hamdok und andere zivile Mitglieder seiner Regierung an einem unbekannten Ort festgehalten. 

Typische Putschisten-Phrasen

Sudans oberster General, Abdel Fattah al-Burhan, verhängte den Ausnahmezustand. Im Staatsfernsehen erklärte er die Übergangsregierung sowie den Souveränen Übergangsrat für aufgelöst. Burhan kündigte zudem die Bildung einer neuen Regierung mit "kompetenten Personen" an. Mit den Maßnahmen wolle er "den Kurs der Revolution korrigieren", so Burhan in seiner Ansprache. Worte, typisch für Putschisten: "Es war unsere Pflicht, in den Streitkräften die Schritte zu gehen, um den Kurs der glorreichen Dezemberrevolution bis zum Erreichen ihrer endgültigen Ziele, einem vollständigen Zivilstaat erreicht durch freie und faire Wahlen, zu erhalten."

 Erfolge für zivile Regierung

2023 sollen diese Wahlen stattfinden. Und Burhan versicherte, an diesem Plan festhalten zu wollen. Als Grund für den Putsch nannte er politische Machtkämpfe. Seit dem Sturz des langjährigen Herrschers Omar al-Baschir vor zwei Jahren sind zivile Führer und ihre militärischen Kollegen uneins. Immer wieder haben Militärs mehr oder weniger unverhohlen versucht, die Macht an sich zu reißen.

Dabei machen zivile Führer durchaus Erfolge für sich geltend. So sagte etwa Sadik al-Mehdi nach dem Putsch im Sender al-Jazeera: "Nach der vollständigen Zerstörung, die das Land während der drei Jahrzehnte der Baschir-Diktatur erlebte, die das Land und alles in ihm zerstörten, kam das Land aus der schlechten Lage heraus und bewegte sich vorwärts. Zwar langsam, aber es gab Fortschritte." Die internationalen Beziehungen seien wieder hergestellt worden und die internationale Gemeinschaft unterstütze die zivile und demokratische Umwandlung des Sudan. "Sogar die Wirtschaftsleistung hatte sich verbessert", so al-Mehdi.

Aus dem Sudan ist zu hören, dass die Proteste nun weitergehen. Die Revolution, die 2019 begann, sei noch nicht zu Ende.

Karte von Sudan mit den Städten Khartum, Bur Sudan, Kassala, Nyala

Über dieses Thema berichteten am 26. Oktober 2021 die tagesschau um 05:30 Uhr und Deutschlandfunk Kultur um 07:09 Uhr.

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Moderation 26.10.2021 • 18:04 Uhr

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