Abdalla Hamdok | AFP

Sudan Entmachteter Regierungschef zurück auf altem Posten

Stand: 21.11.2021 16:57 Uhr

Sudans Ministerpräsident Hamdok ist aufgrund eines Abkommens mit den Putschisten auf seinen Posten zurückgekehrt. Die wichtigste Zivilvertretung lehnte den Deal umgehend ab. Tausende Demonstranten zogen vor den Präsidentenpalast.

Vier Wochen nach seiner Entmachtung durch putschende Militärs im Sudan hat Regierungschef Abdalla Hamdok sein Amt wieder übernommen. Hamdok zeigte sich zusammen mit dem Anführer des Putsches vom Oktober, General Abdel Fattah al-Burhan, im Fernsehen, um eine neue Vereinbarung zur Machtteilung zu unterzeichnen.

"Die Entscheidung des obersten Armeechefs, den Übergangs-Regierungschef abzulösen, ist aufgehoben", hießt es in der mit Hilfe ausländischer und nationaler Vermittler aufgesetzten Einigung.

Hamdok: "Lasst uns das Blutvergießen stoppen"

Teil der 14 Punkte umfassenden Vereinbarung ist demnach auch, die Übergangsregelung zur Demokratie wiederzubeleben, auf die sich die Parteien bereits 2019 nach dem Sturz des langjährigen Präsidenten Omar al-Baschir geeinigt hatten. Die Regelung sah eine Teilung der Macht zwischen Militär und Zivilisten und Wahlen 2023 vor.

Der offenbar geschwächt wirkende Hamdok sagte: "Das sudanesische Blut ist wertvoll. Lasst uns das Blutvergießen stoppen und die Energie der Jugend auf Aufbau und Entwicklung des Landes lenken." Dem Abkommen zufolge sollen auch alle politischen Gefangenen freikommen.

Vereinbarung unter Zwang?

Hamdok habe sich auf die neue Vereinbarung nur unter Zwang eingelassen, zitierte BBC einen Sprecher des Zivilbündnisses, das den Ministerpräsidenten vor zwei Jahren aufstellte und mit ihm regierte.

Seit dem Putsch Ende Oktober ist ein neuer Übergangsrat an der Macht, der jedoch von anderen Ländern nicht als Regierung anerkannt wurde. Der Anführer des Putsches und Vorsitzende des neuen Rats, General al-Burhan, erklärte, die Machtübernahme am 25. Oktober sei notwendig gewesen, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Al-Burhan hatte am 11. November Mitglieder des Übergangsrats benannt, der die Rolle eines Kabinetts übernimmt. Dem 14-köpfigen Rat gehören mindestens fünf Militärvertreter an und keines der zivilen Mitglieder der früheren Übergangsregierung.

Die zivilen Parteien wollen ihren Protest deshalb nicht aufgeben. "Wir bekräftigten unsere klare Position: Keine Verhandlungen, keine Partnerschaft und keine Anerkennung der Putschisten", erklärte das Bündnis FFC. Tausende Demonstranten marschierten in der Hauptstadt Khartum zum Präsidentenpalast und verlangten die Abdankung von General al-Burhan.

Demonstranten im Sudan ziehen zum Präsidentenpalast in Karthum. | AP

Demonstranten in Karthum fordern die Abdankung des Putschistenführers, General al-Burhan. Bild: AP

40 Tote bei Massenprotesten

Das Militär hatte am 25. Oktober die Macht übernommen und Ministerpräsident Hamdok sowie meherere weitere Minister unter Hausarrest gestellt. Zudem wurden mehrere Zivilisten festgenommen, die im Rahmen einer mit dem Militär nach Bashirs Sturz vereinbarten Machtteilung Spitzenpositionen inne hatten.

Der Putsch löste Massendemonstrationen aus, bei denen mindestens 40 Menschen zu Tode kamen. Die USA, Deutschland und andere westliche Staaten hatten den Putsch verurteilt und eine Rückkehr zu einem von Zivilisten geführten Übergang zur Demokratie gefordert. Zudem wurden Wirtschaftshilfen ausgesetzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. November 2021 um 20:00 Uhr.