Al-Baschir | REUTERS

Darfur-Konflikt Sudans Ex-Präsident wird ausgeliefert

Stand: 11.08.2021 16:23 Uhr

Fast 20 Jahre nach Beginn des Darfur-Konflikts soll dem Hauptverantwortlichen nun der Prozess gemacht werden. Der Sudan kündigte an, Ex-Präsident al Baschir an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag auszuliefern.

Wahllose Tötung, Plünderung, Vertreibung, Vergewaltigung, Brandstiftung: Die Liste der Vorwürfe des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) gegen den ehemaligen sudanesischen Präsidenten Omar al Baschir ist lang. Seit 2008 existiert ein Haftbefehl gegen ihn.

Nun kündigte der Sudan an, al Baschir ausliefern zu wollen. Das sudanesische Kabinett habe den Schritt beschlossen, teilte Außenministerin Mariam al Mahdi nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Suna mit.

Der IStGH bemühte sich schon länger bei der sudanesischen Regierung um die Auslieferung des ehemaligen Präsidenten und seiner Mitstreiter, um sie vor Gericht zu stellen. Die Überstellungen nach Den Haag wurde nun während eines Treffens mit dem neuen Generalstaatsanwalt des Gerichts bei dessen Besuch in Khartum angekündigt. Damit wolle man Gerechtigkeit für die Opfer des Krieges in Darfur schaffen, so al Mahdi.

300.000 Tote im Darfur-Konflikt

Der IStGH macht al Baschir für Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Darfur-Konflikt verantwortlich. Nach UN-Angaben wurden zwischen 2003 und 2006 etwa 300.000 Menschen getötet und 2,5 Millionen Menschen vertrieben.

Die Gewalt entlud sich, als sich verschiedene Volksgruppen gegen al Baschirs Herrschaft aufgelehnt hatten. Der damalige Präsident entsandte die berüchtigten Dschandschawid-Milizen, um die Unruhen niederzuschlagen. Auf seinen Befehl hin sollen die arabischen Reitermilizen systematische Menschenrechtsverbrechen begangen haben.

Ex-Präsident derzeit in Gewahrsam

Nach drei Jahrzehnten an der Macht war der autoritäre Staatschef al Baschir im April 2019 nach monatelangen Protesten gestürzt worden. Im August desselben Jahres übernahm eine Übergangsregierung die Regierungsgeschäfte in Khartum. Al Baschir wurde im Dezember 2019 wegen Korruption verurteilt und stand ab Juli 2020 in Khartum wegen des Staatsstreichs 1989 vor Gericht, der ihn an die Macht gebracht hatte.

Zurzeit befindet sich al Baschir wegen Korruption und Tötung von Demonstranten in Gewahrsam im Sudan.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. August 2021 um 16:00 Uhr.