Eine Frau trauert um ihre verhungerten Kinder | AP

Dürre in Somalia Hunderttausenden droht der Hungertod

Stand: 06.09.2022 12:27 Uhr

Millionen Menschen hungern bereits jetzt in Somalia, und die Lage wird immer schlimmer. Hilfsorganisationen befürchten Hunderttausende Tote, wenn jetzt nicht schnell geholfen werde. Laut UN sind bereits mehr als 700 Kinder gestorben.

Nach dem eindringlichen Appell der Vereinten Nationen haben nun auch zahlreiche Hilfsorganisationen vor einer Hungerkatastrophe in Somalia gewarnt. Nach vier ausbleibenden Regenperioden hintereinander, zwei Heuschreckenplagen und den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie steckt das Land in einer schweren Wirtschafts- und Ernährungskrise. Wie das UN-Kinderhilfswerk UNICEF mitteilte, sind bereits mehr als 700 Jungen und Mädchen verhungert.

Laut der Kinderrechtsorganisation Save the Children wird bis Oktober jedes fünfte Kind schwer unterernährt sein. Diesen bis zu 1,5 Millionen Mädchen und Jungen drohe der Hungertod, wenn ihnen nicht sofort geholfen werde. Seit Beginn der Dürre im Oktober 2020 haben demnach rund eine Million Menschen ihre Heimatorte verlassen auf der Suche nach Hilfe, vor allem für die Ernährung ihrer Kinder.

"Opfer der Klimakrise"

"Für die Kinder und Erwachsenen, die bereits gestorben sind, kommt unsere Hilfe zu spät", erklärte der Landesdirektor der Organisation, Mohamud Mohamed Hassan. "Ihr Tod ist nicht nur eine Katastrophe für ihre Familien, sondern zeigt aufs Brutalste die Gleichgültigkeit der Welt gegenüber den Opfern der Klimakrise."

In den vergangenen Monaten hätten die internationalen Geber ihre Mittel für die Krise zwar aufgestockt, aber noch immer fehlen Investitionen in Vorsorge- und Klimaanpassungsmaßnahmen, die eine Hungersnot verhindern würden.

Bis zu 230.000 Tote befürchtet

Auch die Hilfsorganisation Care sieht Somalia vor einer Katastrophe. Schon jetzt sei die Hälfte der somalischen Bevölkerung von Ernährungsunsicherheit betroffen. Der Bay-Region im Süden des Landes drohe eine schwere Hungersnot, 230.000 Menschen könnten jederzeit an Hunger sterben. Care forderte die internationale Gemeinschaft daher dringend auf, jetzt einzugreifen und finanzielle Hilfen bereitzustellen. "Humanitäre Organisationen haben in den letzten zwei Jahren mehrfach Alarm geschlagen, doch wir haben es noch nicht geschafft, die nun drohende Hungerkatastrophe zu verhindern", sagte der Generalsekretär von Care Deutschland, Karl-Otto Zentel.

Im ganzen Land herrsche ein schwerer Mangel an Ressourcen. Die meisten Wasserstellen seien ausgetrocknet. Viele Viehherden seien aufgrund der Dürre gestorben. "Für viele, die die Hungersnot vor über zehn Jahren mitgemacht haben, ist es ein Albtraum, den sie nun schon zum zweiten Mal durchleben müssen", so Zentel. "Dabei bereiten uns vor allem Frauen und Mädchen große Sorgen, da sie in solch schwierigen Zeiten meistens deutlich stärker betroffen sind."

US-Hilfen von mehr als 700 Millionen Euro

Die USA wollen das Land am Horn von Afrika mit Hilfsgütern im Wert von 708 Millionen Euro unterstützen. Das teilte die US-amerikanische Behörde für Entwicklungszusammenarbeit (USAID) mit.

Neben der schweren Dürre hat nach UN-Angaben auch die jahrelange Gewalt die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln behindert. Bislang wurden wegen der drohenden Hungersnot in diesem Jahr bereits 750.000 Menschen aus ihren angestammten Regionen vertrieben. Die Situation in Somalia bleibe voraussichtlich bis mindestens kommenden März kritisch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. September 2022 um 14:00 Uhr.