Rettungskräfte suchen nach Tropensturm "Nalgae" im Süden der Philippinen nach Vermissten. | dpa
Hintergrund

Klimakonferenz in Ägypten Schutzschirm soll armen Ländern helfen

Stand: 14.11.2022 11:33 Uhr

Die Weltklimakonferenz hat einen Schutzschirm für besonders von der Erderwärmung bedrohte Länder auf den Weg gebracht. Klingt erst mal gut, aber was bedeutet das konkret? Wie soll die Hilfe aussehen und wo liegen die Probleme?

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo, zzt. Sharm el Sheikh

Der Name ist so sperrig wie das Konstrukt kompliziert: "Globaler Schutzschirm gegen Klimarisiken" - so nennt sich die deutsche Initiative, die von den G7-Ländern einhellig unterstützt wird.

Anna Osius ARD-Studio Kairo

Das Ziel des Schutzschirms: Mehr und schnellere finanzielle Hilfen für Länder des globalen Südens, wenn sie durch den Klimawandel Schäden erleiden, wie beispielsweise Überschwemmungen oder schwere Dürren. Deshalb wurde der globale Schutzschirm auch zusammen mit den sogenannten V20-Staaten erarbeitet - also mit den durch Klimawandel verletzlichsten, armen Staaten.

Schnelle Hilfe bei Klimaschäden geplant

Die Idee hinter dem Schutzschirm klingt erstmal sehr technisch: Dieser solle Aktivitäten "im Bereich der Klimarisikoabsicherung und -vorsorge bündeln", erklärte das Bundesentwicklungsministerium. Praktisch geht es darum, Mechanismen auszuarbeiten, wie arme Länder abgesichert sein können und bei einem Klimaschaden schnell Geld bekommen, beispielsweise für den Wiederaufbau nach einem Tropensturm.

Oft wird der globale Schutzschirm deshalb mit einer Art Versicherung verglichen: Man zahlt etwas ein, damit im Schadensfall Geld fließt. Natürlich wollen aber die armen Staaten kein Geld einzahlen - und finden allein die Vorstellung empörend: Schließlich seien die reichen Länder durch die Emissionen ihrer Industrien schuld am Klimawandel. Dann müssten sie auch für die weltweiten Schäden zahlen. Sonst wäre das ja, als würde einem jemand das Haus anstecken und dann eine Brandschutzversicherung verkaufen wollen, hieß es.

Deshalb sind die deutschen Verhandler des globalen Schutzschirms vorsichtig mit der Formulierung "Versicherung". Offenbar soll letztlich für jedes Land einzeln geprüft werden, ob man eine finanzielle Beteiligung erwarten kann. Es heißt etwas allgemein, unter dem Schutzschirm würden Absicherungslösungen ausgearbeitet, die beim Eintritt eines Klimaschadens schnell umgesetzt werden können. Dies sei verbunden mit Vorsorgeplänen der jeweiligen Entwicklungsländer.

Und dadurch, so das hehre Ziel, sollen Hilfen einfacher und schneller für die Menschen und Behörden zugänglich werden, die diese im Katastrophenfall dringend brauchen. Darüber hinaus mobilisiere der Schutzschirm zusätzliche Mittel, um dem wachsenden Finanzierungsbedarf gerecht zu werden, hieß es. Sprich: Geld einzahlen, Geld bereitstellen und im Bedarfsfall ganz viel Geld ausgeben.

Deutschland mit 170 Millionen Euro dabei

Möglichst viele Industriestaaten sollen mitmachen - hofft Deutschland und legt selber 170 Millionen Euro in den Topf. Als Startgeld sozusagen. Eine Summe, die alleine viel zu klein sei, kritisieren Umweltschutzorganisationen. Sie fordern vor allem, dass für klimabedingte Schäden und Verluste ein verbindlicher Finanzmechanismus innerhalb des UN-Rahmens geschaffen wird - wie beispielsweise ein internationaler Fonds - und nicht nur eine Initiative einzelner Länder.

Deshalb betont Deutschland auch immer, bei dem globalen Schutzschirm handele es sich um eine  Ergänzung zu einer möglichen UN-Lösung, die zeitnah umsetzbar sei. Und so sollen jetzt noch weitere Staaten und Akteure dazu geholt werden, damit der Schutzschirm am Ende mehr ist als nur ein löchriger Regenschirm.