Die Karte zeigt Nigeria mit der Provinz Niger

Erneut Schulkinder gekidnappt Ohnmacht und Angst nach Entführung in Nigeria

Stand: 17.02.2021 17:25 Uhr

Die Angreifer kamen nachts und gingen brutal vor: In Nigeria sind erneut mehrere Schulkinder entführt worden. Insgesamt wurden mehr als 40 Menschen gekidnappt. Bei dem Angriff wurde auch ein Kind getötet.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

Um drei Uhr Nachts, als die Kinder und Jugendlichen schon schliefen, drangen sie in das Internat ein: Bewaffnete Männer entführten dutzende Menschen aus der Schule in der Stadt Kagara im nigerianischen Bundesstaat Niger, im Zentrum Nigerias. Ein 15-jähriger Junge, der aus den Händen der Angreifer fliehen konnte, sagte der ARD:

“Wir haben in der Herberge geschlafen, dann sahen wir sie reinkommen. Sie begannen auf uns einzuschlagen. Sie trugen Militäruniformen und sie brachten uns raus. Sie sagten, wir sollen uns in eine Reihe aufstellen. Dann fingen sie an zu schießen und nahmen manche von uns mit. Wir schliefen im Wald, später konnten wir entkommen.”
Dunja Sadaqi ARD-Studio Rabat

Mehr als 600 Kinder sollen sich in dem Internat aufgehalten haben, als die Angreifer die Schule stürmten. Mehrere Hundert, so heißt es zunächst, wurden entführt. Das bestätigte sich später nicht. Nach einigen Stunden spricht der Gouverneur des Bundesstaates, Abubakar Sani Bello, über die ersten Details:

“27 Schüler, drei Lehrkräfte und zwölf Mitglieder ihrer Familie wurden gekidnappt. Leider wurde ein Schüler erschossen. Wir sind zutiefst besorgt und rufen deswegen die Bundesregierung an, alles Mögliche einzusetzen, um sicherzustellen, dass alle wieder sich zu ihren Familien zurückkehren können.”

Angreifer sollen zu krimineller Bande gehören

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari soll einem Regierungssprecher zufolge bereits Streitkräfte und Polizei in die Region entsandt haben, um eine Freilassung der Entführten zu erreichen. Ermittler vor Ort vermuten, dass die Angreifer zu einer kriminellen Bande gehören könnte. In der Region treiben sie sich herum, erpressen Lösegeld, plündern, morden und vergewaltigen.

Bekannt hat sich zurzeit aber noch niemand zu der Entführung.

"Die Regierung lässt uns im Stich"

Viele Verwundete aus dem Internat in Kagara liegen jetzt in Krankenhäusern. Die besorgten Eltern der Gekidnappten warten auf Neuigkeiten. Aber nicht nur die Ohnmacht und Angst vieler Eltern in Nigeria wächst, sondern auch die Wut - Wut auf die Regierung, die ihre Kinder nicht zu schützen vermag. Auch einer der entkommenen Jungen stellt die Regierung an den Pranger:

Unsere Botschaft an die Regierung ist, dass die Regierung unsere Zukunft zerstört hat. Wir haben den Ehrgeiz, hier etwas zu werden, und die Regierung lässt uns im Stich. Die Regierung sollte aufwachen und das Notwendige tun, weil das, was geschieht, zu viel ist." 

Entführungen in Nigeria keine Seltenheit

Entführungen von Mädchen und Jungen sind  in Nigeria keine Seltenheit. Bereits Mitte Dezember waren im Nordwesten des Landes mehrere hundert Schulkinder entführt worden, eine Woche nach dem Kidnapping kamen sie frei. Damals hatte sich die Terrormiliz Boko Haram zu der Entführung bekannt. Immer wieder entführt die Terrorgruppe Jungen und Mädchen, um sie für den Terror einzusetzen oder als Sexsklavinnen zu missbrauchen.

Der Entführungsfall, der weltweit bis ins Weiße Haus in den USA für Schlagzeilen sorgte, war 2014 die Entführung von mehr als 270 Schülerinnen aus Chibok durch die Terrormiliz Boko Haram. Viele der Entführten kamen durch Befreiungsaktionen der Regierung frei, aber mehr als 100 der jungen Frauen gelten heute noch als vermisst. 

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 17. Februar 2021 um 17:38 Uhr.