Die spanische Armee bezieht Stellung an der Grenze zwischen Marokko und Spanien, bei der spanischen Enklave Ceuta.

Spanische Exklave Ceuta Erste Migranten wieder abgeschoben

Stand: 18.05.2021 11:23 Uhr

Tausende Migranten sind durch das Mittelmeer zur spanischen Nordafrika-Enklave Ceuta geschwommen. 1600 wurden bereits wieder zurückgebracht. Die übrigen Erwachsenen werden nun in einem Stadion untergebracht.

In der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta sind etwa 6000 Migranten aus Marokko angekommen. Davon seien bereits 1600 in das Nachbarland zurückgebracht worden, sagte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska dem TV-Sender RTVE. Bei etwa 1500 Migranten handele es sich um Minderjährige. Diese werden in der Regel nicht sofort zurückgeschickt.

Noch nie zuvor waren so viele Menschen binnen eines Tages in die kleine Exklave mit rund 85.000 Einwohnern gekommen. Die Behörden wurden von dem Ansturm völlig überwältigt und konnten nicht mehr tun, als Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Mindestens ein Mensch sei dennoch gestorben, sagte ein Sprecher der spanischen Delegation in der Exklave.

Madrid will weitere Soldaten entsenden

Die Lage sei chaotisch, das Aufnahmelager der Exklave völlig überfüllt und viele der Migranten irrten in der Stadt herum. Inzwischen begannen die Behörden vor Ort damit, die Erwachsenen in einem Stadion unterzubringen, berichtete die in Ceuta erscheinende Zeitung "El Faro".

Das spanische Militär in Ceuta bot den Behörden logistische Hilfe an und verstärkte zugleich den Schutz seiner eigenen Einrichtungen. Die Zentralregierung in Madrid kündigte die Entsendung 200 zusätzlicher Polizisten an.

Diplomatischer Streit als mögliche Ursache

Es konnten so viele Migranten in die spanische Exklave gelangen, weil Marokko die Kontrolle der angrenzenden Strände ohne Erklärung ausgesetzt hatte. Tausende nutzten die Chance, um an der Küste bis an den Grenzzaun zu Ceuta zu gelangen. Von dort mussten sie nur um eine Mole herum nach Ceuta schwimmen.

Als möglichen Grund für das Aussetzen der Kontrollen nannten spanische Medien die Verärgerung der Regierung in Rabat darüber, dass Spanien die medizinische Behandlung des Chefs der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für Westsahara, Brahim Ghali, erlaubte. Marokko beansprucht das Gebiet an seiner Südgrenze als Teil seines Staatsgebietes. Eine offizielle Erklärung aus Rabat gab es zunächst aber nicht.

Marokko nutzt Grenzen als Druckmittel

Rund um die Exlaven Ceuta und Melilla leben Zehntausende Migrantinnen und Migranten, die hoffen, irgendwie auf den Boden der EU und dann von dort aus nach Europa zu gelangen. Um die Migranten und Migrantinnen direkt an der Grenze aufzuhalten, müssten Tausende von Grenzbeamten und Polizisten an der Grenze postieren. Daher setzen Spanien und die EU darauf, dass Marokko die Grenze auf eigenem Territorium abschirmt - das Land bekommt dafür viele Millionen Euro Finanzhilfen von der EU.

Marokko hatte die Grenzen immer wieder als politisches Druckmittel benutzt - meistens, um mehr Finanzhilfen zu erreichen. Weil Marokko aber auf die EU-Hilfe angewiesen ist, ist es noch nie zu einer dauerhaften Grenzkrise in Ceuta oder Melilla gekommen.


Mit Informationen von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Mai 2021 um 09:00 Uhr.