Menschen stürmen den Grenzzaun zur spanischen Exklave Melilla in Marokko | AP

Spanische Exklave Hunderte Migranten stürmen Melilla

Stand: 24.06.2022 14:47 Uhr

Erneut haben Hunderte Menschen versucht, den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Exklave Melilla zu überwinden. Sicherheitskräfte drängten die meisten von ihnen zurück - einige schafften es dennoch über die Grenze.

Hunderte Migranten haben Medienberichten zufolge den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Exklave Melilla gestürmt. Sie hätten eines der Tore in der Grenzanlage aufgebrochen, meldete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die Polizei.

Das spanische Regierungsbüro in Melilla teilte mit, insgesamt hätten rund 2000 Menschen versucht, auf diese Weise EU-Gebiet zu erreichen. Die meisten seien von spanischen Polizisten auf der einen und marokkanischen Sicherheitskräften auf der anderen Seite der sechs Meter hohen Absperrung gestoppt worden.

Einer "großen Gruppe" von Menschen aus Ländern südlich der Sahara, die "organisiert und gewalttätig" gewesen sei, sei es jedoch gelungen, sich Eintritt nach Melilla zu verschaffen. Die Nachrichtenagentur AP berichtete von mehr als 130 Menschen.

Mehrere Menschen verletzt

Auf Videobildern im Internet war zu sehen, wie überwiegend junge Männer freudestrahlend, singend und tanzend durch die Straßen rannten. Einige hätten sich bei der Erstürmung der Grenzanlage, die aus zwei parallelen, sechs Meter hohen Stacheldrahtzäunen besteht, verletzt.

Am Vortag waren spanischen Medienberichten zufolge 116 marokkanische Beamte verletzt worden, als sie etwa 500 Migranten von der Grenzanlage fernhalten wollten. Ein Polizist habe auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt werden müssen.

Bereits im März war es mehreren hundert Migranten gelungen, über den Grenzzaun nach Melilla zu gelangen. Ceuta und Melilla, welche die einzigen EU-Landgrenzen in Afrika bilden, sind regelmäßig Ziel von Menschen, die sich ein besseres Leben in Europa erhoffen. Die Grenzzäune sind mit Stacheldraht, Videokameras und Wachplattformen ausgestattet.

Jahrelanger Streit zwischen Spanien und Marokko

Es war der erste Massenansturm auf die Exklave seit Spanien und Marokko im Mai ihre diplomatischen Beziehungen normalisierten. Diese waren von einem jahrelangen Streit wegen der früheren spanischen Kolonie Westsahara belastet, die 1976 von Marokko annektiert wurde.

Nachdem der Führer der Unabhängigkeitsbewegung der Westsahara in Spanien medizinisch behandelt worden war, lockerte Marokko offenbar als Vergeltungsaktion im vergangenen Jahr seine Kontrollen entlang der spanischen Exklaven Melilla und Ceuta. Im März stürmten mehr als 3500 Migranten den Sicherheitszaun von Melilla, fast 1000 kamen nach Angaben der spanischen Behörden durch.

Im März vollzog die spanische Regierung dann einen diplomatischen Kurswechsel. Madrid erkannte den marokkanischen Autonomieplan für das umstrittene Gebiet an, der unter anderem vorsieht, der Westsahara eine Autonomie unter marokkanischer Souveränität anzubieten. Seitdem wurden etwa Fährverbindungen zwischen Spanien und Marokko wieder aufgenommen und Programme zur polizeilichen Zusammenarbeit unter anderem an den spanischen Exklaven gestartet.

Exklaven als Weg in die EU

Marokko war 1956 von Frankreich und Spanien unabhängig geworden. Dennoch hält Spanien dort weiterhin zwei Exklaven: Melilla und das 250 Kilometer weiter westlich gelegene Ceuta an der Meerenge von Gibraltar. Beide werden von Rabat beansprucht.

In der Nähe der beiden Gebiete warten oft Zehntausende Menschen vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara auf eine Chance, in die EU zu gelangen. Meistens versuchen mehrere Hundert Menschen auf einmal, die Grenzbeamten zu überraschen und so über die Grenze zu kommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Juni 2022 um 12:30 Uhr in den Nachrichten.