Rettungsarbeiten für den fünfjährigen Jungen Ryan in Marokko. | picture alliance/dpa/AP

Rettungsaktion für Kind in Marokko Gefangen im Brunnenloch

Stand: 04.02.2022 15:03 Uhr

Die Menschen in Marokko bangen um den fünf Jahre alten Rayan. Vor drei Tagen ist er in einen 32 Meter tiefen Brunnen gestürzt. Die Rettungsmaßnahmen laufen auf Hochtouren - ein Parallelschacht wird derzeit gegraben.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika

Es ist ein Rennen gegen die Zeit. Seit Dienstag steckt der fünfjährige Rayan in einem ausgetrockneten Brunnen fest, der sich mehr als 30 Meter tief in der Erde befindet. Für Mutter Ouasima Kharchache ist es nicht zu ertragen: "Ich bitte Gott und flehe ihn an, dass er ihn heil und lebendig aus den Brunnen zurückkommen lässt. Oh mein lieber Gott, hilf. Ich bitte Gott, dass die Behörden meinen Sohn retten können, oh lieber Gott."

Dunja Sadaqi ARD-Studio Rabat

Der Brunnen liegt in einem Dorf, in der Provinz Chefchaouen, im Norden Marokkos. Rayans Vater, Khalid Agourram, habe den Brunnen gerade in Stand setzen wollen, als das Unglück passierte, erzählt er lokalen Medien. Im ländlichen Raum in Marokko gibt es viele solcher ausgetrockneter Brunnen. 

Wir wussten auf einmal nicht mehr, wo das Kind ist, haben ihn gesucht und ihn nicht gefunden. Und dann haben wir ihn mithilfe einer Kamera im Brunnen entdeckt. Dann haben wir die Behörden zu Hilfe gerufen und sie taten, was nötig war. Möge Gott sie belohnen.

Der Student Imad Fahmi reagierte vor Ort als erster auf die Hilferufe der verzweifelten Eltern. Er und ein ziviles Rettungsteam versuchten als erstes den Jungen zu retten. "Der erste Versuch war leider zum Scheitern verurteilt. Ich konnte 17 Meter absteigen, dann konnte ich nicht weiter", sagt er. "Dann haben sich die Behörden, der Zivilschutz und mein Team abgestimmt. Mit Ausrüstung und einem Seil konnte ich dann 28 Meter tief hinuntersteigen. Unten habe ich mit meinen Händen und Füßen gegraben und mit dem Kind gesprochen. Er hat reagiert."

Sauerstoffmangel in der Tiefe

Weiter kommt Imad Fahmi nicht. Das Problem: zu wenig Sauerstoff in der Tiefe. Den Einsatzkräften sei es aber gelungen Sauerstoff und Wasser zu dem kleinen Rayan zu bringen. Der Rettungseinsatz ist knifflig. Das Rettungsteam kann seit Tagen nicht direkt in den Brunnen hinabsteigen, da der Durchmesser in den letzten vier Metern des Brunnens nicht mehr als 45 cm beträgt. Jetzt werde parallel ein Schacht gegraben.

Riskante, komplizierte Grabungen

Den eigentlichen Brunnen-Schacht zu vergrößern sei zu riskant, erzählt Einsatzleiter Abdelhadi Temrani Staatsmedien: "Die Bemühungen gehen ununterbrochen weiter, die Maschinen haben seit Beginn des Einsatzes zu keinem Zeitpunkt angehalten. Was den Grabvorgang betrifft, so ist dies keine einfache Sache, der Vorgang ist so kompliziert und schwierig. Techniker sind anwesend, weil die Erde an der Stelle so zerbrechlich ist und wir Angst vor einem Einsturz haben."

Die Einsatzkräfte hoffen, in den nächsten Stunden die letzten schwierigen Meter zu Rayan meistern zu können. Ein Hubschrauber und ein Ärzteteam sind vor Ort, um den kleinen Jungen direkt medizinisch zu versorgen. 

Über dieses Thema berichteteMDR Aktuell am 04. Februar 2022 um 12:21 Uhr.