Teil der ultrastrukturellen Morphologie einer Reihe von Marburg-Virus-Virionen
Hintergrund

Marburg-Virus Weltweite Ausbreitung unwahrscheinlich

Stand: 10.08.2021 18:43 Uhr

In Guinea gibt es eine Infektion mit dem Marburg-Virus - es ist nah verwandt mit dem Ebola-Erreger und sehr gefährlich. Eine unkontrollierte weltweite Ausbreitung gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Von Nina Kunze und Veronika Simon, SWR

Eigentlich kommt das Marburg-Virus vor allem in Afrika vor. Doch das erste Mal beschrieben wurde es in Deutschland: 1967 kam es in Marburg zu einem Ausbruch des Virus - eingeschleppt wurde es damals vermutlich von Affen, die für die Gewinnung von Impfstoffen nach Deutschland gebracht wurden.  

Seitdem gab es zwei größere Ausbrüche des Marburg-Virus: 1998 im Kongo und 2004 in Angola, insgesamt starben mehrere Hundert Menschen. Das Virus ist hoch ansteckend und je nach Variante sehr gefährlich. Laut Weltgesundheitsorganisation sterben 24 bis 90 Prozent der Infizierten an der Erkrankung.  

Ansteckung über Wildtiere und Körperflüssigkeiten 

Übertragen wird das Marburg-Virus über zwei Wege: Zum einen im engen Kontakt mit Wildtieren, die das Virus in sich tragen, zum Beispiel durch den Verzehr von Affen oder Flughunden. Das Virus kann sich jedoch auch von Mensch zu Mensch übertragen. Das geschieht vor allem durch direkten Kontakt mit den Körperflüssigkeiten einer infizierten Person, also zum Beispiel über dessen Blut oder Speichel.  

Das größte Risiko einer Ansteckung herrscht daher, wenn es bei der Pflege von Infizierten keine ausreichenden Hygienevorkehrungen gibt. Außerdem kann es bei engem Kontakt mit Verstorbenen zu einer Übertragung des Virus kommen, zum Beispiel bei einer rituellen Waschung.

Noch kein Ausbruch

In Guinea war bereits bekannt, dass das Marburg-Virus in Wildtieren vorkommt. Beim nun bekannt gewordenen Fall handelt es sich jedoch um den ersten Fall in der Region, bei dem das Virus bei einem Menschen nachgewiesen wurde. Es gebe hier keinen Nachweis für einen direkten Kontakt mit einem Wildtier, sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

"Aber die Vermutung liegt nahe, dass es zuerst eine Übertragung durch den engen Kontakt mit Wildtieren wie Flughunden oder Affen gab. Danach kann das Virus dann von Mensch zu Mensch übertragen werden", erklärt Schmidt-Chanasit. Von einem Ausbruch könne man aufgrund eines einzelnen Falls noch nicht sprechen. "Es sind aber sofort Maßnahmen nötig, die eine weitere Ausbreitung verhindern. Dafür müssen Kontaktpersonen identifiziert und beobachtet werden und frühzeitig eine PCR-Diagnostik erfolgen."

Symptome oft nicht eindeutig

Das Problem: Wer sich mit dem Marburg-Virus ansteckt, entwickelt oft zunächst Symptome, die auch zu vielen anderen Erkrankungen passen. Dazu gehören zum Beispiel Bauchschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit. Auch die nah verwandten Ebola-Viren führen zu diesen Beschwerden.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es in schweren Fällen zu starken Blutungen, nicht selten sterben Infizierte am sogenannten Marburg-Fieber. Eine spezifische Therapie gegen die Erkrankung gibt es nicht. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die Symptome zu behandeln, wenn die Infektion frühzeitig erkannt wird.  

Gefahr in Guinea hoch

Die WHO schätzt die Gefahr eine Epidemie in Guinea durch das stark ansteckende Virus als hoch ein. Die Gefahr, dass sich das Virus als Folge auf der ganzen Welt verbreiten könnte, sei jedoch gering.

Das sieht auch Schmidt-Chanasit  so: "Es handelt sich hier um eine meist schwerwiegende Erkrankung, die nur sehr selten unerkannt bleibt." Den Menschen gehe es in der Regel so schlecht, dass sie zu Hause blieben. "Insofern unterscheidet sich das grundsätzlich zum Beispiel vom neuen Corona-Virus."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. August 2021 um 22:00 Uhr.