Malis Präsident Bah Ndaw im September 2020 (Archivbild). | AFP

Krisenstaat Mali Soldaten nehmen Regierungsmitglieder fest

Stand: 25.05.2021 03:14 Uhr

In Mali haben Soldaten den Präsidenten N’Daw und den Ministerpräsidenten Ouane festgenommen. Wenige Stunden zuvor hatte die Übergangsregierung ein neues Kabinett ernannt. Der Vorfall sorgte international für scharfe Kritik.

Malis Übergangspräsident Bah N'Daw und Ministerpräsident Moctar Ouane sind von Soldaten festgenommen worden. N’Daw und Ouane wurden offenbar in ein Militärcamp in Kati 15 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bamako gebracht.  

Wenige Stunden zuvor hatten die Führer der Übergangsregierung per Dekret ein neues Kabinett ernannt, in dem das Militär trotz gegenteiliger Versprechen strategisch wichtige Ämter besetzt. Offiziere werden die Ministerien für Verteidigung, Sicherheit, territoriale Verwaltung und nationale Versöhnung leiten, teilte die Regierung am Abend mit. Einige Armeeoffiziere seien jedoch von der neuen Regierung ausgeschlossen worden. 

Regierungschef Ouane, der von einem AFP-Reporter kurz am Telefon erreicht werden konnte, bevor die Leitung unterbrochen wurde, deutete an, dass Soldaten gekommen seien, "um ihn zu holen".

Internationale Gemeinschaft verurteilt Vorfall scharf

Der Fall sorgte für empörte Reaktionen aus aller Welt: Die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union (AU), die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, die EU, die USA und Großbritannien verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung die Festnahme der Politiker und forderten ihre "sofortige und bedingungslose Freilassung". 

Auch die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union verurteilten die "Entführung" der Politiker, wie EU-Ratspräsident Charles Michel mitteilte. "Was passiert ist, war schwerwiegend und ernst, und wir sind bereit, notwendige Maßnahmen in Betracht zu ziehen", sagte er vor Journalisten. Die EU erklärte, sie prüfe Sanktionen gegen mehrere Führungspersönlichkeiten.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte die umgehende Freilassung der malischen Regierungsspitzen. "Ich fordere Ruhe und ihre bedingungslose Freilassung", schrieb er am frühen Morgen auf Twitter. Er sei zutiefst besorgt über die Nachricht der Inhaftierung "ziviler Anführer des malischen Übergangs". Sein Sonderbeauftragter arbeite eng zusammen mit dem westafrikanischen Regionalbündnis Ecowas, der Afrikanischen Union und allen anderen internationalen Akteuren, um den laufenden politischen Übergang zu unterstützen.

Sorge vor erneutem Putsch

In Mali hatte es kürzlich eine Regierungsumbildung gegeben, mit der auf die wachsende Kritik an der Übergangsregierung reagiert werden sollte. Das Militär behielt dabei die Ämter, die es bereits in der Vorgänger-Regierung innehatte. Der ehemalige Verteidigungsminister Sadio Camara und Ex-Sicherheitsminister Colonel Modibo Kone wurden jedoch ersetzt.

Der jüngste Vorfall löste Befürchtungen vor einem erneuten Putschversuch aus. Im August vergangenen Jahres hatten Militäroffiziere den gewählten Präsidenten des westafrikanischen Landes, Ibrahim Boubacar Keita, nach anhaltenden Protesten durch einen Putsch entmachtet. 

Die nach dem Putsch installierte Militärjunta hatte sich Anfang des Jahres aufgelöst. Damit wurde eine Forderung der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas erfüllt. Dennoch übt das Militär weiter großen Einfluss aus. Die politische Situation in Mali ist seit 2012 von starker Instabilität und Gewalt geprägt. Neben anderen Ländern ist auch Deutschland mit der Bundeswehr im Rahmen von Missionen der EU und der UNO in Mali im Einsatz, um zur Stabilisierung des Landes beizutragen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Mai 2021 um 06:45 Uhr.