Polizisten der Minusma im Einsatz in Mali. | AFP

Mali Wachmannschaft von UN-Basis festgenommen

Stand: 13.07.2022 14:38 Uhr

Die Regierung in Mali hat 49 ivorische Soldaten festgenommen. Die Machthaber vermuteten einen Putschversuch - tatsächlich kamen die Männer zum Schutz eines UN-Stützpunktes. Verteidigungsministerin Lambrecht übte Kritik.

Die Militärregierung im westafrikanischen Mali hat die Wachmannschaft eines Camps der UN-Truppe MINUSMA auf dem Flughafen der Hauptstadt Bamako festnehmen lassen.

Die Männer aus der benachbarten Elfenbeinküste waren als Austauschkontingent für eine andere Einheit nach Mali geflogen, wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Militärkreise berichtete.

Nach Angaben von MINUSMA-Sprecher Olivier Salgado sollen die ivorischen Soldaten die Blauhelmmission unterstützen. Sie zählten zwar nicht zum Kontingent der Blauhelme, seien aber zur logistischen Unterstützung der UN-Truppen im Land. Das sei "gängige Praxis" bei Friedensmissionen. Die Soldaten sind Austausch für eine Truppe, die einen MINUSMA-Stützpunkt auf dem Flughafen sichert.

Regierung in Mali: 49 "Söldner" festgenommen

Zuvor hatte die malische Regierung in Bamako erklärt, sie habe 49 Soldaten aus dem Nachbarland als "Söldner" festgenommen. Sie seien mit Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung ohne Erlaubnis in der Hauptstadt gelandet. Die Soldaten seien "illegal in das Staatsgebiet von Mali eingedrungen". Nach Darstellung von Malis Militärregierung soll ein Putschversuch geplant gewesen sein.

Der ivorische Sicherheitsrat in Abidjan widersprach in einer Mitteilung der Darstellung, dass die festgenommenen Soldaten unangekündigt und bewaffnet eingereist seien. Vielmehr seien die Soldaten wie von MINUSMA angegeben als Austausch für eine Truppe angemeldet gewesen, die einen Stützpunkt der UN-Truppe auf dem Flughafen sichert.

Lambrecht: Festnahmen "sehr problematisches Signal"

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht kritisierte die Machthaber in Mali nach der Festnahme scharf. "Das Verhalten der malischen Machthaber ist ein sehr problematisches Signal. Hier sind - leider erneut - erhebliche Zweifel angebracht, ob Mali überhaupt noch ein Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit im Rahmen von MINUSMA hat", sagte Lambrecht der Nachrichtenagentur dpa. Sie rief die malischen Verantwortlichen auf, die ivorischen Soldaten umgehend freizulassen.

Mali hat seit 2012 drei Militärputsche erlebt und gilt als politisch äußerst instabil. Seit dem bisher letzten Putsch im vergangenen Mai wird das Land von einer militärischen Übergangsregierung geführt, die wegen enger Beziehungen zu Russland kritisiert wird. Die Militärjunta hat Wahlen bis Ende März 2024 versprochen.

Dem Staat machen seit Jahren islamistische Terrorgruppen zu schaffen. Die Bundeswehr ist in Mali weiterhin an der UN-Friedensmission MINUSMA beteiligt. Die europäische Ausbildungsmission EUTM soll jedoch weitgehend gestoppt werden.

Dieser Beitrag lief am 13. Juli 2022 um 12:00 Uhr im Deutschlandfunk.