Der Finger eines Kindes wird markiert, nachdem es eine Impfung gegen Polio erhalten hat. | dpa

Malawi Erster Polio-Ausbruch seit Jahren in Afrika

Stand: 18.02.2022 10:10 Uhr

Seit August 2020 gilt Afrika offiziell als frei von der Kinderlähmung - der letzte Fall liegt mehrere Jahre zurück. Doch nun ist nach Angaben der WHO in Malawi bei einem Kind das Poliovirus festgestellt worden.

In Malawi ist die erste Polio-Infektion auf dem afrikanischen Kontinent seit mehr als fünf Jahren entdeckt worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte mit, dass bei einem Kleinkind in der Hauptstadt Lilongwe ein Fall des Polio-Wildvirus Typ 1 festgestellt wurde. Die WHO ergreife "dringende Maßnahmen, um eine mögliche Ausbreitung des Virus zu verhindern", erklärte die WHO-Regionaldirektorin für Afrika, Matshidiso Moeti.

Sie zeigte sich zuversichtlich, dass die Gesundheitsbehörden wegen ihrer Erfahrungen mit früheren Ausbrüchen und der hohen Wachsamkeit auf dem Kontinent "rasch reagieren und Kinder vor den schwächenden Auswirkungen dieser Krankheit schützen" könnten.

Afrika gilt seit 2020 als frei von Polio

Die WHO erklärte, sie unterstütze Malawi bei einer Risikobewertung und der Reaktion auf den Ausbruch der Krankheit, einschließlich zusätzlicher Impfungen. Auch in den Nachbarländern wurde die Wachsamkeit erhöht.

Laboranalysen hätten ergeben, dass der entdeckte Stamm mit einem in der pakistanischen Provinz Sindh zirkulierenden Stamm in Verbindung stehe. "Da es sich um einen importierten Fall aus Pakistan handelt, hat dieser Nachweis keinen Einfluss auf den Status der afrikanischen Region als frei von Polio-Wildviren", erklärte die WHO weiter.

Die WHO hatte Afrika im August 2020 für frei von einheimischer Wildpolio erklärt. In den vergangenen vier Jahren waren auf dem Kontinent keine Fälle von Kinderlähmung mehr aufgetreten, was die Schwelle für die offizielle Erklärung der Ausrottung darstellt. Polio gilt weltweit nur noch in Pakistan und dem Nachbarland Afghanistan als endemisch. WHO-Angaben zufolge wurde der letzte Fall des Polio-Wildvirus in Afrika 2016 in Nigeria festgestellt. Weltweit gab es vergangenes Jahr demnach nur fünf Fälle.

Impfung verhindert Ausbreitung

Die Krankheit Poliomyelitis - der medizinische Begriff für Kinderlähmung - wird durch ein akut ansteckendes Virus ausgelöst, das das Rückenmark angreift und bei Kindern irreversible Lähmungen verursachen kann. Das Poliovirus wird in der Regel über die Fäkalien einer infizierten Person verbreitet und über verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel aufgenommen. Es vermehrt sich im Darm.

Es gibt zwar keine Heilmittel gegen Polio, aber die Impfung verhindert die Ausbreitung. Die Krankheit war auf der ganzen Welt verbreitet, bis in den 1950er-Jahren ein Impfstoff gefunden wurde. Allerdings sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Kinderlähmung weltweit zurückgedrängt wurde. Im Jahr 1996 gab es allein in Afrika noch mehr als 70.000 Fälle.

Über dieses Thema berichtete BR24 im Radio am 18. Februarr 2022 um 12:33 Uhr.