Ein Rettungsring schwimmt auf dem Mittelmeer. | picture alliance / JOKER

Vor der Küste Libyens 57 Menschen bei Bootsunglück gestorben

Stand: 27.07.2021 01:24 Uhr

Mindestens 57 Flüchtlinge sind nach UN-Angaben bei einem Schiffsunglück vor der libyschen Küste im Mittelmeer ertrunken. Unter den Opfern sind wohl auch viele Frauen und Kinder. Das Boot soll bei schlechtem Wetter gekentert sein.

Beim Kentern eines Flüchtlingsboots vor der libyschen Küste sind nach UN-Angaben mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen. Überlebende hätten gesagt, unter den Toten seien mindestens 20 Frauen und zwei Kinder, erklärte ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM).

An Bord seien mindestens 75 Migranten gewesen, darunter Frauen und Kinder. 18 Menschen seien von Fischern und der libyschen Küstenwache gerettet und wieder an Land gebracht worden, teilte die IOM mit. Das Boot habe die westlibysche Küstenstadt Chums am Sonntag verlassen. Auf ihrem offiziellen Twitter-Account erklärte die der IOM, die Tragödie unterstreiche die Notwendigkeit staatlicher Rettungs-Kapazitäten auf "dieser gefährlichen Route".

Überladen und untauglich

Die Überlebenden kommen laut der Internationalen Organisation für Migration aus Nigeria, Ghana und Gambia. Sie hätten berichtet, das Boot habe wegen eines Motorproblems gestoppt und sei dann bei schlechtem Wetter gekentert.

Erst am Mittwoch vergangener Woche waren vor der Küste Libyens rund 20 Migranten bei dem Versuch einer Überfahrt nach Europa ertrunken. Immer wieder sterben Migranten auf dem Weg über das Mittelmeer. Viele der Boote, mit denen sie die Überfahrt wagen, sind für die Gewässer untauglich - oft sind sie auch stark überladen. Die Menschen brechen zudem häufig bei schlechtem Wetter nachts auf, um der Küstenwache zu entgehen.

Menschen droht wohl Folter

Libyen ist ein wichtiges Transitland für Migranten und Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. Anfang Juni hatte die IOM mitgeteilt, dass sich die Zahl der Menschen, die beim Versuch der Mittelmeerüberquerung starben, in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt hat.

Laut dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR fing die libysche Küstenwache zwischen Januar und Juni dieses Jahres mehr als 13.000 Menschen auf See ab und brachte sie nach Libyen zurück - das waren mehr als im gesamten Jahr 2020. Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge werden Migranten in Libyen in Internierungslagern ausgehungert, gefoltert und ausgebeutet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juli 2021 um 13:00 Uhr.