Menschen haben sich nach einem Vulkanausbruch in der Millionenstadt Goma in der Demokratischen Republik Kongo versammelt. | AP

Vulkanausbruch im Kongo Banges Warten auf nächste Eruption

Stand: 28.05.2021 12:43 Uhr

In der Millionenstadt Goma spitzt sich die Lage am Vulkan Nyiragongo zu. Fast eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht vor einem neuen Ausbruch - viele müssen im Freien übernachten. Einige Routen sind gesperrt.

In der teilweise evakuierten Millionenstadt Goma in der Demokratischen Republik Kongo herrscht nach dem Ausbruch des Vulkans Nyiragongo angespannte Ruhe. Zehntausende Menschen, die aus Sorge vor einer erneuten Eruption geflohen waren, mussten teils unter freiem Himmel übernachten.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) schätzt die Zahl derjenigen, die seit dem Wochenende geflohen waren, auf rund 400.000 Menschen, unter ihnen sind fast 280.000 Kinder. In dem Fluchtchaos der vergangenen 48 Stunden seien etwa 550 Kinder von ihren Familien getrennt worden, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mit.

Riskante Route über den Kivu-See

Viele Menschen waren zunächst ins Umland ausgewichen. Doch da es bislang kaum eine Notversorgung gab, kehrten einige wieder nach Goma zurück. Zudem waren mehrere Ausweichrouten blockiert: Der Flughafen ist gesperrt, eine wichtige Verbindungsstraße unpassierbar - und der Seeweg über den benachbarten Kivu-See hochriskant. Denn am Boden des Gewässers schlummert hochgiftiges Methangas, das von der glühenden Lava freigesetzt zu werden droht. Eine solche Giftwolke wäre tödlich für alles, was sich im Umkreis befindet.

Am Donnerstag hatte der Militärgouverneur der Nord-Kivu-Region die Räumung von zehn Bezirken der Stadt angeordnet und das mit wissenschaftlichen Daten begründet, die auf eine erneute Eruption des Vulkans hindeuteten. Offizielle Angaben zum aktuellen Stand der seismischen Aktivitäten des Vulkans gibt es noch nicht.

32 Menschen starben

Der 3400 Meter hohe Mount Nyiragongo im Virunga-Gebirge befindet sich knapp 20 Kilometer nördlich von Goma. Er gilt als einer der aktivsten Vulkane Afrikas. Nach seiner Eruption am 22. Mai hatten Gomas Einwohner ihre Häuser in Panik verlassen und waren teilweise über die Grenze ins benachbarte Ruanda geflohen. Ein Teil der Lava hatte sich Richtung Goma gewälzt, stoppte dann aber 300 Meter vor dem Flughafen der Grenzstadt.

Das befürchete Szenario, bei dem weite Teile Gomas unter flüssigem Gestein begraben würden, blieb damit zunächst aus. Luftaufnahmen zeigen, wie die Lava eine Schneise hinein in einen Vorort zieht, mehrere freistehende Häuser bedeckt, um dann wenige Hundert Meter vor dem Flughafen der Stadt zu erstarren.

Nach offiziellen Angaben starben bei dem Ausbruch 32 Menschen, mehr als 900 Häuser wurden zerstört. Die Stromversorgung ist unterbrochen, und einer halben Million Menschen fehlt nach Angaben des Roten Kreuzes das Trinkwasser. Die Gefahr eines Cholera-Ausbruchs ist unter diesen Bedingungen groß.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Mai 2021 um 10:09 Uhr.