Kenianer protestieren in Nairobi gegen ihre Lebensbedingungen in Zeiten der Pandemie | AFP

Kenia Afrikas Impfziele kommen ins Wanken

Stand: 06.05.2021 04:45 Uhr

Jeder fünfte Bewohner Afrikas sollte bis Jahresende geimpft sein. Doch selbst dieses bescheidene Ziel ist kaum noch zu erreichen - zu wenig Impfstoff erreicht den Kontinent.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Die Innenstadt von Nairobi ist nach wie vor nicht so belebt wie sonst. Kenia hangelt sich von einem Lockdown zum nächsten. Die Zahl der Corona-Infizierten ist gerade wieder etwas heruntergegangen. Ob das anhält, ist die Frage. Denn Impfstoff gibt es hier so gut wie gar nicht. "Du bekommst ihn nirgendwo", meint ein Passant, "außer, wenn du Beziehungen hast."

Antje Diekhans ARD-Studio Nairobi

Und dann ist da auch die Frage nach der zweiten Impfung. Eine andere Passatin macht sich Sorgen - selbst diejenigen, die eine erste Impfung erhalten hätten, würden sich fragen, ob sie eine Nachfolge-Impfung bekommen.

Kein Nachschub aus Indien

Kenia hatte eine Million Dosen über die weltweite Covax-Initiative bekommen, die ärmeren Ländern den Zugang zu Impfstoff ermöglichen soll. Eine zweite Verteilung war angekündigt. Doch seit Indien nicht mehr liefert, sitzt Kenia quasi auf dem Trockenen.

In anderen afrikanischen Ländern sieht es ähnlich aus. Weniger als zwei Prozent der weltweiten Corona-Impfungen wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation bisher auf dem Kontinent durchgeführt.

Die WHO-Regionaldirektorin für Afrika Matshidiso Moeti ist besorgt - nun müsse man schauen, wie man auf anderem Wege Nachschub bekommt und dafür Vorkehrungen treffen. "Im Moment sagen wir den Ländern, dass sie die Pause nutzen sollen, um sich zu organisieren. Welcher Impfstoff auch immer ankommt - es sollte sichergestellt sein, dass er optimal genutzt werden kann."

Organisieren und fordern

An der Organisation haperte es bisher zum Teil. Die DR Kongo beispielsweise wurde von der Covax-Initiative dazu verdonnert, Impfdosen zurückzugeben, weil sie sonst abgelaufen wären. Aber das Hauptproblem bleibt, überhaupt bei der globalen Verteilung berücksichtigt zu werden.

Der Leiter der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (AU), John Nkengasong, versucht es über alle Kanäle. Dies sei nicht die Zeit für Diplomatie, stellt er fest - "wir verhandeln mit allen, die einen Impfstoff herstellen". Also mit BioNTech, den Produzenten von Sinopharm und Sinovac in China und mit den russischen Herstellern von Sputnik V.

In Nairobi (Kenia) stehen Menschen an, um gegen das Coronavirus geimpft zu werden | AFP

Doch, auch in Kenia wird geimpft. Aber es sind nach wie vor viel zu wenig Dosen, die das Land und den Kontinent erreichen. Bild: AFP

Wenig Erfolg bei Herstellern

Doch nur beim US-Hersteller Johnson and Johnson hatte die AU bisher Erfolg. Das sowieso schon bescheidene Ziel, bis Ende des Jahres 20 Prozent der Bevölkerung auf dem Kontinent zu impfen, kommt ins Wanken.

Afrika bleibe nur, sich selbst zu helfen, meint Nsenga Ngoy von der Weltgesundheitsorganisation, und da komme es auf das eigene Verhalten an. "Wir müssen weiter auf Social Distancing setzen", fordert er, "die Infektionskurven in unseren Ländern werden weiter rauf und runter gehen."

Und damit steigt die Gefahr, dass sich neue Virus-Varianten auf dem Kontinent herausbilden - die dann auch Länder mit durchgeimpfter Bevölkerung irgendwann vor neue Herausforderungen stellen könnten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Mai 2021 um 05:44 Uhr.