Rauch steigt aus dem südafrikanischen Parlament auf. | dpa

Parlament in Kapstadt Viele Fragen nach Brand noch offen

Stand: 03.01.2022 15:36 Uhr

Nach dem verheerenden Brand in Südafrikas Parlament in Kapstadt werden immer mehr Versäumnisse offenbar. Zwar steht nun ein Mann wegen Brandstiftung unter Anklage, doch es gab auch zahlreich technische Defekte.

Von Karin Wehrheim, ARD-Studio Johannesburg

Der Eingangsbereich zum Parlamentsgebäude ist schwarz vom Rauch, in den oberen Stockwerken sind Fenster geborsten, das graue Dach beschädigt. Doch die Schäden im Inneren sind weit verheerender: die Decken schwarz, Täfelungen und Mobiliar verbrannt, Wasser überall. Erste Schätzungen gehen von umgerechnet mehreren Hundert Millionen Euro aus.

"Die Stockwerke eins, drei und vier sind weitgehend zerstört, der Sitzungssaal der Nationalversammlung ist völlig zerstört", sagte der Chef der Feuerwehr und Rettungskräfte in Kapstadt, JP Smith. Das Dach vom historischen Gebäudeteil sei weg. Und hoher Schaden sei durch das Löschwasser entstanden. "Das wird womöglich Milliarden Rand kosten. Und es ist nationales Kulturerbe, das muss umfassend und vorsichtig restauriert werden."

Versäumnisse in der Wartung?

Im Parlamentsgebäude lagern wertvolle historische Dokumente und Artefakte. Die Bibliothek ist nicht betroffen, sie wurde vor ein paar Jahren feuer- und wasserfest gemacht. Smith schließt trotz der Festnahme eines Mannes auch einen technischen Defekt als Brandursache nicht aus. Schließlich sei auch der kleinere Brand im vergangenen März durch einen Kurzschluss ausgelöst worden.

Scharfe Kritik übte er an offensichtlichen Versäumnissen in der Wartung. So gaben die Brandmelder im Gebäude zu spät Alarm. "Wir waren schon 20 Minuten auf dem Gelände, als die Brandmelder ausgelöst haben. Da hatte die Feuerwehr schon zu löschen begonnen", sagte er. Das sei definitiv ein Problem im Gebäudeunterhalt. "Wir haben auch entdeckt, dass manches 2020 hätte gewartet werden müssen. Letzte Wartung war aber 2017."

"Klimaanlagen liefen weiter"

Außerdem, sagte JP Smith, habe sich der Strom nicht automatisch abgeschaltet. "Die Klimaanlagen liefen deshalb weiter. Man konnte sehen, wie da der Rauch auf dem Dach des neuen Gebäudes heraus kam." Das habe möglicherweise das Feuer aus dem historischen Teil des Gebäudes hierher in den neuen Teil gezogen.

Die Ministerin für Infrastruktur in Südafrika, Patricia de Lille, hatte Sonntagabend betont, der Brandschutz im Parlamentsgebäude sei vor den Weihnachtsferien überprüft und für einwandfrei erklärt worden. Allerdings räumte sie ein, es sei einer der Haupthähne für die Sprinkleranlage zugedreht gewesen.

Alarm wurde nicht ausgelöst

Thandi Mbambo, Sprecherin der Ermittlungsbehörde für Angriffe auf politische Einrichtungen, sagte im Fernsehsender eNCA, der im Parlamentsgebäude festgenommene 49-Jährige sei auf Überwachungsvideos zu sehen. Alarm habe es demnach keinen gegeben.

"Wir gehen davon aus, dass er durch ein Bürofenster auf der Rückseite des Gebäudes einstieg. Aber wir ermitteln weiter, wie genau er sich Zutritt verschafft hat und wie er die Sicherheitseinrichtungen umgehen konnte, die es hier gibt", sagte Mbambo.

Offenbar war der Mann schon mehrere Stunden im Gebäude, als er während des Brandes entdeckt wurde. Er steht Dienstag wegen des Verdachts der Brandstiftung, der Sabotage an Gebäuden von nationaler Bedeutung, des Hausfriedensbruchs und Diebstahls in Kapstadt vor Gericht.

Vorwurf an das Parlament

Ein Parlamentssprecher räumte am Sonntag ein, an den Feiertagen und Wochenenden sei weniger Wachpersonal im Einsatz gewesen. Als Grund nannte er den Schutz des Personals vor Corona. Matthew Parks vom Gewerkschaftsbund COSATU sagte jedoch, die Verwaltung habe die Lohnzuschläge sparen wollen. "Diesmal hat die Regierung, in diesem Fall das Parlament, die Ausgaben zu drastisch gekappt. Und das ist die Konsequenz", sagte er.

Unterdessen hat der Bürgermeister von Kapstadt den 400 Abgeordneten Räume im Rathaus und anderen städtischen Einrichtungen angeboten. Die Parlamentarier sollten nach den Weihnachtsferien kommenden Montag ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Januar 2022 um 05:30 Uhr.

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Moderation 03.01.2022 • 14:59 Uhr

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