Eine Frau erhält eine Spritze mit Impfstoff in den Oberarm | dpa

80.000 Dosen von US-Hersteller Erste Impfungen in Südafrika

Stand: 17.02.2021 17:59 Uhr

Seit Wochen grassiert in Südafrika eine Virus-Mutation. Der Impfstart musste wegen Zweifeln an der Wirksamkeit des AstraZeneca-Vakzins verschoben werden. Doch nun gibt es offenbar eine Alternative.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Es gab ein bisschen Applaus für die ersten, die sich in Südafrika impfen ließen: Im Krankenhaus von Khayelitsha in Kapstadt erhielten Krankenschwestern und Pfleger den Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson - noch vor Präsident Cyril Ramaphosa und Gesundheitsminister Zweli Mkhize.

Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

Nicht nur das eigentliche Impfen ging sehr schnell, sondern auch der südafrikanische Impfstart insgesamt. Denn erst gestern Nacht waren die Impfdosen am Flughafen in Johannesburg angekommen.

Zulassungsstudie läuft noch

Grund für die Geschwindigkeit: Die endgültige Zulassung des Impfstoffs steht noch aus. Das klingt irritierend, aber Mia Malan vom Bhekisisa-Gesundheitszentrum erklärt es so: "Dieser Teil der Johnson & Johnson-Impfungen kann nur im Rahmen einer Studie verabreicht werden, die dem Impfprogramm vorangeht. Das machen wir, um die Impfung schneller ins Land zu bringen."

Der US-Pharmakonzern habe Ende 2020 eine generelle Zulassung beantragt, aber die dauere etwa drei Monate, sagt Malan. Die offizielle Zulassung wird also erst Ende des Monats oder im März erteilt werden. Deshalb, so Malan, seien zunächst auch nur 80.000 Impfdosen geliefert worden - sie alle sind noch Teil der Zulassungsstudie.

Neun Millionen Impfdosen gesichert

Insgesamt hat sich die südafrikanische Regierung neun Millionen Impfdosen von Johnson & Johnson gesichert. In den nächsten Wochen soll landesweit das tatsächliche Impfprogramm starten. Das Ziel der Regierung sei klar, sagt Lwanzi Manzi vom südafrikanischen Gesundheitsministerium: eine flächendeckende Immunität.

Wenn alles nach Plan läuft, dann reicht je Patient eine einzige Impfdosis von Johnson & Johnson. Diese eine Dosis hat sich bisherigen Studien zufolge auch als wirksam gegen die Virus-Variante erwiesen, die in Südafrika vorherrscht.

Naiver Impfplan?

Sabir Madhi bezweifelt allerdings, dass eine flächendeckende Immunität gegen das Coronavirus schnell erreicht werden kann. Er ist Direktor des medizinischen Forschungsinstituts SAMRC an der Universität Witwatersrand in Johannesburg. "Der Gedanke, dass Südafrika bis Ende des Jahres 67 Prozent der Bevölkerung impfen kann, ist - bei allem Respekt - leider sehr naiv. Im ersten Monat müssten wir ja schon 150.00 Leute impfen, und das jeden Tag, sieben Tage die Woche", sagt Madhi. Um wirklich auf 67 Prozent der Bevölkerung zu kommen, müssten ab dem zweiten Monat täglich 300.000 Menschen geimpft werden - und das bis zum Ende des Jahres.

Sorge wegen Impfskepsis

Dazu kommt: Längst nicht jeder in Südafrika will sich impfen lassen, Skeptiker und Verschwörungstheoretiker gibt es viele - auf dem ganzen afrikanischen Kontinent.

Das beschäftigt auch Matshidiso Moeti vom Afrika-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO). "Es gibt Gerüchte, Afrikaner würden als Versuchskaninchen missbraucht für Impfungen, die sie dann ohnehin nicht bekommen", sagt Moeti. "Die Sorge ist, dass reiche Länder den armen Ländern schaden wollen, indem sie Impfungen schicken." Das bereite ihr ernsthafte Sorgen.

Dennoch: Einen ersten Schritt hat Südafrika gemacht, selbst wenn die ersten Spritzen heute noch nicht offiziell als Start des Impfprogramms gelten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Februar 2021 um 18:10 Uhr.