Medizin läuft auf einen Löffel. | picture alliance / Bildagentur-o

Nach Todesfällen in Gambia Indien stoppt Hustensaftproduktion in Fabrik

Stand: 12.10.2022 14:11 Uhr

Nach Kontrollen hat Indien die Produktion eines Hustensafts gestoppt. Zuvor waren 69 Kinder in Gambia mutmaßlich an verunreinigten Mitteln gestorben. Auch in Indonesien werden Todesfälle geprüft.

Indien stoppt laut der Nachrichtenagentur Reuters die Produktion von Hustensaft in einer Fabrik von Maiden Pharmaceuticals, nachdem in Gambia 69 Kinder mutmaßlich an verunreinigten Husten- und Erkältungssäften der indischen Firma gestorben sind.

Im indischen Bundesstaat Haryana haben die Behörden eine Maiden-Fabrik in der Nähe der Stadt Sonipat inspiziert und dabei zwölf Verstöße gegen die gängige Herstellungspraxis festgestellt, wie der Gesundheitsminister von Haryana, Anil Vij, sagte. Die Produktion sei gestoppt worden. Maiden lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Auch Indonesien prüft Tod von mehreren Kindern

In einem vorläufigen Untersuchungsbericht vom Dienstag hatte die gambische Polizei erklärt, dass der Tod der Kinder durch akute Nierenschäden mit den in Indien hergestellten und über ein US-Unternehmen importierten Hustensäften in Verbindung gebracht wird.

Indonesien prüft ebenfalls, ob der Tod von mehr als 20 Kindern wegen akuter Nierenschäden in der Hauptstadt Jakarta in diesem Jahr in Zusammenhang mit den Produkten von Maiden stehen könnte. Seit Januar wurden insgesamt 31 Fälle in Jakarta gemeldet, von denen 68 Prozent tödlich verliefen.

Expertenteam soll Vorfälle untersuchen

Indonesien will sich mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) abstimmen, die in vier Produkten von Maiden "inakzeptable" Mengen an Diethylenglykol und Ethylenglykol gefunden und in der vergangenen Woche erklärt hatte, dass die Todesfälle in Gambia in Zusammenhang mit verunreinigten Produkten des Unternehmens stehen könnten.

In Indonesien soll nun ein Expertenteam, das aus der pädiatrischen Vereinigung des Landes und einem Krankenhaus in Jakarta gebildet wurde, die Angelegenheit untersuchen. Es handelt sich um einen der schlimmsten Vorfälle dieser Art im Zusammenhang mit Arzneimitteln aus Indien, das oft als "Apotheke der Welt" bezeichnet wird.

Mariama Kuyateh zeigt ein Bild ihres verstorbenen Sohnes Musawho, der an akutem Nierenversagen starb. | AFP

Mariama Kuyateh aus Gambia zeigt ein Bild ihres verstorbenen Sohnes Musawho, der an akutem Nierenversagen starb. Bild: AFP

Firma Maiden verkauft nach Asien, Afrika und Lateinamerika

Die indische Nachrichtenseite Moneycontrol berichtete unter Berufung auf die Arzneimittelaufsichtsbehörde von Haryana, Maiden habe die Qualität von Propylenglykol, Diethylenglykol und Ethylenglykol nicht geprüft, während bei bestimmten Chargen von Propylenglykol das Herstellungs- und Verfallsdatum fehlte.

Diethylenglykol und Ethylenglykol werden in Frostschutzmitteln, Bremsflüssigkeiten und anderen industriellen Anwendungen verwendet - aber auch in einigen pharmazeutischen Produkten als günstigere Alternative zu Glycerin, einem Verdickungsmittel in vielen Hustensäften.

Proben aller vier Maiden-Produkte, die nach Gambia exportiert wurden, waren nach Angaben des indischen Gesundheitsministeriums zur Untersuchung an ein Bundeslabor geschickt worden. Maiden verkauft nach eigenen Angaben seine Produkte in Indien und exportiert sie in Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika. Die Hustensäfte waren nach indischen Angaben nur für den Export nach Gambia zugelassen, der WHO zufolge könnten sie über informelle Märkte aber auch in andere Länder gelangt sein.