Soldaten feiern nach dem Putsch in Guinea | AFP

Umsturz in Guinea Putschisten versprechen Stabilität und Frieden

Stand: 06.09.2021 16:01 Uhr

Einen Tag nach dem mutmaßlichen Sturz von Guineas Präsident Condé ist unklar, wie es in dem afrikanischen Land weitergeht. Die Putschisten versprechen stabile Verhältnisse - die internationale Gemeinschaft ist tief besorgt.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika

In den Straßen der Hauptstadt Conakry ist es ruhig. Anders als noch am Sonntag: Da hörte man erst heftige Schusswechsel - später Jubel in den Straßen. Viele Menschen, Bewohner und Oppositionelle, feierten in den Straßen die Machtübernahme der Armee. So auch Fatoumata Diallo. Sie sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Ich bin sehr glücklich. Wir sind als Ausdruck der Freude auf die Straßen gezogen. Ich bin sehr, sehr glücklich!"

Dunja Sadaqi ARD-Studio Rabat

Die UN, die EU sowie die ehemalige Kolonialmacht Frankreich dagegen verurteilten den Putsch scharf und fordern die Freilassung des Präsidenten. Die westafrikanische Wirtschaftsunion ECOWAS drohte mit Sanktionen. Auch die USA warnten vor einem Ende der internationalen Unterstützung für Guinea. 

Oppositionelle wie der junge Abdoulaye Oumou Sow sehen dagegen in der Absetzung des Präsidenten die Erfüllung ihrer Forderungen. "Wir sind hier, um unsere Freude zu zeigen, denn wir haben im Laufe der Zeit viel gelitten. Mit der Zeit hat Gott uns jemanden gezeigt, der stärker ist als er der Präsident. Es ist vor allem Geduld, wir waren geduldig", sagt er.

Condé regierte zunehmend autoritär

Condé war 2010 bei der ersten freien demokratischen Wahl seit der Unabhängigkeit 1958 an die Macht gekommen - und galt nach turbulenten Zeiten seit der Unabhängigkeit als Hoffnungsträger und Stabilitätsfaktor. In der Vergangenheit wurde er immer stärker für einen autoritären Regierungsstil und Menschenrechtsverletzungen kritisiert.

Im vergangenen Jahr setzte er eine Verfassungsänderung durch, die es ihm erlaubte, zum dritten Mal zu kandidieren. Als er aus der Präsidentschaftswahl als Sieger hervorging, kam es zu Massendemonstrationen und Gewalt. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften starben damals zahlreiche Menschen.

Die neue Verfassung, die Condé eine dritte Amtszeit gesichert hatte, ist jetzt laut den Putschisten außer Kraft gesetzt. Am Sonntag hatte eine Spezialeinheit des Militärs den über 80-jährigen Präsidenten festgenommen - sie warfen ihm und der Regierung Misswirtschaft vor. Per Videobotschaft in sozialen Medien und später im Staatsfernsehen verkündete die Putschisten, die Regierung und die Verfassung auflösen und die Landesgrenzen schließen zu wollen. Am Abend wurde schließlich eine Ausgangssperre verhängt.

Die Karte zeigt Guinea mit Conakry.

Ein friedlicher Übergang?

Ab Montag solle das Leben in Guinea seinen normalen Gang weitergehen. Die Putschisten streben eine neue Verfassung an, an deren Erarbeitung alle teilhaben sollen. Und sie versprechen einen friedlichen Übergang zu demokratischen Verhältnissen: "Wir werden eine nationale Abfrage durchführen, um einen inklusiven und friedlichen Übergang zu eröffnen. Niemand sollte umsonst sterben. Guineer sollten nicht länger für die Politik sterben, weil wir die Politik über uns gestellt und vergessen haben, wer wir sind", sagt Oberstleutnant Mamady Doumbouya, der Sprecher der Putschisten.

Tote soll es bei der Machtübernahme des Militärs zumindest nach Darstellung der Putschisten nicht gegeben haben. Videos in sozialen Medien zeigten aber leblose Körper auf den Straßen. Jetzt beriefen die Putschisten eine Sitzung mit der abgesetzten Regierung ein. Wer daran nicht teilnimmt, mache sich der Rebellion schuldig, stellten die Putschisten klar.

Der Umsturz in Guinea ist nach den Putschen in Mali und Tschad nun eine weitere Machtübernahme des Militärs - ein weiterer Staat in der Region ist politisch instabiler geworden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. September 2021 um 13:31 Uhr.