Angehörige der Streitkräfte Guineas fahren durch das zentrale Viertel Kaloum in Conakry, Guinea. | AFP

Nach umstrittener Wahl Putschversuch in Guinea

Stand: 06.09.2021 00:33 Uhr

Erst waren in Guineas Hauptstadt Conakry lange Schusswechsel zu hören, dann meldete sich ein Oberst im Staatsfernsehen: Die Regierung sei abgesetzt. Diese wiederum sagt, ein Angriff auf den Präsidentenpalast sei abgewehrt worden.

Im westafrikanischen Guinea hat es einen Putschversuch gegeben - ob er gelungen ist, ist offen. Im staatlichen Fernsehen verkündete der Kommandant einer Spezialeinheit des Militärs, Oberst Mamadi Doumbouya, die Absetzung der Regierung. Es solle eine Übergangsregierung gebildet werden. Die Verfassung sei ungültig, die Grenzen des Landes würden für eine Woche geschlossen.

Aus dem Verteidigungsministerium hieß es hingegen, die Attacke der Eliteeinheit auf den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Conakry sei zurückgeschlagen worden.

Die Karte zeigt Guinea mit Conakry.

Schusswechsel und Patrouillen

Zuvor hatte es in der Stadt nahe des Präsidentenpalastes lange Schusswechsel gegeben. Viele Soldaten waren auf den Straßen zu sehen. Der Aufenthaltsort von Präsident Alpha Condé ist unklar. In einem der Nachrichtenagentur AFP zugespielten Video behaupteten die Putschisten, sie hätten den Präsidenten gefangen genommen. Der Präsident befinde sich aber bei guter Gesundheit. In sozialen Medien kursieren ebenfalls Videos. Auf ihnen zu sehen: Größtenteils schwer bewaffnete und teilweise vermummte Militärs - sowie den 83-jährigen Präsident Condé in bunten Hemd und Jeans auf einem Sofa sitzend. Auf die Frage, ob er gefoltert worden sei, schweigt das Staatsoberhaupt.

Im Staatsfernsehen verkündete Oberst Doumbouya lediglich, die "Personalisierung des politischen Lebens" sei vorbei. "Wir werden die Politik nicht mehr einem Mann anvertrauen, sondern dem Volk." Er fügte hinzu, er handele im besten Interesse des Landes, und versprach eine Wiederherstellung der Demokratie. Die rebellierenden Soldaten gaben sich den Namen "Nationales Komitee für Versammlung und Entwicklung".

UN verurteilen Putschversuch

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte in einer ersten Reaktion "jede Übernahme der Regierung mit Waffengewalt". Auf Twitter forderte er die sofortige Freilassung von Präsidenten Condé.

Umstrittene Präsidentenwahl

Condé hatte vergangenes Jahr eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die ihm eine dritte Amtszeit ermöglichte. Im Oktober ging der heute 83-Jährige nach offiziellen Angaben aus der von Gewalt begleiteten, umstrittenen Wahl als Sieger hervor, was wiederum zu Massenprotesten führte. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften starben damals viele Menschen.

Alpha Conde | AP

Präsident Condé kam 2010 in Guinea an die Macht. Bild: AP

Im Jahr 2010 war Condé an die Macht gekommen - bei den ersten demokratischen Wahlen des Landes seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1958. Viele sahen in seiner Präsidentschaft einen Neuanfang für das Land, das jahrzehntelang unter einer korrupten, autoritären Herrschaft gelitten hatte.

Seine Kritiker erklärten jedoch, dass er es nicht geschafft habe, das Leben der Menschen in Guinea zu verbessern, von denen die meisten trotz der enormen Bodenschätze des Landes in Armut leben. Bereits 2011 überlebte der Präsident nur knapp ein Attentat, nachdem Bewaffnete über Nacht sein Haus umstellt und sein Schlafzimmer mit Raketen beschossen hatten. Einer seiner Leibwächter wurde dabei getötet.

Mit Informationen von Dunja Sadaqi ARD-Studio Nordwestafrika

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. September 2021 um 17:00 Uhr.