Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler | dpa

UN-Studie Förderung fossiler Brennstoffe nimmt zu

Stand: 20.10.2021 13:58 Uhr

Die nationalen Pläne zur Förderung fossiler Brennstoffe sind immer noch nicht mit den Pariser Klimaschutzzielen vereinbar. Dem UN-Umweltprogramm zufolge planen führende Öl-, Gas- und Kohleproduzenten sogar, die Produktion zu steigern.

Staaten weltweit müssen ihre Kohle-, Öl- und Gasproduktion einer aktuellen Studie zufolge um mehr als die Hälfte drosseln, um eine Chance zu wahren, dass die Erderwärmung unter einem gefährlichen Niveau bleibt. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) wollen Regierungen weltweit im Jahr 2030 aber noch doppelt so viele fossile Brennstoffe produzieren, wie das Pariser Klimaabkommen zulässt. Die Schere zwischen der geplanten Brennstoffproduktion und dem 1,5-Grad-Grenzwert habe sich seit 2019 nicht geschlossen; bis 2040 könne sie sogar noch größer werden, teilten die Umweltorganisation der Vereinten Nationen (UNEP) und führende Forschungsinstitute mit.

"Die globale Kohle-, Öl- und Gasförderung muss sofort und steil zurückgehen, um die langfristige Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen", sagte Ploy Achakulwisut, die Hauptautorin des Berichts und Wissenschaftlerin des Stockholmer Umweltinstituts (SEI). "Die Regierungen planen und unterstützen jedoch weiterhin ein Niveau der Produktion fossiler Brennstoffe, das weit über dem liegt, was wir sicher verbrennen können."

"Gefährlich weit von den Pariser Zielen entfernt"

Die UNEP-Studie kommt zu dem Schluss, dass viele Staaten ungeachtet ihrer Versprechen zur Verringerung von Treibhausgasemissionen weiterhin planen, im Jahr 2030 die doppelte Menge fossiler Brennstoffe zu fördern, als mit dem Übereinkommen von Paris zur Bekämpfung des Klimawandels von 2015 in Einklang zu bringen wäre. Demnach sollen im Jahr 2030 rechnerisch etwa 110 Prozent mehr fossile Brennstoffe, 240 Prozent mehr Kohle, 57 Prozent mehr Öl und 71 Prozent mehr Gas produziert werden.

Das Pariser Klimaabkommen hat das Ziel, die globale Erderwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten. Aber selbst das weniger ambitionierte Ziel, die Erderwärmung zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, würde damit verfehlt, so UNEP. Denn selbst dann seien die geplanten Fördermengen um gut 45 Prozent zu hoch. Mit ihren Plänen seien die Länder somit "gefährlich weit von den Pariser Zielen entfernt", heißt es.

Der Bericht kommt zudem zu dem Schluss, dass die Gruppe der 20 größten Industrie- und Schwellenländer seit Anfang 2020 rund 300 Milliarden US-Dollar (etwa 258 Milliarden Euro) in neue Projekte im Bereich fossiler Brennstoffe gesteckt hat - und damit mehr als in erneuerbare Energiequellen. "Es gibt immer noch Zeit, die langfristige Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, aber dieses Zeitfenster schließt sich schnell", sagte die Chefin des UN-Umweltprogramms, Inger Andersen. Sie appellierte an die Regierungen, sich bei der Weltklimakonferenz der Schließung der Kluft zu widmen.

Deutschland ist weltweit größter Braunkohleproduzent

Deutschland trage maßgeblich zu dem Produktionsanstieg bei, hieß es in dem Bericht. Die Bundesrepublik bleibe aktuell der weltweit größte Braunkohleproduzent, der kohlenstoffintensivsten Kohleart. Nach den Beschlüssen des Bundestags zum Kohleausstieg dürfen die Kraftwerke bis zum Jahr 2038 laufen.

Für die USA stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Steigerung der Öl- und Gasproduktion um 17 beziehungsweise zwölf Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2019 fest. Vieles davon soll exportiert werden, weshalb die beim Verbrauch entstehenden Emissionen nicht den USA zugerechnet würden, wenngleich sie das globale Niveau anheben. Die US-Kohleproduktion soll im Verlauf des Jahrzehnts im Vergleich zu 2019 um 30 Prozent abnehmen.

Ab Ende Oktober verhandeln die Regierungen auf der Weltklimakonferenz in Schottland (COP26) darüber, wie sie die in Paris ausgehandelten Klimaschutzziele konkret einhalten können. Dort müssten die Regierungen "rasch und unverzüglich Maßnahmen ergreifen", um einen fairen Übergang zu alternativen Energien zu gewährleisten, so UNEP-Chefin Anderson.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.