Bauernhof in Simbabwe

Simbabwe Weiße Farmer warten auf Entschädigung

Stand: 29.07.2021 03:38 Uhr

Es war eine echte Überraschung: Genau vor einem Jahr hat die Regierung in Simbabwe angekündigt, weiße Farmer zu entschädigen, die gut 20 Jahre zuvor enteignet worden waren. Was ist aus den Plänen geworden?

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Die Landreform in Simbabwe spaltet das Land noch heute. Mehr als 20 Jahre ist es her, dass weiße Farmer enteignet wurden. Der damalige Präsident Robert Mugabe hatte ernst gemacht mit seinen Forderungen, die weißen Bauern müssten ihr Land verlassen.

Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

Mehr als 4000 der insgesamt 4500 weißen Farmer wurden damals vertrieben, zeitweise auch mit Gewalt. Vor einem Jahr sorgte die jetzige Regierung dann für eine Überraschung. 3,5 Milliarden Dollar sollten als Entschädigung fließen. Die Hälfte des Geldes sollte bis zum heutigen Tag ausgezahlt sein, der Restbetrag über weitere fünf Jahre verteilt.

Passiert sei seitdem nicht viel, bisher sei an die Farmer insgesamt eine Million Dollar gezahlt worden, sagt Ben Freeth. Er hatte eine der lukrativsten Mango-Farmen verloren, die es in Simbabwe gab: "Selbst bei dem stark reduzierten Betrag, von dem die Regierung spricht und der weit unter dem liegt, was das internationale Recht für eine Entschädigung vorsieht, würde es 3500 Jahre dauern, würden wir eine Million Dollar pro Jahr für die vereinbarte Entschädigung in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar bekommen."

Erste Zahlung aufgeschoben

Die Situation ist schwierig, die Wirtschaft liegt nach wie vor am Boden, und finanzielle Reserven sind - vorsichtig ausgedrückt - nicht üppig in dem Land. Deshalb überrascht es kaum, dass die Regierung in der Hauptstadt Harare offiziell angekündigt hat, die erste Zahlung, also die Hälfte der Summe, um ein weiteres Jahr aufzuschieben.

Andrew Mbvume vom Finanzministerium erklärt das so: "Wegen der Corona-Pandemie haben wir nicht alles anleiern können, was wir wollten. Auch die Suche nach einem Finanzberater wurde verzögert - das haben wir jetzt aber geschafft." Aus diesem Grund habe man beschlossen, sich ein weiteres Jahr Zeit zu geben, um die Hälfte der Entschädigung aufzutreiben. "Wir prüfen verschiedene Möglichkeiten. Das ist ein Prozess. Wenn wir die Summe haben, werden wir das mitteilen."

Viele Farmer sehen das alles als reine Propaganda. Auch Bauer Heinrich von Pezold hatte im Jahr 2000 einen Teil seines Vermögens verloren. Er zog vor ein internationales Schiedsgericht und verklagte die Regierung erfolgreich. Aber auch er klingt nun ernüchtert: "Wir erkennen an, dass die Regierung zu den Entschädigungen steht, das ist sehr positiv. Das ist der politische Kurs der Regierung. Aber wir wollen statt Worten lieber Taten sehen."

Kein Vertrauen in die finanziellen Möglichkeiten des Landes

Immerhin: In der diesjährigen Haushaltsplanung hat die Regierung rund 25 Millionen Dollar für die Entschädigung vorgesehen. Das sei aber immer noch ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Farmer Ben Freeth: "Mein Standpunkt ist, dass die Regierung einfach unter Druck stand, um mit den Farmern eine Einigung zu erzielen. Man muss sich aber fragen, ob es überhaupt Geld gibt, damit das auch wirklich passieren kann." Er glaube nicht daran, dass das Land das leisten könne. "3,5 Milliarden ist eine Menge Geld für ein Land, das im Grunde pleite ist."

Die Farmer kämpfen seit Jahren - teilweise um ihr Land, meist um finanzielle Entschädigung. Die großflächige Enteignung gilt als eine der verheerendsten Aktionen der Ära Robert Mugabe. Der jetzige Präsident Emmerson Mnangagwa sagte schon vor einem Jahr, als die Einigung öffentlich wurde, die Landreform könne nicht rückgängig gemacht werden. Die Entschädigungszahlungen seien aber der Schlüssel dafür, die Beziehungen zum Westen wieder herzustellen. Stand heute: Einfach ist das weiterhin nicht.

Über dieses Thema berichtete die ARD-Sendung "Weltspiegel" am 16. März 2019 um 16:29 Uhr.