Menschen, die durch die Kämpfe zwischen kongolesischen Streitkräften und M23-Rebellen vertrieben wurden. | dpa

DR Kongo Eine Generation kämpft um ihre Bildung

Stand: 19.09.2022 16:26 Uhr

Im Osten der DR Kongo begehen Rebellen fast täglich Massaker, viele Kinder sind auf der Flucht. Das hat Folgen auch für die, die bleiben. Denn viele Schulen werden als Notunterkünfte gebraucht.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Im Osten der DR Kongo protestieren Kinder. Sie halten Schilder hoch. "Alle sollen in die Schule gehen", steht auf einem. Doch in der Stadt Rutshuru im Nordosten des Landes gibt es dafür keine Räume mehr. "Ich wollte meine Kinder zur Schule bringen", sagt Gisele Bazubafite der Nachrichtenagentur AFP. "Aber das geht nicht, weil dort jetzt Vertriebene leben. Sie schlafen dort und unsere Kinder haben keinen Ort mehr, an dem sie lernen können. Ich bin schockiert. Sollen meine Kinder jetzt Straßenkinder werden?"

Antje Diekhans ARD-Studio Nairobi

In der Region kämpfen Angehörige der sogenannten M23-Miliz gegen die kongolesische Armee. Tausende Menschen sind schon vertrieben worden. Einige von ihnen sind in Schulgebäuden untergebracht. Wo sonst Tische und Stühle für die Kinder standen, liegen jetzt Matratzen, über die Moskitonetze gespannt sind.

Fabiola Nyirahabwa gehört zu den Flüchtlingen, die hier Unterschlupf gefunden haben. "Wir leben hier, weil wir nirgendwo sonst hinkönnen", sagt sie. "Jetzt wollen sie uns von hier vertreiben. Aber wir wollen nicht unter freiem Himmel schlafen. Wir haben uns vor dem Krieg in Sicherheit gebracht."

"Können keine Prüfungen ablegen"

Auch unter den Vertriebenen sind viele Kinder, für die Unterricht nur noch eine ferne Erinnerung ist. Ein schon fast erwachsenes Mädchen namens Maombi Sanvura Aline trauert der Zeit hinterher, als Lernen noch zum Alltag gehörte: "Bevor wir fliehen mussten, konnten wir jeden Tag friedlich zur Schule gehen. Alle in unserem Dorf haben sonst den Abschluss geschafft. Aber wir können keine Prüfungen mehr ablegen."

Die Kinder und Jugendlichen fürchten genau wie ihre Eltern, dass ihnen die Zukunft genommen wird. Im Osten der DR Kongo ist es sowieso fast unmöglich, sich ein Leben aufzubauen, das nicht nur von Armut und Krieg geprägt ist. Ohne Schulabschluss platzen alle Träume, vielleicht in der Hauptstadt zu studieren und irgendwann Geld verdienen zu können.

Regierung und Behörden sind ratlos

"Darum verlangen wir von der Regierung, dass sie diesen Krieg beendet", sagt Alexis Senga. "Damit wir in unsere Dörfer zurückkehren und unsere Kinder lernen können. Alle Kinder haben das Recht auf Bildung."

Doch die Kämpfe flammen jetzt schon seit Jahrzehnten immer wieder auf. Die kongolesische Regierung bekommt die Situation genauso wenig in den Griff wie eine Friedensmission der Vereinten Nationen. Auch der zuständige Verwaltungschef der Region ist ratlos: "Wir müssen eine Lösung finden", gesteht Colonel Bakole Luc ein. "Die Kinder von hier und die Kinder der Vertriebenen sollen zur Schule gehen können."

Doch vorerst bleibt den Kindern und Jugendlichen nur der Protest. Eine ganze Generation im Osten der DR Kongo kämpft dafür, lernen zu dürfen.