Konsumenten bereiten eine Dosis der Synthetikdroge "Bombé" vor (Bild vom 31.08.2021). | REUTERS

Drogenkonsum in DR Kongo Bedröhnt mit Autokatalysatoren

Stand: 05.10.2021 03:53 Uhr

In Kinshasa breitet sich eine neue Droge aus: "Bombé" besteht aus Auto-Katalysatoren und lässt die Konsumenten wie Zombies wirken. Nun häufen sich Fahrzeugteil-Diebstähle - und Berichte über Todesfälle.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Völlig weggetreten, ihre Körper gekrümmt wie Fragezeichen: So stehen zwei Drogensüchtige in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, auf der Straße - beobachtet von Kindern und einem Mann. Es scheint wie ein Wunder, dass sie nicht umkippen. Ähnliche Videos kursieren zuhauf in den sozialen Netzwerken, in denen die Abhängigen als "Zombies" bezeichnet werden. Sie alle nehmen eine neue Droge: Bombé.

Antje Diekhans ARD-Studio Nairobi

In einem Hinterhof in Kinshasa bereiten drei junge Männer ihre Dosis vor. "Das hier ist richtig gute Qualität", sagt einer von ihnen der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist ein besseres Gefühl, die Droge zu nehmen, als mit einer Frau zusammen zu sein.“

Ein bräunliches Pulver wird mit anderen Stoffen gemischt und dann - ähnlich wie Kokain - geschnupft. "Wir nehmen lieber Bombé als andere Drogen, weil uns das wirklich völlig ausknocked", sagt einer der Konsumenten namens Cedrick. "Du wirst ganz ruhig und müde. Dann stehst oder sitzt du einfach nur für sehr lange Zeit irgendwo rum."

Berichte über erste Todesfälle

"Bombé" heißt "gewaltig" auf Lingala - und so lässt sich der Effekt wohl am ehesten beschreiben: ein Zustand nahe am Koma. Damit die Konsumenten zumindest das Essen nicht völlig vergessen, mischen sie Appetitanreger mit in die Droge. Der Hauptbestandteil aber stammt aus Auto-Katalysatoren. Ihre Wabe wird zu dem braunen Pulver gemörsert und enthält Stoffe wie Platin, Rhodium und Zinkoxid.

Ein hochriskanter Cocktail, warnt Dandy Yela Y’Olemba, der Vertreter des Weltverbands gegen Drogen in der DR Kongo: "Das große Risiko ist, dass wir diese Droge noch nicht kennen und darum auch nicht wissen, was sie im menschlichen Körper anrichtet. Fest steht: Niemand sollte Stoffe nehmen, die für Autos gemacht wurden."

Es gibt Berichte über erste Todesfälle, aber keine offiziellen Statistiken. Kongos Präsident Felix Tshisekedi rief dazu auf, gegen den Verkauf der Drogen vorzugehen. Die Polizei präsentierte kurz darauf festgenommene Dealer und sichergestellte Tütchen mit dem Pulver.

Die Droge der Verzweifelten

Doch geholfen haben die Polizeiaktionen bisher nicht. Bombé ist die Droge der Verzweifelten, die nichts mehr zu verlieren haben. Von ihnen gibt es viele in Kongos Hauptstadt. Sie leben von der Hand in den Mund und sehen keine Perspektive. Bombé ist billig: Die Bestandteile stehen quasi auf der Straße.

"Ständig kommen Kunden, denen der Katalysator gestohlen wurde", erzählt Automechaniker Tresore Kadogo in Kinshasa. "Fünf bis zehn jeden Tag. Wir müssen dann in Europa Ersatz bestellen. Das ist kompliziert."

An Nachschub für das Drogengemisch mangelt es aber noch lange nicht. Bombé bringt das totale Vergessen - und das ist in der DR Kongo gefragt.  

Über dieses Thema berichtete das Erste im "Report Mainz" am 11. Mai 2021 um 21:45 Uhr.