Desmond Tutu | EPA

Im Alter von 90 Jahren Nobelpreisträger Desmond Tutu gestorben

Stand: 26.12.2021 09:14 Uhr

Der emeritierte südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Gemeinsam mit Nelson Mandela hatte er für ein Ende der Apartheid gekämpft und war dafür 1984 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Das teilte Präsident Cyril Ramaphosa mit. Er drücke "im Namen aller Südafrikaner seine tiefe Trauer über den Tod" Tutus aus.

Tutu war der erste schwarze anglikanische Bischof von Johannesburg und wurde am 7. September 1986 zum Erzbischof des Erzbistums Kapstadt ernannt. Gemeinsam mit Nelson Mandela setzte er sich für ein Ende der Apartheid in Südafrika und übernahm die führende Rolle in diesem Kampf, nachdem Mandela 1964 inhaftiert wurde. Tutu wurde 1984 für sein Engagement mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. 

Egil Aarvik (rechts), der Vorsitzende des norwegischen Nobelpreiskomitees, überreicht am 10. Dezember 1984 in Oslo Desmond Tutu den Friedensnobelpreis. Der schwarze südafrikanische Anglikaner-Bischof wurde für seine Rolle als Führer und Einiger der Bewegung zur Lösung der Apartheid-Probleme in Südafrika ausgezeichnet worden. | picture-alliance/dpa

Desmond Tutu bei der Übergabe des Friedensnobelpreises 1984 in Oslo. Bild: picture-alliance/dpa

Vom Lehreramt zur Kirche

Geboren wurde Tutu 1931 in Klerksdorp nahe Johannesburg. Zunächst folgte er beruflich den Spuren seines Vaters und wurde Lehrer. 1955 heiratete er Leah Nomalizo Shenxane. Das Paar bekam insgesamt vier Kinder.

Doch mit dem Bantu Education Act der damaligen südafrikanischen Regierung, durch welchen schwarze Schüler und Studenten in ihrer Ausbildung schlechter gestellt werden, entschied sich Tutu, seine Lehrertätigkeit zu kündigen. Anschließend schlug er eine theologische Laufbahn ein, war Anfang der 1960er-Jahre zunächst Diakon und erhielt 1961 die Priesterweihe.

1975 wurde Tutu als erster schwarzer Afrikaner anglikanischer Dekan an der St.-Mary’s-Kathedrale in Johannesburg. Rund zehn Jahre später wurde er zum ersten schwarzen anglikanischen Bischof der Stadt und am 7. September 1986 zum Erzbischof des Erzbistums Kapstadt ernannt. Er hatte dieses Amt bis Herbst 1996 inne.

Kämpfer an der Seite Mandelas

Schon früh begann Tutu sich kritisch über die Situation der schwarzen Bevölkerung in dem Land zu äußern - mit den Jahren sollte er an der Seite des späteren Präsidenten Nelson Mandela zu einem der entschlossensten und bekanntesten Kämpfer gegen das Apartheid-Regime werden. Nachdem Mandela 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt und inhaftiert wurde, übernahm Tutu die führende Rolle im Kampf gegen die Apartheid. Dafür wurde er 1984 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Zudem wurde Tutu für sein Wirken mit dem Martin-Luther-King-Preis, dem deutschen Großen Bundesverdienstkreuz und rund drei Dutzend Ehrendoktorwürden geehrt.

Auch Präsident Ramaphosa sprach nach der Nachricht von Tutus Tod von einem "weiteren Kapitel der Trauer im Abschied unserer Nation von einer Generation herausragender Südafrikaner, die uns ein befreites Südafrika hinterlassen haben". Tutu sei "ein Mann von außergewöhnlicher Intelligenz, integer und unbesiegbar gegen die Kräfte der Apartheid" gewesen und habe sich "für die Unterdrückten auf der ganzen Welt" eingesetzt.

Versöhnung statt Vergeltung

Nach dem Ende des Apartheid-Regimes 1994 engagierte sich Tutu beständig für Frieden und Aussöhnung in Südafrika. Auf Bitten Mandelas übernahm er 1996 den Vorsitz der Wahrheits- und Versöhnungskommission, die die Verbrechen der Apartheid-Zeit aufarbeitete. Er verfolgte dabei das Motto "Vergeben, aber nicht vergessen". Tutu prägte zudem das Bild von Südafrika als "Regenbogennation", in der es für Menschen aller Hautfarben und Ethnien ermöglicht werden soll, friedlich zusammenzuleben.

Bis ins hohe Alter setzte sich Tutu für Menschenrechte und gegen Diskriminierung ein. Gleichzeitig wurde er zur kritischen Stimme, die Fehler in der Politik des Afrikanischen Nationalkongresses und früheren Präsidenten Jacob Zuma anprangerte. Ab 2010 begann Tutu, sich nach und nach aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Zuletzt hatte er öffentlich für die Impfungen gegen das Coronavirus geworben, nachdem er sich im Mai dieses Jahres selbst hatte impfen lassen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Dezember 2021 um 09:00 Uhr.