Geistliche tragen den schlichten Sarg von Desmond Tutu. | picture alliance / ASSOCIATED PR

Requiem für Tutu "Kreuzritter im Kampf für Freiheit"

Stand: 01.01.2022 12:40 Uhr

Mit einer Zeremonie nach den Wünschen des Verstorbenen hat Südafrika von Friedensnobelpreisträger und Volksheld Tutu Abschied genommen. Präsident Ramaphosa würdigte ihn als "globale Ikone" und Freiheitskämpfer.

Südafrika hat sich mit einer Trauerfeier von seinem Volkshelden und Friedensnobelpreisträger Tutu verabschiedet.

In der Kapstadter Sankt-Georgs-Kathedrale waren nur 100 Trauergäste zugelassen. Neben Tutus Familie nahmen Staatspräsident Cyril Ramaphosa und weitere Regierungsmitglieder, Weggefährten Tutus, Veteranen des Anti-Apartheid-Kampfes und Geistliche an der Zeremonie teil, für die Tutu genaue Anweisungen hinterlassen hatte: Die Zeremonie sollte nach seinem Wunsch möglichst schlicht ausfallen.

Der für seine Bescheidenheit gerühmte Tutu wurde in einem einfachen Sarg aufgebahrt, während die Familie um gemeinnützige Spenden anstelle von Blumen bat. Das gut zweistündige anglikanische Requiem wurde live im Staatsfernsehen und im Internet übertragen.

Enkelinnen und Enkel lasen die Lesungen, Freunde sprachen die Fürbitten. In seiner Predigt erinnerte der Bischof im Ruhestand, Michael Nuttall, an die schwierige Aufgabe Desmond Tutus als Vorsitzender der Kommission für Wahrheit und Versöhnung, die ab 1996 die Gräueltaten und das Unrecht unter der Apartheid aufarbeiten sollte. Tutu hatte Nuttall als Prediger ausgewählt, weil beide ab den späten 1980er-Jahren eine enge Freundschaft und Zusammenarbeit verband. Damals war Tutu erster schwarzer Erzbischof von Kapstadt gewesen.

Ramaphosa würdigt "globale Ikone"

In seiner Trauerrede würdige Ramaphosa Tutu als "demütigen und tapferen Menschen", der sich für die Unterdrückten und Leidenden der Welt ausgesprochen habe.

"Wenn wir den Begriff 'globale Ikone' so verstehen, dass sie große moralische Statur hat, außergewöhnliche Qualitäten und einen Dienst an der Menschheit vollbringt, kann es keinen Zweifel geben, dass er sich auf den Mann bezieht, den wir heute beerdigen", sagte er und nannte Tutu einen "Kreuzritter im Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Frieden" - nicht nur in Südafrika, sondern weltweit.

Kampf gegen Apartheid

Gemeinsam mit dem späteren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela hatte Tutu gegen das rassistische Apartheidsystem gekämpft. 1984 wurde ihm für seinen gewaltfreien Einsatz der Friedensnobelpreis verliehen. Nach dem Ende der Apartheid setzte er sich auch für die Kämpfe gegen den Klimawandel, HIV, Kinderheirat sowie Geschlechterdiskriminierung ein.

"Er hat nie aufgehört zu kämpfen, er hat nie aufgehört, seine Meinung zu sagen, und er hat nie aufgehört sich zu sorgen", sagte Ramaphosa. "Tutu sei Südafrikas "moralischer Kompass und nationales Gewissen" gewesen.

"Regenbogennation"-Flagge für Witwe

Im Anschluss überreichte Ramaphosa Tutus Witwe Leah Südafrikas sechsfarbige Flagge, aufgrund derer Tutu den Begriff der "Regenbogennation" prägte, der das friedliche Zusammenleben von Südafrikas zahlreichen Bevölkerungsgruppen nach der Apartheid beschreibt.

Auch eine liebevolle Karikatur in einer südafrikanischen Zeitung zeigte am Morgen Tutu am Fuße eines Regenbogens, der ihn hinauf zu einer Wolke führt, auf der andere Friedensaktivisten wie Nelson Mandela, Mahatma Gandhi, Mutter Theresa und John Lennon bereits auf ihn warten.

Desmond Tutus Witwe Leah hält die Flagge Südafrikas in den Händen. | picture alliance / ASSOCIATED PR

Tutus Witwe Leah mit der ihr von Präsident Ramaphosa überreichten Flagge. Bild: picture alliance / ASSOCIATED PR

Beisetzung in der Kathedrale

Tutus Asche soll später unter einen der Bodensteine vor dem Hauptaltar der Sankt-Georgs-Kathedrale beigesetzt werden, von deren Kanzel Tutu für viele Jahre gegen die Brutalität des Apartheidregimes gepredigt hatte. Auch eine Inschrift dafür hat Tutu bereits ausgesucht: "Er lachte. Er weinte. Er liebte."

Der prominenteste Geistliche des Landes war vergangenen Sonntag im Alter von 90 Jahren gestorben. Seither wehen die Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf halbmast; die Kirchenglocken in ganz Südafrika werden seit Sonntag täglich zu Tutus Ehren geläutet.

Mit Informationen von Karin Wehrheim, ARD-Studio Johannesburg

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Januar 2022 um 13:00 Uhr.