Krankenhausangestellte vor einem Screening-Zentrum bei Kapstadt | AFP

Corona-Mutation in Südafrika Viele Fragen zur neuen Virusvariante

Stand: 29.12.2020 01:20 Uhr

Mehr als eine Million Corona-Fälle zählt Südafrika inzwischen. Die Infektionen nehmen rasant zu, wohl getrieben von der dort entdeckten neuen Virusvariante. Forscher vor Ort untersuchen, wie gefährlich sie ist.

Katharina Fuß, ARD-Studio Johannesburg

Regelmäßig informiert die afrikanische Seuchenschutzbehörde CDC über die neuesten Corona-Entwicklungen auf dem Kontinent. Auf der letzten digitalen Pressekonferenz an Heiligabend gab es bei den Fragen der Journalisten eigentlich nur ein Thema: Was hat es mit der Mutation in Südafrika auf sich, und wie gefährlich ist diese neue Virusvariante?

Dem Behördenchef und Virologen John Nkengasong fiel es sichtlich schwer, befriedigende Antworten zu geben. Eines wiederholte er aber immer wieder: "Was absolut klar ist, ist, dass es sich schnell überträgt und gerade eine große Anzahl von Menschen infiziert ist. Das wissen wir sicher. Ob es dabei schwerere Verläufe gibt, das wissen wir noch nicht."

Noch keine Anhaltspunkte für schwereren Verlauf

Es muss also noch einiges über die neue Corona-Variante herausgefunden werden. Aber was wissen eigentlich die Virologen, die die neue Variante entdeckt haben? Einer von ihnen ist Professor Wolfgang Preiser. Er arbeitet an der Uni Stellenbosch. Spricht man mit dem Abteilungsleiter Virologie über die neue Virusvariante in Südafrika, wirkt er entspannt. Er berichtet Ähnliches wie die afrikanische Behörde. Es gebe noch keine Beweise dafür, dass man bei der neuen Corona-Variante einen schwereren Verlauf habe:

Wir haben bislang keine konkreten Anhaltspunkte, dass dieses Virus gefährlicher ist, also dass man, wenn man infiziert wird, eine schwerere Krankheit bekommt. Wir wissen auch nicht, ob es infektiöser ist. Und wir wissen schon gar nicht, ob es dem Immunsystem besonders ausweicht und bereits früher infizierte Leute nochmal infizieren können. Aber wir haben gewisse Anhaltspunkte, die es dann doch geboten erscheinen lassen, das weiter zu untersuchen, und das wird auch gemacht.

Neben den Untersuchungen ist es laut Preiser auch wichtig zu beobachten, wie sich das Virus in der Bevölkerung verhält. Nur durch sehr aufwendige Studien habe er mit Kollegen herausfinden können, dass es in Südafrika eine neue Variante von Corona gibt: "Wir haben ein Netzwerk gebildet von Forschern, die Routineproben von Patienten aus dem ganzen Land erhalten, diese dann sequenzieren, also das Erbgut des Virus genau definieren, und vergleichen." Nur auf diese Art könne man Mutationen überhaupt feststellen.

Das, so Preiser weiter, heiße "natürlich nicht, dass es jetzt diese Viren nur in den Ländern gibt, die sie gefunden haben. Es kann sehr gut sein, dass sie auch schon in andere Landesteile und Weltteile vorgedrungen sind oder sich dort unabhängig entwickelt haben - und dass man dies einfach noch nicht weiß."

Was bedeutet das für die Impfstoffe?

Sollte die Mutation wirklich schon in mehr Teile der Welt gelangt sein, als bekannt, ist die große Frage: Wirken die bisherigen Impfstoffe auch gegen neue Corona-Varianten wie die in Südafrika?

Viele Experten in Deutschland zeigen sich optimistisch. Auch der Leiter der Virologie an der Uni Stellenbosch sieht den bisherigen Erfolg bei der Entwicklung des Impfstoffs als gutes Zeichen, selbst wenn dieser bei Varianten nicht gleich wirken sollte:

Ich bin eigentlich recht zuversichtlich, dass - was auch immer das Virus noch an Überraschungen für uns bereithält - auch das relativ kurzfristig dann noch mit eingebracht werden kann. Diese Impfstoffe sind ja sehr innovativ entwickelt worden, da wird es sicherlich auch möglich sein, Änderungen des Virus mit zu berücksichtigen bei künftigen Varianten des Impfstoffes.

Auch was die neu entdeckten Virus-Varianten betrifft, wird also viel Hoffnung in die Impfstoffe gesteckt. Wie diese dann tatsächlich auf die Mutation wirken, wird sich wahrscheinlich bald in Großbritannien zeigen.

Zurück zu strengen Beschränkungen

Angesichts von mehr als einer Million nachgewiesener Corona-Fälle hat die südafrikanische Regierung schärfere Beschränkungen für das öffentliche Leben verhängt. So gilt nun eine Ausgangssperre von 21 bis 6 Uhr. Auch ein Verkaufsverbot für Alkohol wurde wieder in Kraft gesetzt. Zudem müssen Restaurants und Bars nun um 20 Uhr schließen. In der Öffentlichkeit besteht eine Maskenpflicht. Südafrika ist das zahlenmäßig am schwersten betroffene Land Afrikas.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Dezember 2020 um 23:00 Uhr.