Eine Frau in Tansania bekommt eine Corona-Impfung | REUTERS

Impfungen in Tansania Nun Spritze statt Gebet gegen das Virus

Stand: 07.08.2021 13:18 Uhr

In Tansania ist die Impf-Kampagne angelaufen. Es ist eine wichtige Abkehr von der Corona-Politik des verstorbenen Präsidenten Magufuli, der die Gefahr des Virus leugnete und gegen die Vakzine hetzte.

Von Bettina Rühl, ARD-Studio Nairobi

Dutzende Menschen warten unter Zelten im Garten des privaten Kairuki-Krankenhauses in der Hafenstadt Daressalaam, bis sie mit ihrer Corona-Impfung an der Reihe sind. Alle tragen medizinische Masken, sitzen aber ohne Abstand dicht nebeneinander. Wie in vielen anderen Ländern auch, haben in Tansania ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen und medizinisches Personal die höchste Priorität im Impfprogramm.

"Das Impfprogramm läuft gut", resümiert Onesmo Kaganda, der medizinische Leiter des Krankenhauses. "Wir haben schon vor zwei oder drei Tagen mit den Vorbereitungen angefangen. Das hat sich bewährt - wir haben genug Helfer und genug medizinisches Personal." Das einzige Problem sei vielleicht, dass der Andrang zu groß ist.

Aber auch das sei kein wirkliches Problem, meint Kaganda. Sie hätten von der Regierung etliche Dosen des Vakzins von Johnson & Johnson bekommen. "Wir hoffen, dass alle, die heute gekommen sind, ihre Dosis tatsächlich kriegen."

Verstorbener Präsident als Corona-Leugner

Wie die Bevölkerung Tansanias die Corona-Impfungen annehmen würde, war im Vorfeld schwer einschätzen. Denn der im März verstorbene Präsident John Magufuli hatte die Gefährlichkeit von Covid-19 geleugnet und vor Impfungen gewarnt - nicht zuletzt, weil die Vakzine aus dem Ausland kommen. Erst seine Nachfolgerin Samia Suluhu Hassan bemühte sich darum, Corona-Vakzine für das Land zu bekommen.

Ende vergangener Woche wurde sie als erste ihres Landes geimpft. "Ich bin Mutter, Großmutter, Ehefrau, Präsidentin, Oberkommandiere der Streitkräfte. Ich bin heute hier, weil die Öffentlichkeit auf mich guckt", sagte sie dabei. Ihr sei bewusst, dass sie als Präsidentin wie eine Hirtin sei, die viele Menschen führt. "Ich würde mich nicht impfen lassen, wenn ich dadurch mein Leben riskieren würde. Ich habe mich freiwillig impfen lassen, weil ich weiß, dass ich in den letzten 61 Jahren mit vielen anderen Impfstoffen in meinem Körper gelebt habe."

Tansanias Präsidentin Samia Suluhu Hassan bekommt eine Corona-Impfung | AFP

Die erste Corona-Impfung in Tansania bekommt die Präsidentin Samia Suluhu Hassan. Bild: AFP

Nach der politischen Prominenz, die vergangene Woche an der Reihe war, hat nun das Impfprogramm für die Bevölkerung begonnen. Der Anwalt Cyril Pesha hat seine Dosis gerade bekommen. Die Ausbreitung des Virus und die Anstrengungen, die zu seiner Eindämmung unternommen wurden, habe er genau verfolgt. "Ich bin froh, dass wir nun nicht mehr inmitten von Corona-Leugnern leben und stattdessen die Möglichkeit haben, im Kampf gegen die Krankheit wie der Rest der Welt vorzugehen."

Impfskepsis nicht besiegt

Dem steht allerdings immer noch einiges entgegen: Für die afrikanischen Staaten steht viel zu wenig Impfstoff zur Verfügung. Zudem ist die seit Monaten genährte Impfskepsis in Tansania nicht über Nacht verschwunden - sie wird ganz im Gegenteil weiter geschürt. Etwa von Josphat Gwajima. Der selbst ernannten Bischof der sogenannten "Kirche der Wiedergeburt und des Lebens" hat nach eigenen Angaben fast drei Millionen Anhänger allein in Tansania.

In Bezug auf Corona und das Impfprogramm hat er seine eigene Botschaft: "Ihr werdet geimpft, ohne dass Ihr die kurzfristigen oder die langfristigen Folgen kennt." Auch die Auswirkungen dieser Impfungen auf Sicherheitskräfte seien unklar: "Was ist, wenn sie den Verstand verlieren, verrückt werden? Wenn sie sich zu Zombies entwickeln? Ich sage Euch meine Meinung: Diese Impfungen sind schlecht, sie sind nicht sicher, und ich bin absolut dagegen."

Angesichts solcher Propaganda und des fehlenden Impfstoffs für Afrika wird es lange dauern, bis Präsidentin Suluhu Hassan ihr Ziel erreicht: Eine Bevölkerung, von der 60 Prozent gegen Corona geimpft sind.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 05. August 2021 um 05:37 Uhr.