Ein Junge wird in einer Einrichtung in der Nähe von Johannesburg gegen COVID-19 geimpft.  | picture alliance/dpa/AP

Corona in Südafrika Vorsichtiger Optimismus - trotz Omikron

Stand: 22.12.2021 18:30 Uhr

Vor vier Wochen wurde in Südafrika die Omikron-Variante entdeckt. Mittlerweile ist sie dort die vorherrschende Virenform. Laut einer neuen Studie verursacht sie jedoch mildere Verläufe als bisherige Varianten.

Von Karin Wehrheim, ARD-Studio Südafrika

Die Botschaft nach vier Wochen Omikron ist optimistisch: "In Südafrika verhält sich Omikron in einer Art und Weise, die weniger schwerwiegend ist", sagte Cheryl Cohen, eine der Autorinnen der neuen Studie, auf einer virtuellen Pressekonferenz des Nationalen Instituts für übertragbare Krankheiten (NICD).

Die Forschenden hatten dafür nachgewiesene Omikron-Fälle mit Delta-Fällen von Anfang Oktober bis Ende November verglichen. "In diesem Zeitraum war mit Omikron die Chance, ins Krankenhaus zu müssen, 80 Prozent kleiner, als wenn man nicht Omikron hatte", erklärt Cohen.

Weniger schwere Fälle, geringere Sterblichkeitsrate

Auch der Anteil schwerer Fälle in den Krankenhäusern war geringer als bei den bisherigen Corona-Varianten. Die Patientinnen und Patienten mussten nur etwa halb so lang stationär behandelt werden, weniger wurden beatmet, weniger starben. Waren es in der zweiten und dritten Welle noch mehr als 20 Prozent Todesfälle unter den Covid-19-Patienten in den südafrikanischen Kliniken, so sind es bisher mit Omikron nur sechs Prozent.

"Die Sterblichkeitsrate ist derzeit ziemlich gering", betont Waasila Jassat von der NICD. "In staatlichen Krankenhäusern liegt sie etwas höher als in privaten Kliniken, aber überall ist sie geringer als zu jedem anderen Zeitpunkt der Pandemie."

Gründe müssen noch erforscht werden

Warum das in Südafrika so ist, gibt den Wissenschaftlern noch Rätsel auf. Mögliche Gründe, so Jassat, könnten sein, "dass so viele Menschen immun sind, weil sie geimpft oder schon einmal infiziert waren. Oder es könnte daran liegen, dass Omikron weniger aggressiv ist. Aber wir brauchen mehr Studien, um das herauszufinden."

Bis zu 70 Prozent der Menschen in Südafrika sind nach Ansicht der Experten bereits einmal genesen. Klar ist: Omikron ist mittlerweile in ganz Südafrika die vorherrschende Variante. 98 Prozent der sequenzierten positiven Tests sind Omikron. Das hat in der Metropolregion Gauteng um Johannesburg und Pretoria zwei Wochen gedauert, in den anderen Regionen ging es doppelt so schnell.

Aber, sagt Michelle Groome, Leiterin der Abteilung Gesundheitskontrolle bei der NICD, "in Gauteng sehen wir seit dieser Woche eine sinkende Zahl an positiven Fällen. Alle Anzeichen lassen vermuten, dass wir den Höhepunkt der Welle hier bereits überschritten haben. Auch in den Nachbarprovinzen stabilisiert es sich oder sinkt".

Mehr Fälle um Kapstadt und Durban

Steigende Zahlen melden allerdings die Provinzen rund um Kapstadt und Durban. Dort machen jetzt viele Südafrikaner Weihnachts- und Sommerferien im großen Familienkreis und am Strand. Groome ist dennoch optimistisch: "Wir machen das jetzt schon fast zwei Jahre mit und wissen, was funktioniert. Wir haben gesehen, dass unser Impfprogramm wirkt, das Tragen von Masken, Mindestabstand und die Begrenzung großer Zusammenkünfte."

Südafrika ist seit Beginn der Pandemie im März 2020 im Lockdown, allerdings derzeit nur auf Stufe 1, auch mit Omikron wurden die Beschränkungen, die für alle gleich gelten, nicht verschärft. Vollständig geimpft sind knapp 39 Prozent der Erwachsenen.

Über dieses Thema berichtete die ARD in der Sendung Weltspiegel am 12. Dezember 2021 um 19:20 Uhr.