Menschen im Zentrum von Ouagadougou jubeln über den Militärputsch in Mali | AP

Militärputsch in Burkina Faso "Wir haben es satt"

Stand: 25.01.2022 13:52 Uhr

Das Militär putscht in Burkina Faso - und die Menschen in dem Land jubeln. Dass die Unzufriedenheit mit der Regierung so groß war, hängt vor allem mit dem Anti-Terror-Kampf zusammen.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika

Nach stundenlangen Spekulationen war es so weit: Militärs verkündeten im Staatsfernsehen am Montagabend ihre Machtübernahme. 

Dunja Sadaqi ARD-Studio Rabat

Ein Captain namens Sidsoré Kader Ouedraogo wandte sich im Namen der "Patriotischen Bewegung für Schutz und Wiederherstellung" an die Bevölkerung und die internationale Staatengemeinschaft, um mitzuteilen: die Verfassung sei außer Kraft, die Regierung und das Parlament aufgelöst, die Landesgrenzen geschlossen - und eine nächtliche Ausgangssperre werde verhängt.

Ein Sprecher der Militärs spricht im staatlichen Fernsehen | AFP

Ein Sprecher des Militärs verkündet im staatlichen Fernsehsender RTB, dass die Regierung abgesetzt sei. Bild: AFP

Unklarheit über Kaborés Verbleib

Laut den Militärs ist die Machtübernahme "ohne Blutvergießen und ohne jegliche körperliche Gewalt" gegen Festgenommene erfolgt. Weiterhin ist unklar, wo sich Präsident Roch Marc Christian Kaboré befindet. Das Staatsfernsehen veröffentlichte eine handgeschriebenen Rücktrittserklärung.

Mit Burkina Faso gibt es ein weiteres Land in Westafrika mit einem Militärputsch - nach Staaten wie Mali, Tschad und Guinea. Dort wurde die Regierung innerhalb der vergangenen zwei Jahre gestürzt - in Mali beispielsweise auch wegen der schlechten Sicherheitslage.

Es gärte schon länger 

Seit Sonntagabend hatte es Gerüchte um einen Putschversuch gegeben. Bereits am Wochenende wurde das westafrikanische Land von Unruhen erschüttert; in mehreren Militär-Kasernen waren Schüsse gefallen, ebenso in der Nähe des Präsidenten-Sitzes. Die Regierung hatte aber einen Militärputsch bestritten.

In den Straßen von Ouagadougou feierten am Montag Hunderte die Machtübernahme der Militärs. Viele der jungen Menschen dort unterstützten die Machtübernahme, erzählten sie der französischen Nachrichtenagentur AFP. So sagte ein junger Mann, der Herzen der Demonstraten seien "bei der Armee" und kritisierte "Unsicherheit, schlechte Regierungsführung, wir haben es satt, wir haben es satt." Und, fügte er hinzu: "Wir wollen, dass es endet." 

Ein Frau pflichtete ihm bei und begründete das mit den vielen Toten im Kampf gegen Terrorgruppen. "Wir haben unsere Männer verloren, unsere Brüder, unsere Kinder verloren."

Dschihadisten auf dem Vormarsch

Dass nun einige jubeln, sei angesichts der angespannten Lage im Land verständlich, sagt Ulf Laessing, Leiter der CDU-nahen Konrad-Adenauer Stiftung im Sahel: Er beschreibt die Lage wie ein Pulverfass. Seit Monaten gebe es Putschgerüchte. Die Bürger und Soldaten seien unzufrieden, dass die Zentralregierung in Ouagadougou fast zwei Drittel des Landes nicht mehr kontrolliert.

Im Norden und im Süden des Landes hätten sich Dschihadisten festgesetzt, die ursprünglich aus Mali gekommen seien, wo die Bundeswehr im Rahmen einer UN-Mission stationiert ist. Laessing erinnert auch an Massenproteste, die im November ausgebrochen waren, nachdem mehr als 50 Militärpolizisten in einem Außenposten im Norden von Islamisten getötet worden waren. "Das war für viele wirklich das Symbol des Staatsversagens."

Die Brisanz dieser Terrorattacke im November: Die Soldaten, die dabei ums Leben kamen, hatten zuvor prekäre Arbeitsbedingungen angeprangert. Wochenlang hatten sie auf Verpflegung gewartet. Dass die Terroristen in Burkina Faso auf eine schwache Armee treffen, ist auch Schuld der Regierung - so die Kritik der Bevölkerung. 

Millionen auf der Flucht

Burkina Faso steht stellvertretend für den sich ausbreitenden Terror in der sogenannten Sahelzone. Tausende Menschen wurden getötet, Millionen sind auf der Flucht. Die Terroristen treffen in Burkina Faso auf einen schwachen Staat mit einer schlecht ausgebildeten und ausgerüsteten Armee.

Der Druck auf Präsident Kaboré war schon seit Monaten gestiegen: seit 2015 im Amt, wurde er 2020 neu gewählt mit dem Versprechen: Seine Priorität sei der Kampf gegen den Terror im Land. Trotzdem verschlechterte sich die Sicherheitslage weiter. 

Von einem Sturz der aktuellen Regierung versprechen sich deswegen viele Menschen im Land einen Neustart durch das Militär. Es ist eine verzweifelte Hoffnung.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Januar 2022 um 21:45 Uhr.