Annalena Baerbock | dpa

Baerbock warnt vor Hungerkrise "Wir werden uns nicht abwenden"

Stand: 13.04.2022 20:35 Uhr

Mit dreimal so vielen Hungernden wie vor einigen Jahren wird allein in Westafrika für die kommenden Monate gerechnet. Deutschland werde sich von dieser Krise nicht abwenden, versichert Außenministerin Baerbock bei ihrem Besuch im Niger.

Bei ihrem Besuch im westafrikanischen Niger hat Außenministerin Annalena Baerbock zum Kampf gegen eine drohende Hungerkrise aufgerufen. Ein Grund sei der Krieg in der Ukraine, der die globale Getreideversorgung gefährde: "Russlands Krieg wird auf grausame Weise ausgetragen auf den Straßen, den Städten und Dörfern der Ukraine. Aber seine Spuren des Leids reichen bis tief hinein in den globalen Süden", sagte Baerbock in einer Rede zum Thema Klima und Sicherheit an der Universität von Niamey, der Hauptstadt des Niger.

Es sei russische Strategie, "die Not in den ärmsten Ländern der Welt durch Lieferausfälle oder Lieferstopps von Nahrungsmitteln weiter anzuheizen", sagte die Grünen-Politikerin. Deshalb müssten internationale Partner die Ernährungskrise nun entschieden angehen und sich dem Hunger entgegenstellen. Auch wenn in der Nachbarschaft Deutschlands ein Krieg tobe, werde es sich nicht von den anderen Krisen dieser Welt abwenden.

Zahl hungernder Menschen könnte sich verdreifachen

Wegen der stark gestiegenen Getreidepreise würden in den kommenden Monaten rund 38 Millionen Männer und Frauen und Kinder allein in Westafrika hungern. "Das sind dreimal so viele wie noch vor drei Jahren", sagte Baerbock.

Neben dem Krieg in der Ukraine sind aber auch Dürren eine Ursache für die hohen Getreidepreise - und sie werden durch den Klimawandel häufiger, erklärte sie: Früher habe es alle zehn Jahre eine Dürre in der Region gegeben, mittlerweile aber alle zwei Jahre. Dies treibe die Lebensmittelpreise in unglaubliche Höhen und nehme den Menschen in der Sahel-Region den Raum zum Leben, sagte die Ministerin. Die Not der Menschen würde zudem durch Extremisten ausgenutzt, "um Menschen für ihre barbarischen Zwecke zu rekrutieren".

Nigrischer Forschungsminister: Klimawandel existenzielle Bedrohung

Auch der nigrische Minister für Hochschulbildung und Forschung, Mamoudou Djibo, nannte den Klimawandel eine existenzielle Bedrohung für die Lebensgrundlagen in seinem Land. Neben den Dürren veränderten sich auch Anfang und Ende der Regenzeit, der Fluss Niger versande immer mehr. Diesen Folgen des Klimawandels müsse mit intelligenten Gegenmaßnahmen begegnet werden - die Universität in Niamey habe das Thema Klimawandel und erneuerbare Energien deshalb zu einem der Schwerpunkte ihrer Forschung gemacht, sagte Djibo.

Am Donnerstag will Baerbock verschiedene Projekte im Land besuchen, etwa für Flüchtlinge und Binnenvertriebene oder zur Ernährungssicherheit. Außerdem sind weitere Gespräche, unter anderem mit Präsident Mohamed Bazoum und Außenminister Hassoumi Massoudou geplant.

Deutscher Einsatz in EU-Mission in Mali fraglich

Bevor sie nach Niger weitergereist war, hatte Baerbock Mali besucht, wo derzeit Bundeswehrsoldaten stationiert sind. Bei einem Treffen mit dem malischen Übergangs-Präsidenten Assimi Goïta und Außenminister Abdoulaye Diop in der Hauptstadt Bamako hatte sie rasche Wahlen und Reformen gefordert. Beides seien wichtige Voraussetzungen, damit Deutschland sich weiter in Mali engagieren könne: "Klar ist für uns, dass wir dringend ein klares Bekenntnis zur Demokratisierung und vor allen Dingen Wahlen brauchen", hatte sie nach dem Treffen gesagt. Außerdem müsse das Land Korruption, Justiz- und Straflosigkeit bekämpfen.

In Mali bildet die EU-Mission EUTM derzeit die Streitkräfte aus, beteiligt sind daran auch 300 deutsche Soldaten. Zusätzliche 1100 Bundeswehrsoldaten sind im Rahmen des UN-Stabilisierungseinsatzes MINUSMA im Land stationiert. Beide Mandate laufen Ende Mai aus, dann müsste der Bundestag über eine Verlängerung der Einsätze entscheiden. Baerbock hatte eine weitere deutsche Beteiligung an der EU-Ausbildungsmission in Frage gestellt, solange Mali auch eng mit russischen Akteuren zusammenarbeitet.

Mali und Niger gehören zu den ärmsten Ländern der Welt

Mali und Niger sind frühere französische Kolonien und gehören zu den ärmsten Ländern der Welt. Niger hat 23 Millionen Einwohner, das Land steht beim Index für Menschliche Entwicklung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen auf dem letzten Platz von 189 Ländern.