Regenwald im Aberdare Nationalpark in Kenia. | picture alliance / Zoonar

Bedeutung für Weltklima Afrikas Regenwälder schwinden

Stand: 14.09.2021 12:34 Uhr

Afrikanische Berg-Regenwälder speichern mehr Kohlenstoff als ursprünglich angenommen. Ihre einzelnen Bäume übertreffen dabei sogar die des Amazonas. Doch auch Afrikas Regenwälder sind gefährdet.

Von Caroline Hoffmann, ARD-Studio Nairobi

Majestätisch erhebt er sich aus der Ebene, zu seinen Füßen grasen die Elefanten. Seine weiße Kuppe ist weltberühmt: Der Kilimandscharo in Tansania ist ein Sehnsuchtsort. Viele träumen davon, einmal in ihrem Leben den Gipfel des höchsten Berges in Afrika zu erklimmen. Dabei müssten sie auch durch seinen Regenwaldgürtel steigen - doch der ist bedroht. Der tropische Bergwald schrumpft. "Der Waldverlust am Kilimandscharo beläuft sich in den letzten 140 Jahren auf rund 50 Prozent", erklärt Andreas Hemp, Biologe und Forscher an der Universität Bayreuth. Der afrikanische tropische Bergwald ist wichtig für das lokale Klima und den Niederschlag vor Ort - und weltweit gesehen als Speicher von Kohlenstoff.

Caroline Hoffmann ARD-Studio Nairobi

Lange dachte man, dieser Regenwald, wie er auch am Kilimandscharo wächst, würde weniger speichern als die Tieflandregenwälder des afrikanischen Congo-Bassins. Doch in diesem Jahr belegte ein internationales Forscherteam seine Bedeutung. Sie untersuchten 44 Bergregionen in zwölf afrikanischen Ländern. Ihr Ergebnis: Die Bergwälder speichern deutlich mehr Kohlenstoff als angenommen, im Durchschnitt knapp 150 Tonnen pro Hektar, das ist vergleichbar mit dem Tieflandregenwald Afrikas. Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC), in dessen Auftrag Wissenschaftler immer wieder den aktuellen Kenntnisstand zum Klimawandel analysieren, ging bisher von knapp 90 Tonnen aus.

Die einzelnen Bäume hier speichern damit im Durchschnitt mehr Kohlenstoff als die des Amazonas in Südamerika. "Gerade der Wald am Kilimandscharo hat viel Biomasse, weil er sehr feucht ist und die Böden sehr nährstoffreich", sagt Hemp. "Wir haben dort die höchsten Bäume Afrikas gefunden, sie sind über 80 Meter hoch."

Touristen besteigen den Kilimandscharo und bahnen sich ihren Weg durch kultiviertes Land. | picture alliance / dpa

Der Aufstieg zum Kilimandscharo ist bei Touristen beliebt, mühsam - und vermittelt eine Ahnung von der Bedrohung der Bergwälder Afrikas. Bild: picture alliance / dpa

Gefahr durch Abholzung und Brände

Doch diese Wälder sind bedroht. Seit dem Jahr 2000 gingen nach Schätzungen der Wissenschaftler rund 800.000 Hektar des alten Regenwaldes verloren. Am Kilimandscharo sind es zwei Faktoren, die von Bedeutung sind, erklärt Hemp. Zum einen Feuer, die dem Wald aufgrund des trockeneren Klimas stärker schaden als früher. Der letzte Großbrand brach im Oktober 2020 aus, die Löscharbeiten auf rund 3500 Meter gestalteten sich schwierig. Zum anderen sei es die illegale Abholzung. Deshalb sei der Kilimandscharo mittlerweile Teil des Nationalparks geworden und dadurch besser geschützt.

Der Wald ist nicht nur für die Kohlenstoff-Speicherung wichtig, er beeinflusst auch das lokale Klima. "Der Wald bedeutet Leben", sagt Hemp - "für die Tiere, die Pflanzen und den Menschen. Vor allem in Hinsicht auf das Wasser in der Region. Der Bergwald ist ein riesiger Wasserspeicher. Er speichert rund 500 Millionen Tonnen Wasser pro Jahr. Das gibt er dann in kleinen Portionen wieder ab."

Das ist entscheidend für die Menschen, die am Fuße des Berges leben. Ohne den verbleibenden Bergwald würde es um den Kilimandscharo viel trockener werden. "Der Kilimandscharo ist die Hauptwasserquelle für etwa 1,3 Millionen Menschen", sagt Neduvoto Piniel Mollel. Die tansanische Wissenschaftlerin forscht seit 20 Jahren im tropischen Regenwald und arbeitet im Nationalen Herbarium von Tansania. Außerdem sei "der Wald ein Reservoir an nützlichen Pflanzen, für Medizin, Feuerholz, Baumaterial oder Nahrung".

Die Wälder besser zu schützen, dafür brauche es "Aufforstung, ganzheitliches Wassermanagement und nachhaltige Landwirtschaft. Besonders am Fuße des Berges müssen solche Programme realisiert werden", erklärt sie. "Die Menschen vor Ort müssen über Natur- und Umweltschutz aufgeklärt werden, das sensibilisiert sie für die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen." 

Feuer auf dem Kilimandscharo (Archivbild: Oktober 2020) | picture alliance/dpa

Im Oktober 2020 lodern wieder Feuer am Kilimandscharo. Die Löscharbeiten sind hier stets besonders schwierig - wegen der Höhe, der Winde und der trockenen Vegetation. Bild: picture alliance/dpa

Die Siedlungen rücken näher

Die Luft ist kühl und feucht, weiße Flechten hängen in langen Fäden von den Bäumen. Die tiefe Stille im Wald des Aberdare National Park in Kenia wird nur vom Rauschen des Wassers unterbrochen. Doch die friedliche Atmosphäre täuscht, auch dieser Wald steht unter Druck. Die sich um das Bergmassiv überall ausbreitenden Siedlungen kommen immer näher an die Parkgrenze heran.

Hinzu kommt, dass immer wieder Menschen in den Nationalpark hinaufsteigen und illegal Holz schlagen. Diese verbleibenden Wälder und ihre Fähigkeit Kohlenstoff zu speichern, zu verstehen und sie zu bewahren, sei besonders wichtig hier in Ostafrika, da der Tieflandregenwald dort bereits verschwunden und die Bergwälder die letzten Bestände des immergrünen alten Waldes seien, sagen die Wissenschaftler in ihrer Studie.

Denn: "Die Entwaldung geht weiter", erklärt Aida Cuni-Sanchez von der Norwegian University of Life Sciences, auch sie ist Autorin der Studie. "In den geschützten Gebieten müssen die Gesetze besser durchgesetzt werden. Außerhalb dieser Gebiete könnten die Wälder davon profitieren, wenn sie von den dort lebenden Gemeinschaften verwaltet werden würden. Und die internationale Gemeinschaft muss das bessere Management dieser Wälder unterstützen." Damit sie eine Chance haben, bewahrt zu werden.