Eine Frau läuft an Soldaten in der Region Tigray vorbei | AP

Tigray-Konflikt in Äthiopien Waffenruhe - bis zum Ende der Erntezeit

Stand: 29.06.2021 11:27 Uhr

Monatelang ging Äthiopien brutal gegen die Rebellen in Tigray vor, die humanitäre Situation wurde immer dramatischer. Nun wurde eine Waffenruhe verkündet. Wohl auch wegen des wachsenden internationalen Drucks.

Von Antje Diekhans, ARD -Studio Nairobi

Videos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, sollen Jubel auf den Straßen in Tigray zeigen. Menschen schwenken Flaggen der sogenannten Volksbefreiungsfront TPLF. Sie hat offenbar wieder die Kontrolle in der Provinzhauptstadt Mekelle übernommen, nachdem die äthiopische Regierung am Abend einen Waffenstillstand verkündete.

Antje Diekhans ARD-Studio Nairobi

Der Chef der Übergangsverwaltung in Tigray sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe keinen anderen Ausweg gesehen, als die Kämpfe zu beenden. "Wir haben im Namen von Tigray und aller friedliebenden Menschen die Zentralregierung darum gebeten", so Abraham Belay. Aus Gründen der Humanität und um größere Schäden zu verhindern, brauche die Bevölkerung eine Ruhepause. Der Waffenstillstand soll bis zum Ende der Erntezeit im September gelten.

In Tigray hatten zuletzt immer mehr Menschen Hunger gelitten. Hilfslieferungen kamen häufig nicht durch, weil die Straßen blockiert waren. Die Hoffnung ist, jetzt noch rechtzeitig pflanzen zu können. "Wir befinden uns gerade in der Regenzeit", erläutert Belay. "Vergangenes Jahr haben Heuschrecken einen Großteil der Ernte zerstört. Der Rest konnte wegen des Krieges nicht geerntet werden. Wenn auch dieses Mal nichts angebaut werden könnte, wäre die Lage verheerend."

Kürzlich noch Luftangriffe der Armee

Noch vor wenigen Tagen hatte die äthiopische Armee einen Luftangriff auf einen Markt in Tigray geflogen. Etwa 50 Menschen wurden getötet und Dutzende verletzt. Insgesamt sind in dem Konflikt schon Tausende ums Leben gekommen. Die Kämpfe gingen auch dann noch weiter, nachdem Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed Ende vergangenen Jahres erklärt hatte, die TPLF sei besiegt.

Ein Berater der Volksbefreiungsfront, der frühere äthiopische Botschafter in Deutschland Fesseha Tessema, sagte dem Sender BBC, die Armee habe sich jetzt aus Tigray zurückgezogen. "In den vergangenen Tagen ist die äthiopische Armee komplett von der TPLF besiegt worden. Es ist nicht ein einziger Soldat der Armee mehr in Tigray", so Tessema.

Unklar, wie schnell sich die Lage entspannt

Wie weit solche Aussagen zutreffen, lässt sich schwer überprüfen. Fest steht, dass Ministerpräsident Abiy Ahmed zuletzt international immer stärker unter Druck stand. Der Friedensnobelpreisträger verspielte mit dem harten Vorgehen in Tigray seinen Ruf. Auf Seiten der Armee kämpften dort auch Soldaten aus dem Nachbarland Eritrea und Truppen aus der an Tigray grenzenden Region Amhara.

Weil sie bisher nicht abgezogen seien, könne es keinen Frieden geben, erklärt Tessema. Der Krieg gehe weiter, "bis auch sie vertrieben sind und Tigray endgültig verlassen".

UN-Generalsekretär António Guterres teilte mit, er sei nach einem Gespräch mit Abiy voller Hoffnung, dass es zu einem Ende der Feindseligkeiten komme. Doch ob sich die Lage tatsächlich entspannt, wird jetzt vom weiteren Vorgehen der TPLF und der übrigen Truppen in der Region abhängen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juni 2021 um 12:00 Uhr.

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