Bewaffnete Tigray-Rebellen auf einem Lastwagen | dpa

Vormarsch der Tigray-Kämpfer Äthiopien ruft Ausnahmezustand aus

Stand: 02.11.2021 19:02 Uhr

Im bewaffneten Konflikt in Äthiopien drohen die Tigray-Rebellen mit dem Vormarsch auf die Hauptstadt Addis Adeba. Die Behörden riefen die Bürger der Stadt an die Waffen. Die Regierung verhängte landesweit den Ausnahmezustand.

In Äthiopien droht sich der Konflikt der Regierung mit der Rebellengruppe TPLF aus der Unruhe-Region Tigray auf den Rest des Landes auszuweiten. Die Regierung in Addis Abeba rief angesichts des Vormarschs der TPLF einen landesweiten Ausnahmezustand aus. Er soll für sechs Monate gelten.

Er ermöglicht unter anderem die Errichtung von Straßensperren, die Unterbrechung der Verkehrs- und Kommunikationsverbindungen sowie die Übernahme der Verwaltung durch das Militär in bestimmten Bereichen, wie der Ministerrat erklärte.

Vor etwa einem Jahr brachen in der Region Tigray Kämpfe zwischen Truppen der von der TPLF geführten Regionalregierung und der Zentralregierung unter Ministerpräsident Abiy Ahmed aus. Die Regionalregierung wurde zunächst vertrieben, die TPLF konnte aber die Kontrolle weitgehend zurückgewinnen und rückte in Nachbarregionen vor.

Die TPLF hatte zuletzt die Einnahme zweier strategisch wichtiger Städte gemeldet und mit einem Vormarsch auf die Hauptstadt Addis Adeba gedroht.

Die Hauptstadtbehörden riefen zur Verteidigung von Addis Abeba auf. Die Menschen sollten innerhalb der nächsten zwei Tage Schusswaffen polizeilich registrieren lassen. Bereits gestern hatte Abiy die Bevölkerung zur Gewalt gegen die Rebellen aufgerufen.

Humanitäre Lage könnte sich verschlechtern

Die USA warnten vor einer weiteren Verschlechterung der humanitären Situation. Ein möglicher Vormarsch der TPLF auf Addis Abeba sei inakzeptabel, sagte der Sonderbeauftragte der USA für die Region, Jeffrey Feltman.

Durch den Konflikt wurde eine humanitäre Krise ausgelöst. UN-Schätzungen zufolge leben etwa 400.000 Menschen in Tigray in einer Hungersnot. Rund 5,2 Millionen Menschen brauchen humanitäre Hilfe, um zu überleben. In den Regionen Afar und Amhara haben demnach 1,7 Millionen Menschen nicht genug zu essen.

USA drohen mit Beendigung von Handelsabkommen

Angesichts der Entwicklung in dem Land drohten die USA mit der Kündigung eines wichtigen Handelsabkommen. US-Präsident Joe Biden informierte den Kongress in einem vom Weißen Haus veröffentlichten Schreiben über seine Pläne, die er mit anhaltenden Menschenrechtsverstößen in Äthiopien begründete.

Sollte es bis zum Beginn des neuen Jahres keine Besserung geben, könnte der Rausschmiss aus dem Agoa-Programm folgen. Es steht für African Growth and Opportunity Act und garantiert vielen afrikanischen Staaten zollfreien Zugang für Tausende Waren in den US-Markt. Für Äthiopien hat das Abkommen einen hohen ökonomischen Stellenwert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. November 2021 um 05:41 Uhr.