Ägyptische Fußballfans beim Auftakt des Afrika-Cups | Bildquelle: AP

Ägypten und der Afrika-Cup "Für uns ist es das Leben"

Stand: 22.06.2019 09:56 Uhr

Der Auftakt bei Afrika-Cup war schon mal ein Erfolg: 1:0 besiegte Ägyptens Nationalelf die Simbabwer. Für die fußballfanatischen Gastgeber geht es bei diesem Turnier um mehr als Sport.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

"Ägypten - Mutter der Welt, Land der Zivilisationen": Mit einem Popsong begrüßt das Innenministerium Spieler und Fans aus ganz Afrika. Zum fünften Mal richtet Ägypten das Turnier aus. Die Vorbereitungen machte die Regierung zur Chefsache. Sie hofft auf ein reibungslos verlaufendes Fußballfest, auf ein perfekt organisiertes Turnier, ausgetragen in Stadien mit Weltstandard.

Dabei geht es um nichts Geringeres als das Image des Landes. Bei einem Besuch bei der "Pharaonen-Elf" ermahnte Präsident Abdel Fattah al-Sisi die Spieler:

"Wichtiger als das Fußballspiel ist für mich und alle Ägypter, wie wir uns den Ägyptern und allen Zuschauern auf der ganzen Welt präsentieren. Alle Spiele werden gespielt und gehen vorbei. Was aber bleibt, ist der gute Eindruck, den ihr bei allen Jugendlichen in eurem Alter hinterlasst, für die ihr Vorbild seid. Daher müsst ihr auf euer Verhalten sehr achten."

Ägyptische Spieler bejubeln einen Treffer gegen Simbabwe | Bildquelle: KHALED ELFIQI/EPA-EFE/REX
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Mahmoud Trezeguet erzielte in der 41. Minute den einzigen Treffer für den siebenmaligen Afrika-Champion.

Zuschlag erst im Januar erhalten

Erst im Januar hatte Ägypten den Zuschlag erhalten, als Ausrichter einspringen zu können, für Kamerun, das bei der Infrastruktur in Verzug geraten war. In Rekordzeit mussten also die sechs Spielstätten renoviert werden, erläutert Enas Mashar - sie ist die bekannteste Sportjournalistin des Landes und im Organisationskomitee für Medienarbeit zuständig: Spielfelder, Kabinen, Licht - alles sei erneuert oder renoviert worden. Das Land habe eine starke Infrastuktur, das habe geholfen. Man habe also nicht bei Null anfangen müssen.

Eine Herausforderung war es dennoch: Denn erstmals spielen nicht 16, sondern 24 Mannschaften in der Afrika-Endrunde, in sechs Gruppen zu je vier Teams und in vier Städten: Alexandria, Suez und in Ismailia. Kairo ist sogar Gastgeber von drei Gruppen. Mashar spricht von "Weltklasse-Stadien, in jeder Hinsicht, sie sehen großartig aus". Damit könne sich Ägypten sogar um die Weltmeisterschaft bewerben.

Außerdem wird jede Elf sogar ihr eigenes Trainingsstadion haben. Die Mannschaftshotels liegen jeweils ganz in der Nähe.

Selbst das billigste Ticket unbezahlbar

Die Tickets gibt's nur online, mit einem System, das man sich bei den Russen abgeguckt hat. Das soll lange Schlangen vermeiden, einen Schwarzmarkt verhindern und für Sicherheit sorgen. Doch das billigste Ticket für die Spiele mit ägyptischer Beteiligung kostet umgerechnet zehn Euro, für viele Ägypter unbezahlbar.

Vielerorts im Land gibt es laut Regierung Zonen fürs Public Viewing. Und in den zahllosen Cafés und Teeshops überall hängen meist ohnehin Fernseher, die nonstop Fußball zeigen.

Ägyptische Fans | Bildquelle: AP
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Größtes Sportidol des Landes ist ganz klar Mohammed "Mo" Salah vom Champions-League-Sieger Liverpool.

Al-Ahly oder Zamalek - eine wirklich wichtige Frage

Für die Ägypter ist Fußball weit mehr als nur die schönste Nebensache der Welt, sagt Sportjournalistin Enas Mashar: Fußball sei schlicht ihr Leben. Nichts ist wichtiger als beispielweise die uralte Rivalität zwischen den Kairoer Clubs Al-Ahly und Zamalek:

"Wenn jemand um die Hand einer Frau anhält, geht er zu ihrem Vater, und der fragt ihn: 'Was arbeitest du, hast du eine Wohnung', das ist immer so. Und er fragt ihn: 'Bist du für Al-Ahly oder für Zamalek?' Die Frau wird ihren Verehrer vielleicht sogar gewarnt haben: 'Sag' meinem Vater nicht, dass Du für Al-Ahly - oder für Zamalek - bist! Das gefällt ihm dann gar nicht!' Also, das ist eine ganz wichtige Frage!"

Dürfen die Fans wieder in die Stadien?

Vor sieben Jahren schlugen die Emotionen in Gewalt um. Bei Zusammenstößen im Stadion von Port Said kamen rund 70 Menschen ums Leben. Seitdem werden alle Liga-Spiele vor leeren Rängen ausgetragen. Die Fans hoffen, dass sich das nach dem Afrika-Cup ändert. Die gute Organisation des Cups und die Rückkehr der Fans in die Stadien öffneten die Tür dafür, dass die Fußballanhänger auch in der Liga in die Stadien zurückkommen können, sagt Expertin Mashar.

Bereits sieben Mal holte Ägypten den Kontinentaltitel. Jetzt könnten es die "Pharaonen" zum achten Mal packen. Schließlich führt sie Stürmer-Star Mohammed Salah an: "Mohammed Salah ist unser Stolz", schwärmt Mashar. In der englischen Premier League wurde er zum zweiten Mal in Folge Torschützenkönig: "Deshalb sind die Ägypter und alle Araber stolz auf ihn."

Ägypten hofft auf glanzvollen Afrika-Cup
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
22.06.2019 10:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juni 2019 um 22:55 Uhr in der Sendung "Sport Aktuell".

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