Bundeswehrsoldat in Kundus/Afghanistan | null

Angreifer schießt in deutschem Außenposten um sich Drei Bundeswehrsoldaten getötet

Stand: 18.02.2011 22:41 Uhr

Nach dem Angriff in einem Außenposten der Bundeswehr in Nordafghanistan ist ein dritter Bundeswehrsoldat seinen Verletzungen erlegen. Der 21-jährige Hauptgefreite sei im Rettungszentrum des Feldlagers in Masar-i-Scharif gestorben, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam. Beim schlimmsten Angriff seit fast einem Jahr sind damit drei deutsche Soldaten getötet worden, zwei weitere schweben noch in Lebensgefahr. Ein Mann in afghanischer Armeeuniform hatte in dem Lager um sich geschossen. Dort hatte der Minister von Mittwoch auf Donnerstag übernachtet.

Kai Küstner

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Es war offenbar ein Afghane, der in dem Außenposten der Bundeswehr in der Provinz Baghlan das Feuer auf die Soldaten eröffnete. Der Provinz-Gouverneur bestätigte dem ARD-Hörfunkstudio Südasien, dass sich das Gefecht im Lager selbst zutrug. Nach Angaben der internationalen Schutztruppe ISAF trug der Angreifer eine Uniform der afghanischen Armee.

Noch nicht endgültig geklärt ist aber, ob der Mann tatsächlich Soldat war oder die Uniform anlegte, um unbemerkt und bewaffnet ins Lager gelangen zu können. Ein Sprecher der Taliban bestritt, dass einer ihrer Kämpfer für die tödlichen Schüsse verantwortlich sei. In den vergangenen Monaten waren wiederholt ISAF-Soldaten den Kugeln vermeintlich befreundeter Afghanen zum Opfer gefallen.

Provinz gilt als Taliban-Hochburg

Die ehemals so ruhige Provinz Baghlan gilt neben Kundus nun als eine der gefährlichsten im Einsatzgebiet der Bundeswehr - und als Taliban-Hochburg. Insgesamt fünf deutsche Soldaten kamen hier bei Gefechten und Anschlägen im vergangenen Jahr ums Leben. Im April 2010 waren in Baghlan innerhalb weniger Stunden vier deutsche Soldaten getötet worden Drei von ihnen starben, als beim Passieren einer Brücke ein Sprengsatz ihr gepanzertes Fahrzeug zerriss. Durch die Provinz verläuft eine der Hauptversorgungsadern der NATO-Truppen, die Nordafghanistan mit der Hauptstadt Kabul verbindet. Auch deshalb haben die Aufständischen ein Interesse daran, hier an Einfluss zu gewinnen.

Gleich mehrere extremistische Gruppen sind in der Region aktiv: Taliban-Kämpfer hatten sich etwa im vergangenen Jahr heftige Gefechte mit Milizen eines anderen islamistischen Anführers, des Warlords Gulbuddin Hekmatyar, um die Vorherrschaft in Baghlan geliefert.

Minister nächtigt im Kampfgebiet

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte von Mittwoch auf Donnerstag in dem Außenposten übernachtet. Hier sind rund 600 Deutsche stationiert. Das Camp, das sich auf einer Anhöhe befindet, war auch deshalb eingerichtet worden, um von hier aus Operationen gegen die Taliban in der Region starten zu können. Erstmals überhaupt blieb Guttenberg eine ganze Nacht im Kampfgebiet.

Das als OP North bekannte Lager hatte zuletzt für Schlagzeilen gesorgt, weil hier im Dezember vergangenen Jahres ein deutscher Soldat durch den tödlichen Schuss eines Kameraden ums Leben gekommen war. Der genaue Hergang ist noch unklar und wird staatsanwaltschaftlich untersucht. Der Verteidigungsminister war wegen seiner Informationspolitik in dem Fall unter Druck geraten.

Taliban auf dem Rückzug

Insgesamt hatte sich die Sicherheitslage in Nordafghanistan, also im Einsatzgebiet der Bundeswehr, zuletzt spürbar verbessert. Was Beobachter auch auf die verstärkte Anwesenheit von US-Truppen zurückführen. So haben die Taliban derzeit in der Provinz Kundus keine Gebiete mehr unter ihrer Kontrolle. Ob sich die Lage nachhaltig gebessert habe, werde sich jedoch erst nach Ende des afghanischen Winters sagen lassen, hatten Militärs immer wieder betont. Traditionell macht es das Wetter den Extremisten schwerer, über die Wintermonate Wirkung zu entfalten.