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Angriff der Taliban in Afghanistan Drei Bundeswehrsoldaten bei Gefechten getötet

Stand: 02.04.2010 21:53 Uhr

In Afghanistan sind bei den schweren Gefechten in der Provinz Kundus drei Bundeswehrsoldaten getötet und acht verletzt worden. Dies teilte das Einsatzführungskommando in Potsdam mit. Die Verwundeten würden derzeit in den Bundeswehrcamps in Kundus und Masar-i-Sharif medizinisch betreut. Sie sollen heute nach Deutschland gebracht werden.

Die Kämpfe im Unruhedistrikt Char Darah südwestlich von Kundus-Stadt begannen gegen 14.00 Uhr Ortszeit (11.30 Uhr MESZ). Nach Angaben eines Sprechers wollte eine Bundeswehr-Patrouille das Gebiet nach versteckten Sprengstoff-Fallen absuchen, als sie von radikalislamischen Taliban angegriffen wurden. Wie viele Kämpfer der Taliban daran beteiligt waren, teilte er nicht mit.

Merkel spricht ihr Mitgefühl aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte bestürzt. Es handele sich um einen "verabscheuungswürdigen und hinterhältigen Angriff". Merkel betonte: "Mein Mitgefühl gilt in diesen schweren Stunden vor allem den Angehörigen der ums Leben gekommenen und verwundeten Soldaten. Ich trauere mit ihnen um die Opfer."

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg reagierte "mit großer Betroffenheit" auf den Tod der Soldaten. "Ich bin in Gedanken und Gebeten bei den Soldaten und ihren Familien. Angesichts von Gefechten dieses Ausmaßes wird deutlich, wie gefährlich der gleichwohl notwendige Einsatz in Afghanistan ist", erklärte der CSU-Politiker nach Angaben seines Ministeriums. Guttenberg habe seinen Urlaub unterbrochen und werde über die Entwicklung laufend informiert, teilte ein Sprecher mit. Außenminister Guido Westerwelle verurteile den Angriff, der sich nicht nur gegen deutsche Soldaten richte, sondern auch gegen das ganze afghanische Volk. Er sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Gefährlichster Distrikt in Kundus

Der Verwaltungschef des Bezirks südwestlich von Kundus, Abdul Wahid Omarchel, sagte, an dem Gefecht seien etwa 200 Taliban beteiligt gewesen. Da sie sich in Wohnhäusern verschanzt hätten, habe die Bundeswehr keine schweren Waffen einsetzen können. Dorfbewohner berichteten von zahlreichen zerstörten Häusern.

Char Darah gilt als gefährlichster der sechs Distrikte in der nordafghanischen Provinz Kundus. Bereits im vergangenen Jahr hatte es in dem Distrikt eine große deutsch-afghanische Offensive gegeben, um die radikalislamischen Taliban zurückzudrängen. Im Norden Afghanistans sind derzeit etwa 4300 deutsche Soldaten stationiert. Das Mandat zieht eine Obergrenze von 5350 Soldaten, wovon 350 als Reserve dienen.