US-Soldaten machen sich in Kundus zum Abflug in einem Hubschrauber vom Typ UH-60 Blackhawk bereit. | dpa

Nach Truppenabzug NATO untersucht Afghanistan-Einsatz

Stand: 11.09.2021 09:02 Uhr

Der Afghanistan-Einsatz soll nach Angaben des NATO-Generalsekretärs in einer Untersuchung aufgearbeitet werden, aus der das Bündnis Lehren ziehen will. Ähnliche Militäreinsätze schloss Stoltenberg für die Zukunft nicht aus.

Die NATO hat nach Angaben von Generalsekretär Jens Stoltenberg eine umfassende Untersuchung zum desaströs geendeten Afghanistan-Einsatz eingeleitet. "Die Ereignisse der letzten Wochen waren tragisch für die Afghanen und erschütternd für alle, die sie unterstützen", schrieb Stoltenberg in einem Gastbeitrag für die "Welt am Sonntag". Es gebe viele schwierige Fragen bezüglich des NATO-Engagements, die man sich nun ehrlich stellen müsse. "Wir müssen Lehren daraus ziehen."

Der Kampfeinsatz in Afghanistan sei "ein langer und schwieriger Einsatz, der mit vielen Opfern und hohen Kosten verbunden war", gewesen, schrieb Stoltenberg. Zugleich sei es gelungen, das Terrornetzwerk Al-Kaida "erheblich zu schwächen und zu verhindern, dass Afghanistan als Ausgangsbasis für Terroristen dient, die uns dann angreifen". Seit dem 11. September "hat es keine in Afghanistan organisierten Terrorangriffe mehr in unseren Heimatländern gegeben."

Trotz der dramatischen Entwicklungen am Hindukusch hält Stoltenberg aber auch in Zukunft ähnliche Militäreinsätze des westlichen Bündnisses für sinnvoll. "Afghanistan wird nicht die letzte Krise sein, in der Nordamerika und Europa gemeinsam, mithilfe der NATO, handeln müssen", erklärte der Generalsekretär. Militäreinsätze seien "grundsätzlich das letzte Mittel, manchmal aber doch die einzig vernünftige Antwort".

"NYT" zweifelt Version der US-Armee zu Drohnenangriff an

Dabei ist der US-Armee noch in den letzten Tagen des Afghanistan-Einsatzes nach Informationen der "New York Times" offenbar ein tödlicher Fehler unterlaufen. Demnach wurde beim Drohnenangriff am 29. August in Kabul nach Recherchen der Zeitung nicht ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug getroffen, sondern ein mit Wasserkanistern gefüllter Wagen eines Mitarbeiters einer Nichtregierungsorganisation (NGO). Die Zeitung beruft sich auf eine Auswertung von Aufnahmen aus Überwachungskameras berichtete.

Laut "NYT" arbeitete Esmarai Ahmadi, der Fahrer des Autos, als Ingenieur für die in Kalifornien ansässige NGO Nutrition and Education International (dt. Ernährung und Bildung International). Auf den Aufnahmen sei zu sehen, wie er und ein Kollege den Wagen mit Wasserkanistern beluden. Pentagon-Sprecher John Kirby sagte der "NYT" auf Anfrage, die Ermittlungen würden fortgesetzt. Er versicherte, dass "kein Militär der Welt so sehr darauf bedacht ist, zivile Opfer zu vermeiden (wie die USA)". Der Angriff habe auf "guten" Geheimdienst-Erkenntnissen basiert, "und wir glauben weiterhin, dass damit eine unmittelbare Bedrohung des Flughafens verhindert wurde".

Laut den US-Streitkräften galt der Drohnenangriff einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat", das eine unmittelbare Bedrohung für den Flughafen von Kabul dargestellt habe. Sie räumten den Tod von drei Zivilisten ein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. September 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.