Bewaffnete Taliban kontrollieren den Bereich um eine Moschee in Kandahar. | EPA

Afghanistan IS bekennt sich zu Anschlag auf Moschee

Stand: 02.11.2021 13:11 Uhr

Aus Afghanistan wird erneut eine Attacke auf eine Moschee gemeldet. Mehr als 30 Menschen kamen bei Explosionen in dem schiitischen Gotteshaus in Kandahar zu Tode. Dutzende wurden verletzt.

Bei mehreren Explosionen in einer schiitischen Moschee in der afghanischen Stadt Kandahar sind mindestens 32 Menschen getötet worden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Bachtar mitteilte. Zudem gebe es mindestens 68 Verletzte. Andere Quellen berichteten sogar von mindestens 40 Toten.

Der genaue Tathergang ist noch unklar. Arif Rahmani, ein Schiit und früheres Mitglied eines afghanischen Regionalparlaments, schrieb auf Twitter, von fünf Selbstmordattentätern hätten es drei in die Moschee geschafft und sich nacheinander inmitten von Betenden in die Luft gesprengt. Eine Augenzeugin sagte, drei Männer seien ursprünglich in die Tat verwickelt gewesen. Zwei seien in die Moschee eingedrungen, ein dritter sei von einem Wachmann getötet worden.

Bisher kein Bekenntnis

Die seit Mitte August in Afghanistan herrschenden radikal-islamischen Taliban sprachen von einem "großen Verbrechen" und verurteilten den Anschlag. Die Urheber würden zur Rechenschaft gezogen, hieß es. Spezialkräfte seien vor Ort, um die Art der Detonation zu untersuchen. Bislang habe sich keine Gruppierung zu der Explosion bekannt. Die Fatemieh-Moschee wird von der schiitischen Minderheit besucht, die häufig Ziel der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) ist.

Zweiter Vorfall binnen einer Woche

Erst am vergangenen Freitag waren bei einem Anschlag auf eine Moschee der schiitischen Minderheit in der Stadt Kundus im Norden Afghanistans mehr als 40 Menschen getötet und mehr als 140 verletzt worden. Die mit den herrschenden Taliban verfeindete sunnitische Terrormiliz IS reklamierte den Anschlag für sich. Sunnitische Extremisten werfen schiitischen Muslimen vor, sie seien vom rechten Glauben abgefallen.

Mit den ebenfalls sunnitischen Taliban ist der IS trotz großer ideologischer Nähe verfeindet. Die Taliban haben den IS seit dessen Auftauchen in Afghanistan Anfang 2015 bekämpft. Der IS hatte bereits in der Vergangenheit schiitische Muslime und deren Einrichtungen in Afghanistan angegriffen. Attacken gab es vor allem in der Hauptstadt Kabul sowie in den östlichen Provinzen Nangarhar und Kunar. Zuletzt reklamierte der IS unter anderem einen verheerenden Anschlag Ende August am Flughafen Kabul während der noch laufenden internationalen militärischen Evakuierungsmission für sich. Damals starben nach Medienberichten fast 200 Menschen.

Machtübernahme der Taliban im August

Mitte August haben die Taliban die Macht in Afghanistan militärisch übernommen. Armee und Polizei zerfielen, Vertreter der Regierung flohen. Die Islamisten riefen eine Regierung aus. Diese sieht sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert, darunter, für Sicherheit im Land zu sorgen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Oktober 2021 um 14:00 Uhr.