Soldaten der Bundeswehr besteigen ein Flugzeug in Masar-i-Scharif, Afghanistan. | dpa

Ende der Afghanistan-Mission Bundeswehr fliegt letzte Soldaten aus

Stand: 30.06.2021 03:20 Uhr

Die Bundeswehr hat ihren Einsatz in Afghanistan beendet. Die letzten Soldatinnen und Soldaten haben das Einsatzgebiet verlassen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Damit endet die Mission nach 20 Jahren.

Die Bundeswehr hat ihren vor fast 20 Jahren begonnenen Einsatz in Afghanistan beendet. Die letzten verbliebenen deutschen Soldatinnen und Soldaten der NATO-Mission "Resolute Support" wurden von der Luftwaffe aus dem Feldlager "Camp Marmal" in Masar-i-Scharif ausgeflogen, teilte das Bundesverteidigungsministerium mit.

An Bord der Flugzeuge waren nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa auch die zur Absicherung des Lagers in den Norden Afghanistans verlegten Mitglieder des Kommandos Spezialkräfte (KSK). Nach einem Zwischenstopp in der georgischen Hauptstadt Tiflis werden die Maschinen am Vormittag am Luftwaffenstützpunkt Wunstorf, unweit von Hannover, erwartet.

"Ein historisches Kapitel geht zu Ende"

"Nach fast 20 Jahren Einsatz haben heute Nacht die letzten Soldatinnen und Soldaten unserer Bundeswehr Afghanistan verlassen. Sie sind nun auf dem Weg nach Hause", erklärte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die derzeit in den USA zu Besuch ist.

Mit dem Abzug gehe ein historisches Kapitel zu Ende, ein intensiver Einsatz, der die Bundeswehr gefordert und geprägt und in dem sich die Truppe im Kampf bewährt habe. "Ein Einsatz, bei dem Angehörige unserer Streitkräfte an Leib und Seele verletzt wurden, bei dem Menschen ihr Leben verloren haben, bei dem wir Gefallene zu beklagen hatten", so Kramp-Karrenbauer. "Meine Gedanken sind bei ihnen, sie bleiben unvergessen."

In den vergangenen knapp 20 Jahren waren etwa 150.000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr am Hindukusch im Einsatz, viele von ihnen mehrfach. 59 deutsche Soldaten kamen in dem Land ums Leben, 35 von ihnen wurden im Gefecht oder durch Anschläge getötet.

Schneller Truppenabzug

Die Bundeswehr hatte den Abzug zuletzt deutlich vorantreiben müssen, nachdem die US-Regierung unter Präsident Joe Biden den Abzug beschleunigt hatte. Die USA als größter Truppensteller hatten sich zunächst auf einen Abzug bis zum 11. September festgelegt, dem 20. Jahrestag der Terroranschläge des islamistischen Netzwerks Al-Kaida in den USA. Nun wurde auf einen Abzug bis zum 4. Juli - dem US-Nationalfeiertag - gedrängt.

In Afghanistan hat sich die Sicherheitslage mit Beginn des Abzugs der internationalen Truppen zugespitzt. Seit 1. Mai haben die militant-islamistischen Taliban etwa 90 der rund 400 Bezirke des Landes neu erobert, auch in den ehemaligen Einsatzgebieten der Bundeswehr im Norden. Unklar blieb bis zuletzt, ob es zu einem Angriff auf das Feldlager kommen würde. Die Bundeswehr hatte Verstärkung in das Lager gebracht.

Landeskenner warnen, die Taliban könnten das Land wieder in einen blutigen Bürgerkrieg stürzen. Und damit alle Fortschritte der vergangenen 20 Jahre zunichte machen.

Erstes Afghanistan-Mandat im Dezember 2001

Für die Bundeswehr bedeutete der Einsatz in Afghanistan ein neues Kapitel. Er begann nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und zur militärischen Unterstützung der USA.

Der Bundestag hatte am 22. Dezember 2001 das erste Afghanistan-Mandat verabschiedet. Im Januar 2002 trafen die ersten Kräfte in der Hauptstadt Kabul ein. "Am 14. Januar 2002 beteiligten sich erstmals deutsche Soldaten an einer Patrouille in der kriegszerstörten Stadt", erklärte die Bundeswehr rückblickend.

Deutschland war im Norden Afghanistans Führungsnation und in dieser Rolle bis zuletzt bei der NATO-Ausbildungsmission "Resolute Support" engagiert. Die Opposition und auch die Wehrbeauftragte Eva Högl haben wiederholt eine Überprüfung des Einsatzes gefordert, um erreichte Fortschritte und Misserfolge besser zu verstehen und Schlussfolgerungen für künftige und laufende Einsätze zu ziehen.

Insider: Auch US-Truppenabzug nahezu abgeschlossen

Auch die USA haben Insidern zufolge fast alle ihre Truppen aus Afghanistan abgezogen. Das US-Militär werde in wenigen Tagen den Rückzug abgeschlossen haben, weit vor der von Präsident Joe Biden gesetzten Frist vom 11. September, sagten mit der Angelegenheit vertraute US-Beamte der Nachrichtenagentur Reuters. Der Abzug der Truppen und Ausrüstung schließe nicht die Sicherheitskräfte ein, die zum Schutz der Diplomaten in der US-Botschaft und möglicherweise zur Sicherung des Flughafens in Kabul verbleiben werden. Die Beamten sprachen in dem Zusammenhang von rund 650 Soldaten.

Das Pentagon erklärte, dass der US-Abzug nicht unbedingt das Ende der NATO-Mission 'Resolute Support' in Afghanistan bedeute, verwies aber auf weitere Anfragen an die NATO.

Mit Informationen von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juni 2021 um 23:00 Uhr.