Usbekistan, Taschkent: Ankunft eines Airbus A400M der Bundeswehr mit Schutzbedürftigen aus Kabul. | dpa

Evakuierungsmission in Afghanistan Bundeswehr-Luftbrücke könnte Freitag enden

Stand: 25.08.2021 09:25 Uhr

Nach ARD-Informationen könnte die Luftbrücke aus Kabul bereits am Freitag enden. Angesichts der chaotischen Situation kritisierte der Bundeswehrverbandschef die Politik scharf und forderte, "aus diesem Fiasko" Lehren zu ziehen.

Die Evakuierungsflüge der Bundeswehr nach Kabul könnten bereits am Freitag oder am Samstag enden. Das haben Bundeswehr und Auswärtiges Amt übereinstimmend gegenüber der ARD in der usbekischen Hauptstadt Taschkent erklärt. In Taschkent landen alle Maschinen zwischen, die Menschen aus Kabul nach Deutschland bringen. Derzeit seien Flüge nur noch bis Freitag geplant.

Unions-Außenpolitiker wollten den Termin nicht bestätigen. Weder der Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter, noch der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, wollten sich in der ARD zu einem Datum äußern. "Es bleibt unser Ziel, diese Operation möglichst lange durchzuführen, um möglichst viele Personen in Richtung Usbekistan zu evakuieren", sagte Hardt im SWR.

Wüstner: "Aktuell können wir nicht jedem helfen"

Bei der Evakuierungsmission spürt die Bundeswehr den Druck, der vom Festhalten der USA am Abzugsdatum 31. August ausgeht. Mit dem Abzug der internationalen Truppen hat der gefährlichste Teil der Mission begonnen. Die Zahl der Soldaten, die den Flughafen schützen, wird geringer. Gleichzeitig steigt die Verzweiflung der Menschen, die noch auf eine Rettung vor den Taliban hoffen.

"Das wird noch einmal den Druck erhöhen", sagte der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes André Wüstner im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Er wies auch darauf hin, dass in der von den militant-islamischen Taliban übernommenen Hauptstadt auch andere Terrorgruppen zunehmend aktiv seien. Sie würden sicher versuchen, "nochmal auf sich aufmerksam zu machen", wie er sagte.

Die Europäer merkten nach Wüstners Aussage, dass sie nun kleinere Truppenteile für den Abzug vorbereiten müssten. Auch die Bundeswehr plane Optionen für einen schnellen Abzug. Sie müsse nun sehen, dass sie über den Flughafen noch so viele einheimische Helfer der Deutschen mit ihren Angehörigen herausbringe wie möglich und dass die Soldaten heil zurückkämen. Danach müsse man sehen, dass man über Land, beispielsweise über die Nordgrenze, noch Leute herausbringe. Gleichzeitig stellte Wüstner aber auch klar: "Wir wissen: Aktuell können wir nicht jedem helfen." Alle Versprechen werde man nicht halten können.

Bundeswehr fliegt mehr als 4600 Menschen aus

Wüstner forderte, "aus diesem Fiasko" Lehren zu ziehen. Europa sei nicht handlungsfähig. Ohne die USA im Rücken sei "deutsche Politik, europäische Politik, nur Beobachter großer und tragischer Ereignisse". In der nächsten Regierung müsse man sich Gedanken machen, wie man selbst eigene militärische Handlungsoptionen entwickelt. "Und das bedeutet natürlich auch, endlich mal Worten auch Taten folgen zu lassen und Militär entsprechend zu befähigen."

US-Präsident Joe Biden will am Abzug der US-Truppen bis kommenden Dienstag festhalten, obwohl noch viele Tausend Afghanen auf eine Ausreise hoffen. Die Verbündeten sind auf die Sicherung des Flughafens durch US-Kräfte angewiesen. Zuletzt hatte die Bundeswehr an einem Tag mit fünf Maschinen insgesamt 983 Personen aus Kabul ausgeflogen. Seit Beginn der Luftbrücke wurden 4654 Menschen außer Landes gebracht.

Mit Informationen von Uli Hauck, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. August 2021 um 06:46:00 Uhr sowie die tagesschau um 09:00 Uhr.