Eine Frau gibt bei der Präsidentschaftswahl in Afghanistan ihre Stimme ab. | Bildquelle: JAWAD JALALI/EPA-EFE/REX

Präsidentschaft in Afghanistan Nur jeder Fünfte ging zur Wahl

Stand: 30.09.2019 09:11 Uhr

Zehn Millionen registrierte Wähler, aber nur zwei Millionen abgegebene Stimmen: Die Wahlbeteiligung in Afghanistan ist sehr gering ausgefallen. Es gab 260 Anschläge auf Wahllokale - mit 29 Toten.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Während in den Wahllokalen in Kabul gestern die Wahlkabinen abgebaut und die leeren Plastikkisten abgeholt wurden, die bei der Präsidentschaftswahl als Wahlurnen dienten, hat die Auszählung begonnen.

Über 2,1 Millionen Wähler gaben am Samstag laut Wahlkommission ihre Stimme ab. Das wurde auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben, die im afghanischen Fernsehen übertragen wurde. Fast zehn Millionen Menschen hatten sich als Wähler registrieren lassen.

29 Tote durch Anschläge

Ausgezählt wurden bislang landesweit fast 3800 Wahllokale. Von mehr als 780 Wahllokalen fehlen noch die Stimmzettel. "Das Einsammeln der Wahlunterlagen aus den Wahlzentren hat ordnungsgemäß begonnen. Die Wahlurnen und die biometrischen Geräte werden jetzt alle in unser Hauptquartier gebracht", sagte der Sprecher der Wahlkommission, Abdul Aziz Ibrahimi.

Wahlhelfer im afghanischen Kandahar stapeln Kartons, in denen sich Wahlzettel befinden. | Bildquelle: MUHAMMAD SADIQ/EPA-EFE/REX
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"Das Einsammeln der Wahlunterlagen aus den Wahlzentren hat ordnungsgemäß begonnen", sagt der Sprecher der Wahlkommission.

Wie der afghanische Fernsehsender TOLO News berichtete, gab es am Wahltag mehr als 260 kleinere Anschläge auf Wahllokale im ganzen Land. Dabei seien 20 Sicherheitskräfte und neun Zivilisten getötet worden. Offizielle Zahlen liegen noch nicht vor. Ein großer Anschlag, wie ihn die Taliban angedroht hatten, blieb aber aus. Mehr als 70.000 Soldaten und Polizisten waren im Einsatz, um für Sicherheit zu sorgen.

Wahlergebnis Mitte Oktober erwartet

Bis zum 18. Oktober soll das Ergebnis der ersten Runde der Präsidentschaftswahl vorliegen. Viele Afghanen hoffen auf eine ordnungsgemäße Auszählung, ohne Wahlbetrug, was bei früheren Wahlen in Afghanistan immer wieder vorgekommen sein soll. "Wir verlangen von der Regierung, dass sie Wahlbetrug unterbindet. Davon gab es in der Vergangenheit schon genug", sagt Wähler Gulam Esaaq.

Ähnlich äußert sich auch der Wähler Haji Anwar: "Die Wahlkommission sollte die Stimmen aller Wähler respektieren und derjenige, der die meisten Stimmen bekommen hat, soll der nächste Präsident werden."

Verletzte von Anschlägen in der afghanischen Stadt Jalalabad liegen im Krankenhaus. | Bildquelle: AP
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Verletzte in einem Krankenhaus in Jalalabad: Insgesamt gab es am Wahlttag 260 Anschläge auf Wahllokale.

"Aber was ist schon perfekt?"

Es sei alles getan worden, um für transparente und faire Wahlen zu sorgen, versicherte der nationale Sicherheitsberater der afghanischen Regierung, Hamdullah Mohib. Es seien diesmal verschiedene Mechanismen eingeführt worden, darunter die biometrischen Geräte sowie Sticker, die auf die Ausweise der Wähler und auf die Wählerlisten geklebt worden waren. "Aber was ist schon perfekt? Natürlich war das nicht perfekt, doch vom technischen Standpunkt aus betrachtet, waren das die besten Wahlen, die wir je hatten", sagte Mohib.

Experten gehen davon aus, dass Amtsinhaber Ashraf Ghani und Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah die meisten Stimmen erhalten haben und dass es - wie vor fünf Jahren - zu einer Stichwahl zwischen den beiden kommt. Ob der nächste Präsident, angesichts der geringen Wahlbeteiligung von allen als legitimer Vertreter des Volkes anerkannt wird, ist jedoch fraglich.

Eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit den Taliban könnte schwierig werden. Die Taliban haben die amtierende afghanische Regierung schon in den vergangenen Jahren als Marionette der USA abgelehnt.

Geringe Beteiligung bei Präsidentenwahl in Afghanistan
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
30.09.2019 09:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. September 2019 um 05:11 Uhr.

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