Dieses Bild wurde an eine Mauer an der US-Botschaft in Kabul gesprüht. | AFP

Ortskräfte der Armee Afghanische Helfer in die USA geflogen

Stand: 31.07.2021 07:59 Uhr

In den USA ist das erste Flugzeug mit mehr als 200 Afghanen eingetroffen, die als Ortskräfte für die US-Armee gearbeitet haben. Der Kongress unterstützt die Luftbrücke in seltener Eintracht parteiübergreifend.

Von Franziska Hoppen, ARD-Studio Washington

Um 2:00 Uhr nachts landete im US-Bundesstaat Virginia die Passagiermaschine aus Kabul. An Bord waren 221 afghanische Männer, Frauen und Kinder. Es sind Mitarbeiter der US-Armee mit ihren Familien, die als Übersetzer oder in anderer Funktion in Afghanistan geholfen haben.

Franziska Hoppen ARD-Studio Washington

Für ihre riskante Arbeit haben sie Anspruch auf ein spezielles Einwanderungsvisum in die USA. Viele fürchten, in ihrer Heimat Ziel der radikal-islamischen Taliban zu werden - vor allem nach dem bevorstehenden Abzug der US-Streitkräfte.

Parteiübergreifende Unterstützung im Kongress

Präsident Joe Biden begrüßte die afghanischen Familien schriftlich und bedankte sich für ihren Einsatz und Mut. Virginias Senator Tim Kaine freute sich, dass die Familien nun in seinem Bundesstaat ein neues Leben beginnen können: "Wir sind stolz, dass diese Menschen hier bei uns ankommen und wollen sie dabei unterstützen, in den USA ein neues, aufregendes und herausforderndes Kapitel voller Möglichkeiten zu beginnen."

Und noch etwas betonte Kaine: Bei der Luftbrücke nach Afghanistan seien sich Republikaner und Demokraten ausnahmsweise mal einig. Der der Kongress verabschiedete mit großer Mehrheit ein Gesetz - der Senat sogar einstimmig -, durch das eine Milliarde Dollar zusätzlich in das Programm investiert werden kann.

"Unsere Brüder und Schwestern im Krieg"

In einer emotionalen Rede hatte sich im Abgeordnetenhaus auch der Republikaner Michael Waltz für Geschlossenheit beider Parteien eingesetzt. "Diese Afghanen waren unsere Brüder und Schwestern im Krieg", so Waltz. "Unser Leben hing von ihnen ab."

Der republikanische Politiker Mike Waltz | AFP

Mike Waltz (Archiv) war mehrfach als Soldat in Afghanistan eingesetzt. Bild: AFP

Sie haben mit uns gekämpft, mit uns geblutet und in vielen Fällen sind sie mit unseren Truppen gestorben." Waltz war selbst mehrfach als Soldat in Afghanistan eingesetzt.

Hohe Hürden für Afghanen 

Der Visa-Prozess für die afghanischen Helfer ist kompliziert. Wegen des Vormarsches der Taliban leben viele der Antragsteller kreuz und quer im Land verstreut und versteckt. Weil die US-Truppen aus Afghanistan abziehen, wird es schwierig werden, diesen Menschen Hilfe zu leisten.

Zudem kritisiert etwa Krish O`Mara von der Lutheranischen Immigrations- und Flüchtlingsorganisation LIRS, dass nur den Afghanen geholfen werde, die länger als zwei Jahre für die US-Truppen gearbeitet haben. "Was ist mit denen, die etwa 18 Monate gearbeitet haben? Lassen wir die zurück?", fragt O'Mara. Außerdem dauere der Visa-Prozess viel zu lange - teilweise Jahre.

Temporärer Aufenthalt in Drittstaaten?

Die US-Regierung erwägt bereits, Bewerber zunächst in Drittländer wie Kuwait oder Katar auszufliegen, damit sie dort in Sicherheit auf ihre Papiere für die USA warten können.

In den kommenden Wochen werden weitere 2500 Bewerber inklusive ihrer Familien in die USA gebracht. Ihr Visa-Prozess ist zum Großteil abgeschlossen. Insgesamt könnten deutlich mehr, nach Schätzungen bis zu 70.000 Afghanen in Frage kommen, das spezielle Einwanderungsvisum zu nutzen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2021 um 18:33 Uhr.