Die Särge für die Opfer des Angriffs vom Dienstag werden in einem Krankenhaus in der nördlichen Provinz Baghlan auf den Boden gestellt. | dpa

Angriff in der Provinz Baghlan Zehn Minenräumer in Afghanistan getötet

Stand: 09.06.2021 11:28 Uhr

Unbekannte haben in Afghanistan ein Camp von Minenräumern angegriffen. Mindestens zehn Mitarbeiter einer britisch-amerikanischen NGO wurden getötet. Bisher bekannte sich niemand zu dem Angriff.

Bei einem Angriff auf einen Minenräumtrupp der britisch-amerikanischen Organisation Halo Trust sind in Afghanistan zehn Menschen ums Leben gekommen. 16 weitere seien verletzt worden, bestätigte Halo Trust in einer auf Twitter geteilten Erklärung. Demnach war eine "unbekannte, bewaffnete Gruppe" am Dienstagabend (Ortszeit) in ein Camp mit rund 110 Minenräumern in der Provinz Baghlan im Norden des Landes eingedrungen und hatte das Feuer eröffnet. Noch kurz zuvor hatten die Minenarbeiter auf einem nahe gelegenen Minenfeld gearbeitet.

"Wir verurteilen den Angriff auf unsere Mitarbeiter auf das Schärfste", hieß es in der Erklärung von Halo Trust. Sie hätten humanitäre Arbeit geleistet, um Leben zu retten. Man konzentriere sich nun darauf, sich um die Verletzten zu kümmern und die betroffenen Familien zu unterstützen.

Bisher bekannte sich niemand zu dem Vorfall. Das afghanische Innenministerium beschuldigte die militant-islamistischen Taliban. Die Islamisten erklärten auf Twitter, sie hätten mit dem Vorfall nichts zu tun.

Mitarbeiter mehrmals verschleppt

In der Vergangenheit waren Mitarbeiter von Halo Trust in Afghanistan mehrmals von Unbekannten für kurze Zeit verschleppt worden. Der Webseite der Wohltätigkeitsorganisation zufolge arbeiten 2600 Mitarbeiter für Halo Trust in Afghanistan. Das Programm der Minenräumorganisation in dem Land werde vollständig von Afghanen geführt. Seit 1988 zerstöre man Minen und andere explosive Gegenstände in dem Land. In weiten Teilen des Landes sind Bomben und Landminen vergraben, die den Taliban und anderen Gruppen als Sprengfallen für Militärkonvois dienten. Oft kommen dadurch auch Zivilisten ums Leben.

Schlechtere Sicherheitslage

Nichtregierungsorganisationen und Hilfsprojekte in Afghanistan werden häufiger angegriffen. 2020 wurden nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Inso 180 Vorfälle mit NGOs in Afghanistan registriert. Dabei wurden 14 Mitarbeiter getötet, 27 verletzt und 42 entführt. 

Seit dem offiziellen Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan am 1. Mai hat sich die Sicherheitslage in dem Land noch einmal verschlechtert. Die militant-islamistischen Taliban haben seither mehrere Offensiven gestartet und mindestens elf Bezirke in dem Land erobert. Dabei kamen Hunderte Sicherheitskräfte ums Leben oder wurden verletzt. Täglich werden auch Zivilisten Opfer des Konflikts. Neben den Taliban ist auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" in dem Land aktiv.